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Bewusstsein lokalisiert sich außerhalb des Gehirns. Es hat keinen festen Ort. Es ist „überall“.

DAS BEWUSSTSEIN IST NICHT IM GEHIRN LOKALISIERT

Professor Georg Wald, Professor Emeritus bei der Harvard Universität, bekam den Nobelpreis für seine Untersuchung der Biochemie der bildlichen Vorstellung. In einem Papier mit Leben und Verstand im Universum betitelt, für eine Seminarvorlesung über Verstand, Gehirn und Bewusstsein in Neu Dehli (gehalten im Februar1987 bei NCERT) eingereicht, sprach Georg Wald über die neuesten Trends in der Hirn-Verstand Forschung: „Vor ein paar Jahren sprach ich darüber mit Wilder Penfield, dem großen kanadischen Neuro-Chirurgen. Im Laufe seiner therapeutischen Aktivitäten hatte er nie da gewesene Möglichkeiten die aufgedeckten Gehirne von bewussten Patienten zu untersuchen, und hoffte auf diese Weise den Sitz des menschlichen Bewusstseins zu entdecken. Ich fragte ihn, `warum glauben sie, das Bewusstsein ist im Gehirn?` Er lachte in sich hinein und sagte, `Gut, ich sage ihnen eins, es ist nicht im celebralen Kortex.`Prof. Wald erläuterte dann seine eigene Vorstellung vom Verstand-Gehirn-Bewusstsein Verhältnis:

„So ist Bewusstsein die essentielle Bedingung für alle Wissenschaften, Wissenschaft kann es nicht behandeln ... Bewusstsein selbst liegt außerhalb der Parameter von Raum und Zeit und macht es für die Wissenschaft unzugänglich. Diese Vorstellung birgt eine enorme Konsequenz. Bewusstsein kann nicht lokalisiert werden. Und noch mehr. Es hat keinen festen Ort... Das ist also das Problem von Verstand-Bewusstsein  - ein weites unteilbares Feld, das alle Wissenschaft einschließt, mit dem diese Wissenschaft aber noch nicht umgehen kann, noch keinen Zugang gefunden hat; es bietet nichts zu messen an, und nichts zu lokalisieren, solange es keinen festen Ort hat.`

In der Reihe der großen Wissenschaftler des 20.Jahrhunderts, wie Heisenberg, Schrödinger oder Einstein, stolperte Wald intuitiv auf die Wahrheit der Vorrangigkeit des Verstandes über die Materie. „Vor ein paar Jahren erschien es mir - verbunden mit ein wenig Schock meiner wissenschaftlichen Empfindsamkeit - dass meine beiden Probleme, das eines lebendig atmenden Universums und das eines weder lokalisierbaren noch identifizierbaren Bewusstseins, zusammengebracht würden. Aber sehr schnell realisierte ich, dass ich in vorzüglicher Gesellschaft war. Nicht nur, dass Bruchstücke dieser Denkungsart tief in der tausende von Jahren alten östlichen Philosophie eingebettet sind; sie werden ausdrücklich in den Schriften der gegenwärtigen Physiker und der der letzten Zeit wiedergegeben.“

Wald zählt eine Anzahl von außenstehenden Physikern auf, die seine Vorstellungen unterstützen. Der Physiker von Weizsäcker stellte 1971 über die Quantentheorie eine neue intelligente Interpretation auf, die er seine `Identitäts-Hypothese` nannte: „Bewusstsein und Materie sind verschiedene Ansichten der gleichen Wirklichkeit.“ Prof.Wald zieht von allen Wolfgang Paulis Formulierung (1952) vor: „Für uns wäre es höchst zufrieden stellend, ... erscheint der einzig akzeptable Gesichtspunkt der zu sein, der beide Seiten der Wirklichkeit anerkennt - die quantitative und die qualitative, die physikalische und die psychische als mit der anderen zusammenpassend und schließt sie gleichzeitig ein - wenn Physik und Psyche (Materie und Verstand) als zusammenpassende Ansichten der selben Wirklichkeit gesehen werden könnten.

„Biologen“, sagt Wald, „neigen dazu, vom Bewusstsein in Verlegenheit gebracht zu werden. Als Merkmal eines lebenden Organismus fühlen sie, dass sie darüber wissen müssten und in der Tat in einer Position wären, Physiker darüber auf die Beine zu helfen - keiner von ihnen kam darauf. Deshalb das Unbehagen, das Umgehen oder schlimmer: auf Nebenschauplätzen sprechen, die dem grundsätzlichen Problem ausweichen.“

Prof. Wald legt dann den grundlegenden Dogmatismus der Wissenschaftler dar, die den Geist-Aspekt der physikalischen Wissenschaft zurückweisen: „Wenn ich wie Eddigton sage, - `um es ungeschminkt zu beenden- der Stoff der Welt ist Geist-Stoff, ` dann klingt es metaphysisch. Aber wenn ich sage, dass die letzte Wirklichkeit in den Lösungen der Gleichungen der Quantenmechanik, Quantenelektrodynamik und Quantenfeldtheorie  ausgedrückt wird - dann klingt das wie gute, moderne Physik. Was sind jedoch diese Gleichungen, was ist Mathematik tatsächlich, wenn nicht Geist-Stoff? - bildlich das Letzte aus Geist-Stoff und aus diesem Grund höchst mysteriös.

Was wir als materielles Universum erkennen, ein Universum in Raum und Zeit aus elementaren Teilchen und Energien, ist dann ein Avatar, eine Materialisation des anfänglichen Geistes. In diesem Sinn gibt es kein Warten auf ein erscheinendes Bewusstsein. Es ist immer schon da. Auf was wir in der Evolution des Lebens warten ist nur der Höhepunkt, das Auftauchen von Kreaturen, damit sich in ihrer Selbsterkenntnis Bewusstsein artikulieren kann, ihm eine Stimme geben kann und sich als soziale Wesen in Kultur, Technologie, Kunst und Wissenschaft darzustellen.“

Wissenschaftler aus vielen Bereichen konzentrieren sich heute auf das Studium der unabhängigen Entwicklung des Bewusstseins, parallel zu der dauernden Entwicklung der Anatomie und Physiologie. Die Entwicklung des Geistes(Verstandes) wird heute als eine Unternehmung innerhalb der kosmischen Entwicklung betrachtet.

„Die Aufgabe, die Natur der Zwischenbeziehung von Gehirn und Bewusstsein zu finden, stellt sich“, nach Dr. Desi Raju, ein Neuro-Physiologe aus Bangalore, „als eine größere Forschung  mit Diskussionsinteresse und Hypothesierung in Neuro-Physiologie seit Mitte dieses Jahrhunderts dar.“ Das zerebrale Kortex (Großhirn) eines Menschen ist auch nahe an der außerordentlichen Erweiterung der Assotiationsbereiche und seiner Kapazität, Erinnerungen und Eindrücke zu verknüpfen und zu speichern. „Der Inhalt des Bewusstseins, der im Menschen am höchsten entwickelt ist, könnte als Kennzeichen,“ sagt Desi Raju, „des Mechanismuses der gleichmäßig sich erweiternden Bereiche des menschlichen Gehirn bezeichnet werden, d.h.der Assotiationsbereiche des zerebralen Kortex und seiner Zwischenverbindungen.“

Wie entwickelte sich der menschliche Verstand unserer primitiven Vorfahren zum dem eines Buddha oder Leonardo da Vinci? Vom Standpunkt der Biologie, scheint die phylogenetischen Einteilung des Lebensstromes in das Reich der Pflanzen und Tiere das erste große Ereignis zu sein, das unabdingbar zur Entwicklung einer größeren Möglichkeit eines bewussten Zustandes durch das Reich der Tiere zu dem der Menschen zu führen, und schließlich zur Entwicklung riesiger Intellekten von Newton, Einstein oder Shankaracharya. Das zentrale Prinzip der Entwicklungsgeschichte des tierischen Lebens erscheint, nach der modernen medizinischen Wissenschaft, als die Entwicklung von mehr und mehr komplexeren zerebralen assoziativen Organisationen, die immer bessere Mechanismen oder Prozesse haben und immer größere Bewusstseininhalte hervorbringen können.

Der Wissenschaftler Roger Sperry weist die Vorstellung zurück, dass der Körper den Verstand erschafft. Er behauptet im Gegenteil, dass sich der Verstand zuerst entwickelte und deshalb die Entwicklung von größeren Gehirnfunktionen ausführte. Er sagte, dass „diese Wende von einer verursachenden Bestimmtheit, die rein physikalisch ist, zu einer, die bewusste, subjektive Kräfte, die physikalische ersetzen, einschließt, den eigentlichen Unterschied ausmacht, wenn es um den Gebrauch der `Wahrheit` der Wissenschaften als ein Kriterium für ethische Werte geht.“ 

Jeder Versuch den Verstand zu vermaterialisieren oder den Verstandesgeist durch Ausdrücke  der Materie zu erklären, wird für die auf Materie begründete Wissenschaft von heute zu einem wachsend schwierigen Problem. Der Neurologe Sir Charles Sherrington sagt (in der Einführung zu Physical Basic of Mind, herausgegeben von Peter Laslett): „Die Kenntnis über die physikalische Grundlage des Verstandes macht heute große Fortschritte ... Der Verstand, was Gedanken, Erinnerung, Gefühle, Überlegen usw. angeht, kann schwer als physikalische Sache klassifiziert werden. Die Physiologie, eine Naturwissenschaft, scheint über alles Außerphysikalische zu schweigen. Auf diese Weise gerät das Studium der physikalischen Grundlage des Verstandes zwischen zwei Stühle.“

Wilder Penfield, der extensive Experimente mit Gehirnuntersuchungen von Patienten machte, schrieb Angedenk seines Lehrers Sir Charles Sherrington: „Schließlich konnte Sherrington nur sagen, dass `wir das Verhältnis von Verstand zu Gehirn  nicht nur als ungelöst betrachten können, sondern immer noch keine Grundlage zum Anfangen haben.`“ Penfields Entdeckung, dass der Verstandesgeist nicht im Gehirn lokalisiert ist, sondern eine unabhängige Existenz ist, brachte ihn dazu, über die Reaktionen von Patienten während einer Hirnuntersuchung zu schreiben: „Der Verstand des Patienten, der die Situation in so einer entfernten und gefährlichen Weise betrachtet, kann nur etwas ganz von nervlichen Reflexhandlungen entferntes sein ...

Und doch scheint der Verstand unabhängig vom Gehirn zu agieren, in dem Sinn, wie ein Programmierer unabhängig von seinem Computer agiert, wenn er auch oft für manche Aufgaben von der Arbeit des Computers abhängt. ...“

Georg Wald, Paper on Life and Mind in the Univers, (eingereicht bei NCERT, New Dehli, Feb.1987)

T. Desi Raju, Schrift über Neuro-physiology and Consiousness: An Interated Non-dualist Evolutionary Theory, subm. In the same seminar of NCERT, Feb. 1987

Swami Ranganathananda: Article on Self Behind The Brain, printed in Prabuddha Bharata, Nov.1988