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  • Die implizierte Ordnung: Die ungebrochene Ganzheit

DIE WISSENSCHAFT ENTDECKT EINE DARUNTER LIEGENDE EINHEIT HINTER DEM UNIVERSUM

(Bells Theorem)

 1982 entdeckte plötzlich die moderne Wissenschaft, dass weit hinter den erscheinenden Variationen der Raum-Zeit-Welt aus Materie und Energie eine tiefere und grundsätzliche Zwischen-Verbundenheit in unserem Universum besteht. Eine Forschungsgruppe, aus den Physikern Alan Aspect, Jean Dalibard, und Gerard Roger beim Institut für theoretische und angewandte Optik in Paris zusammengesetzt, machte vielleicht eine der bezeichnendsten Entdeckung des Jahrhunderts, die erfolgreich diese Tatsache der darunter liegenden Einheit beweist.1

 Die Geschichte dieser Entdeckung geht auf das Jahr 1927 zurück, als der junge deutsche Physiker Werner Heisenberg die Welt der Wissenschaftler mit seinem erfolgreichen Versuch des berühmten Unschärfeprinzips durchschüttelte. Was ist dieses Unschärfeprinzip? Man kann es kurz folgend beschreiben.

 Um einen Tisch oder einen Stuhl, oder eine Kiste zu kennen, müssen wir die Maße messen, wie Länge, Höhe und Breite. Aber in der subatomaren Welt bewegen sich die Partikel mit einer sehr großen Geschwindigkeit, ihre Maße wachsen mit der Zunahme ihrer Geschwindigkeit. Um nun ein subatomares Partikel zu kennen, muss man beides wissen, seine Position und seine Geschwindigkeit. Aber Heisenbergs Gleichung „Delta Q mal Delta P ist größer/gleich h“ bewies experimentell, dass diese zwei Seiten eines Quantum-Partikels nie präzise zusammen bekannt sein können. Wenn eine völlig bekannt ist, ist die andere völlig unbekannt. Mit anderen Worten, subatomare oder Quanten Partikel (solange diese Partikel sich als dezente und fortwährende Energiequanten bewegen) können nie ganz bekannt sein.

 Die drei Wechselbeziehungen des Versuchs brachten in der Tat einen revolutionären Wandel im wissenschaftlichen Denken. Diese Wechselbeziehungen sind: 1. Niemand kann wissen, was ein subatomares Partikel wirklich ist, obwohl man seine Anwesenheit feststellen und auch mit ihm arbeiten kann. Die Welt der subatomaren Partikel erscheint einem wie die Innenseite einer ´nicht zu öffnenden` Uhr, wie Einstein sagte. 2. Das strenge Gesetz von Ursache und Wirkung, das im täglichen Leben so klar wirkt, wirkt nicht in der Quantenwelt der subatomaren Partikel. 3. Die strenge Einteilung oder Trennung zwischen dem Objekt des Experiments und dem Verstand oder dem Subjekt des Experimentators, oder die Unterscheidung zwischen objektiver Materie und subjektivem Verstand ist für immer zerstört.

 Heisenbergs Unschärfeprinzip ist auch als Theorie der Unbestimmtheit bekannt, seit es den alten Determinismus der Wissenschaft, die durch Laplace beschrieben  und durch Newtons Gesetze der Bewegung bekräftigt war,  erschütterte.

 Der Erfolg von wenigen Gesetzen der Wissenschaft, die bis zum Ende des 18.Jahrhunderts entdeckt wurden, führte den Mathematik-Philosophen Laplace zur Postulierung eines wissenschaftlichen Determinismus, der sagt, dass das Set von wissenschaftlichen Gesetzen die Entwicklung des Universums präzise festlegen kann, sobald der Zustand des Universums zu einer bestimmten Zeit bekannt ist. Newton arbeitete auf der Basis dieses wissenschaftlichen Determinismus und entwickelte die Vorstellung eines Maschinen-gleichen oder mechano-morphischen Universums. Aber es gab Schwachpunkte in Newtons Determinismus. Der Astrophysiker Steven Hawking zählte die grundlegenden Fehler des klassischen Determinismus hervorragend auf.

 „Der Determinismus von Laplace war in zwei Punkten unvollständig. Er sagte nicht darüber aus, wie die Gesetze ausgewählt werden sollen und er spezifizierte nicht den Anfangszustand des Universums. Der wurde Gott überlassen. Gott solle festlegen, wie das Universum anfing und  welchen Gesetzen es gehorche, aber er dürfe in ein einmal angefangenes Universum nicht eingreifen. Im Endeffekt wurde Gott auf die Gebiete verwiesen, die die Wissenschaft des 19.Jahrhunderts nicht verstanden hat.“ 2

 Wissenschaftlicher Determinismus versagte nicht nur die Quantentheorie zu befriedigen, er versagte auch bei der allgemeinen Relativitätstheorie, als er aufgerufen war den Beginn unseres Universums zu definieren. Hawking schreibt:

 „Nach der allgemeinen Relativitätstheorie musste es in der Vergangenheit einen Zustand höchster Dichte gegeben haben, der den Urknall bewirkte und ein wirkungsvoller Anfang der Zeit wäre. ... Beim Urknall und bei anderen Singularitäten wären alle Gesetze aufgehoben und Gott hätte noch alle Freiheit zu entscheiden, was passieren und wie das Universum anfangen soll.“ 3

 Einstein, für den die Welt der Materie sehr wirklich und objektiv ist und streng nach dem Prinzip von Ursache und Wirkung abläuft, konnte das Unschärfeprinzip nicht akzeptieren, obwohl der Versuch vor seinen Augen erfolgreich und wiederholt gezeigt wurde. Er nannte die Quantenphysik eine `falsche Religion` und glaubte, dass eines Tages irgend eine neue Entdeckung sie gerade in der Weise entwerten würde wie viele alte Pfeiler der wissenschaftlichen Gedanken bereits durch spätere Meister zerstört worden sind.

 Um das Unschärfeprinzip zu widerlegen veröffentlichte Einstein, Boris Podolsky und  Nathun Rosen 1935 eine Schrift (auf einem Experiment basierend), die den Titel hatte: „Kann die quanten-mechanische Beschreibung der physikalischen Wirklichkeit als vollständig betrachtet werden?“ Diese Schrift, bekannt als EPR Effekt, war in der Tat eine direkte Herausforderung an Heisenbergs Unschärfeprinzip. Das Unschärfeprinzip demonstriert, dass in der Welt der subatomaren Teilchen unsere gewöhnliche Vorstellung der Ursächlichkeit einfach aufhört zu existieren. Wenn wir einen Stein in die Höhe werfen, wissen wir, dass der Stein einen messbaren und vorhersagbaren Weg gemäß dem eines Projektils einnimmt. Aber dieses einfache Verhältnis von Ursache und Wirkung verschwindet gerade in der Quantenwelt. Einstein stand bis zum Ende seines Lebens gegen die Demontage der klassischen Ursächlichkeit in der Quantenwelt. Jetzt legten Einstein, Podolsky und Rosen in dieser Schrift mathematisch dar, dass wenn das strenge Verhältnis von Ursache und Wirkung in der Welt der subatomaren Teilchen nach dem Unschärfeprinzip wirklich nicht existent ist, dann ein merkwürdiges Phänomen auftauchen würde. Was ist das für ein merkwürdiges Phänomen?

 Es bedeutet, um es einfach zu sagen, dass zwei gleiche subatomare Teilchen irgendwie simultan verbunden sein müssen, auch wenn sie sich in riesigen Entfernung zueinander befinden. Wie ist das möglich? Wie ist es möglich, dass zwei gleiche subatomare Teilchen, die durch Weltraumentfernung (welches Licht und die schnellsten elektromagnetischen Signale in Sekunden durchqueren) getrennt sind, miteinander andauernd kommunizieren? Bis 1936 war es nicht bekannt, dass so ein Phänomen der dauernden Verbindung zwischen zwei Teilchen existierte. Und während es bis zur Zeit Einsteins unbekannt war, dachte er, dass Heisenbergs Unschärfeprinzip falsch sein muss. Dies war das Ziel und die Herausforderung des EPR Gedankenexperiments. Aber die merkwürdigen Phänomene bewiesen ihre Existenz, bestätigt wurde das durch erfolgreiche Experimente 1972 von David Bohm in London, Clauser und Freedman in den USA und ein Team von Alain Aspect 1982 in Paris.

 J. S. Bell, ein Physiker bei der europäischen Organisation für nukleare Forschung (CERM), formulierte den EPR-Effekt mathematisch. Eine der Auswirkungen von Bells Theorem ist, dass „auf einer tiefen und grundsätzlichen Ebene die einzelnen Teile des Universums in einer intimen und unmittelbaren Weise verbunden sind.“ 4 Während den 1960ern gab es keine ausreichende technische Präzision um Bells Theorem zu bestätigen, aber später führte der Physiker David Bohm in London eine experimentelle Version des EPR-Effekts vor. Obwohl das ganze Experiment sich wie eine arabische Geschichte aus 1001 Nacht anhört, konnte die anfängliche Idee jetzt experimentell demonstriert werden. John Clauser und Stuart Freedman führten eigentlich das Experiment 1972 im Lawrence-Berkeley-Labor durch. Sie fanden, dass die statistischen Vorhersagen, auf denen Bells Theorem basiert, richtig sind. Die Phänomene verunsicherten viele Physiker. Schrödinger kommentierte: „Es ist ziemlich unbehaglich.“ 5 David Bohms erfolgreicher Versuch des EPR-Effekts  wird in einfacher Weise in Gary Zukavs Buch The Dancing Wu Li Masters illustriert. 6

 Betrachten wir ein Zwei-Partikel Null-Spin System. Das sind in der physikalischen Welt solche Systeme, in denen der Spin (Drehrichtung) eines Teilchens des Systems den Spin des anderen aufhebt. Kurz, diese zwei Teilchen agieren wie Zwillingsbrüder. Stellen wir uns vor, dass die zwei Teilchen dieses Systems gleichzeitig in zwei gegensätzliche Richtungen der gleichen Polarisationsebene verstreut sind. Wenn jetzt die Richtung(Spin) eines der Teilchen nach einer gewissen Entfernung (X) geändert wird, bekommt das sich in der gegensätzlichen Richtung bewegende andere Teilchen nach der gleichen durchquerten Entfernung (X) die exakt gegensätzliche Veränderung seiner Richtung.

  Wenn dem Teilchen A in dem Zwei-Partikel-System AB ein Spin nach rechts oben nach Durchquerung einer Entfernung (X) gegeben wird, bekommt das zweite Teilchen B, das sich auf der gleichen Ebene, aber in einer gegensätzlichen Richtung nach der gleichen Entfernung (X), bewegt, den Spin nach links unten. Und der Wechsel der Richtung des Teilchens B erscheint spontan ohne äußere Einwirkung. Die verwunderliche Wirkung des EPR-Versuchs ist, dass das Teilchen B irgendwie weiß, dass sein Zwillingsbruder A in der Bewegungsrichtung in einer Entfernung von (X) beeinflusst worden ist und dass ihm ein Spin nach rechts oben gegeben wurde. Und dann reagiert das Teilchen B auf die Aktion, die seinem Spin widerfuhr. Aber Teilchen B reagiert in genau der gegensätzlichen Weise und nimmt den gegensätzlichen Spin links unten an. Dass Teilchen B sich gerade in der gegensätzlichen und unzufälligen Weise, spontan, wie A verhält, ist erstaunlich. Wie kann B etwas über seinen Bruder wissen, und wie kann es auf dieser sonderbar feststellbaren und unabhängigen Weise reagieren?

 Während EPR ein Paar hypothetische Zwillings-Teilchen behandelte, führten Clauser und Freedman einen Versuch mit realen paarigen Teilchen (Photonen oder Lichtteilchen) durch. Sie experimentierten mit diesen paarweisen Photonen mit ihrer Polarisation (statt ihres Spins). Clauser und Freedman benutzten bei ihrem Versuch über Bells Theorem paarige Photonen, die gleichzeitig von einem Neonlicht in exakt zwei verschiedene Richtungen ausgestrahlt werden.

 Das Clauser-Freedman-Experiment bewies, dass, wie auch immer die verschiedenen Umstände des Versuchs sind, es letztendlich belegt, dass ein Photon des Photonenpaares (des Zwillingspaares) immer und ununterbrochen mit dem anderen Photon kommuniziert. Auch wenn die Zwillings-Photonen theoretisch durch eine astronomische Entfernung getrennt sind (das Licht braucht dafür nur ein paar Sekunden), wird der Zustand des einen Photon sofort an sein Zwilling übermittelt. Die Kommunikation besteht ununterbrochen. Das ist der merkwürdigste Aspekt des Versuchs. Kommunikation geschieht immer durch ein Signal. Und das schnellste Kommunikationssignal in unserer Raum-Zeit-Welt ist die Lichtgeschwindigkeit, die, wie Einstein zeigte, die Höchstgeschwindigkeit in unserem Universum ist. Aber höchst überraschend scheinen die zwei Photonen ununterbrochen zu kommunizieren, auch wenn sie durch eine Entfernung getrennt sind, für die das Licht einige Sekunden zum Reisen braucht! Alle Physiker waren jedoch über das Experiment nicht erfreut. Einige kritisierten aus verschiedenen Gründen die Methode.

 Dann ergänzte 1982 Alain Aspect, zusammen mit seinen Kollegen Jean Dalibard und Gerard Roger, die notwendigen Feinheiten, die die Ergebnisse unwidersprochen machten. Die Gruppe benutzte Photonen, die von Atomen des Quecksilberdampfs stammen, die mit einem Laser in einen höheren Energiezustand für die paarigen Teilchen angeregt wurden. Mit einem Schaltmechanismus, der in einer Billionstel Sekunde operiert, um schnell genug Photonen nach Verlassen ihrer Quelle einzufangen und noch bevor sie ein paar Zentimeter gereist sind, schritten Aspect, Dalibard und Roger voran die Winkel der Polarisation von Strahlen unzähliger paariger Photonen zu messen. Sie fanden, dass die „Beziehungsebene“ zwischen den in gegensätzliche Richtungen verstreuten Photonen viel größer war, als man angenommen hatte. In der Tat war sie immer andauernd. 7

 Wie könnte eine dauernde Kommunikation zwischen zwei Objekten möglich sein? Einsteins Relativitätstheorie zeigt, dass `schneller als Licht` oder ``super-luminale(überlicht) Kommunikation` unmöglich ist. Aber solche super-luminale Kommunikation existiert unglaublicher Weise! Was sind  mögliche Erklärungen? Seit 1975 versuchten Wissenschaftler mit intelligenten Vorschlägen eine Erklärung.

 Henry Stapp, ein amerikanischer Physiker, schreibt, `dass eine Information, die super-luminal überbracht ist, a priori, nicht unvernünftig ist.` 8 Er behauptete, dass Bells Theorem unzweifelhaft beweist, das `unsere gewöhnliche Vorstellung der Welt sogar auf der makroskopischen Ebene irgendwie grundsätzlich ungenügend ist.` 9 Ein anderer Physiker, Jack Sarfatti, machte 1975 eine sehr gewagte Spekulation und setzte voraus, dass nicht nur eine super-luminale Verbindung zwischen zwei Teilchen besteht, sondern dass diese Verbindungen auch auf einem kontrollierten Weg für die Übermittlung von Nachrichten benutzt werden kann. 10

 Wir sind bereits an einen Punkt gekommen, wo wir eine physikalische Erklärung für Telepathie zwischen einer besorgten Mutter und ihrem kränklichen und weit entfernten Kind geben können. Wissenschaftler stehen heute in ihren Laboren Auge in Auge mit einer Erfahrung, die nicht mit dem Reich des Mystizismus oder des Übernatürlichen abgeleugnet werden kann. Eine fundamentale Einheit, die auf einem viel tieferen Level liegt, als man entdecken könnte, weder von Newtonianern noch von Relativitäts-Physikern, ist wirklich existent.

 Mit dem EPR-Effekt öffnete Einstein, ohne es zu wissen, die Büchse der Pandora der Physik, wie Gary Zukav sagt. Er geht von der Existenz einer grundlegenden Verbundenheit zwischen zwei gleichen Teilchen aus, die im ganzen Universum durch jede Entfernung getrennt sein können.

 Der Physiker Henry Stapp schrieb 1975 in einer von der U.S. Energy and Development Administration geförderten Arbeit: `Bells Theorem ist die tiefgründigste Entdeckung des Jahrhunderts.` 11

   

SUPER-DETERMINISMUS

 David Bohm, der Londoner Physiker, postulierte 1974 eine neue Vorstellung, die aus Bells Theorem entstanden ist - Das Prinzip der nicht-lokalen Ursache.

 `Bells Theorem bedeutete einen erschütternden Windstoß gegen Einsteins Position, in dem es zeigte, dass die kartesische Vorstellung der Wirklichkeit von getrennten Teilen durch lokale gemeinsame Verbindungen nicht mit der Quanten-Theorie vereinbar ist,` schreibt Fritjof Capra. 12 Henry Stapp fasst die Situation noch deutlicher zusammen. Er sagt, `Das Theorem von Bell beweist in der Tat die tiefgründige Wahrheit, dass die Welt weder grundsätzlich gesetzlos noch grundsätzlich unzertrennlich ist.` 13 Das Prinzip der lokalen Ursachen bedeutet, dass wenn ein Mann einen Unfall in New York hat, nichts einem anderen ähnlichen Mann in Neu Delhi passieren wird. Das neue Prinzip der nicht-lokalen Ursachen folgert, dass was immer in einem Teil des Universums einer einzige Einheit passiert eine Wirkung hat, die wahrscheinlich in jedem anderen Teil des Universums an einer ähnlichen Einheit entdeckt werden kann. Bells Theorem hat in der Tat die Grundlage für das, was Malic Kapec `neu bestimmende Interpretation zeitgenössischer Mikrophysik` nennt, geschaffen.

 Die Wissenschaft freut sich nun auf eine höhere Art von Determinismus (Bestimmtheit) oder `Super-Bestimmtheit`, die das Universum auf einer viel tieferen Ebene regiert, anführt und bestimmt. Gary Zukav erklärt:

 In diesem Fall werden wir zum Super-Determinismus gebracht. Das ist ein Determinismus, der weit hinter dem gewöhnlichen Determinismus ist. Gewöhnlicher Determinismus geht davon aus, dass eine einmal begonnene Situation eines Systems sich etabliert hat, die Zukunft des Systems sich auch etabliert hat, solange es sich nach den unumstößlichen Gesetzen von Ursache und Wirkung entwickelt. Dieser Typ des Determinismus war die Grundlage für die Vorstellung von einer „großen Maschine“ des Universums. ... Nach dem Super-Determinismus kann sich nicht nur die Anfangssituation des Universums verändern. Nicht nur für Dinge ist es unmöglich etwas anderes zu sein als sie sind, es ist auch unmöglich, dass die Anfangssituation des Universums anders sein könnte als wie sie war. Was wir auch in jedem gegebenen Moment tun, es ist das einzige für uns zu diesem Moment jemals möglich ist.“ 14

 Zukav denkt, dass dieses superdeterministische Model der Wirklichkeit eine buddhistische Vorstellung sei. Nein. Er ist sich nicht bewusst, dass dies die grundlegende Hindu- oder Vedanta-Vorstellung ist, mit der die Seher und Mystiker gelebt haben, die ihr ganzes Leben mit vollständiger Hingabe dem Willen der Letzten Wirklichkeit, die auch eine super-deterministische Wirklichkeit ist, gewidmet haben. 15 Zukav wählt das Bild von Kali, nach der Hindu-Mythologie, um diese super-deterministische Wirklichkeit der modernen Physik zu erläutern.

 „Östliche Religionen haben nichts über die Physik zu sagen, aber sie haben eine große Aufgabe etwas über menschliche Erfahrung zu sagen. Kali, die göttliche Mutter, ist das Symbol für die unendliche Vielfalt der Erfahrung. Kali präsentiert die endliche physische Ebene. Sie ist das Drama, die Tragödie, der Humor und die Mühe des Lebens. Sie ist der Bruder, der Vater, die Schwester, die Mutter, der Liebhaber und der Freund. Sie ist der Teufel, das Monster, das Untier und das Brutale. Sie ist die Sonne und das Meer. Sie ist das Grass und der Tau. Sie ist unser Sinn für Angenehmes und unser Sinn für lohnende Taten. Unser Drang nach Entdeckungen ist ein Anhänger an ihrem Armband. Unsere Freude ist ein Farbfleck auf ihrer Wange. Unser Sinn für Wichtigkeit ist ein Glöckchen an ihrer Zehe.“

 „Diese ganze und verlockende, schreckliche und wunderbare Erd-Mutter hat immer etwas anzubieten. Die Hindi wissen um die Unmöglichkeit sie zu verführen oder sie zu erobern, und um die Nutzlosigkeit sie zu lieben oder zu hassen; so machen sie das einzige was sie machen können. Sie ehren sie einfach.“ 16

 Im Leben Shri Ramakrishnas repräsentierte diese göttliche Mutter Kali die Letzt Kraft, den Alles-bestimmenden Willen im Universum, der den `freien Willen` aller Individuen zum einen transzendiert und zum anderen kontrolliert. Sie ist Icchamayi, das Eine, dessen Wille Gesetz ist. Sie kann unser Wissen von Wirklichkeit durch ihre Kraft der Maya verschleiern, und sie kann den Schleier der Maya, wann immer sie wünscht, auch heben.

 Bells Theorem, denkt Zukav, ruft die Physiker auf, `ihren Intellekt anzustacheln, um voran zu schreiten, obwohl es für die gegenwärtige Harmonie ein großes Risiko darstellt.` „Sie tanzen mit Kali, der göttlichen Mutter der Hindu-Mythologie,“ schreibt Zukav. Vedanta nennt die transzendente  immune Wirklichkeit Brahman. Wenn Brahman aktiv ist - erschaffend, stärkend, und zerstörend ist, heißt er Kali, Siva oder Vishnu. Andere nennen ihn Allah oder Jehova. Diese Letzte Wirklichkeit ist immer das Höchste, Allmächtigste oder das Super-deterministische, und Er ist letztlich für den so genannten `freien Willen` des Menschen verantwortlich.

 

DIE IMPLIZIERTE ORDNUNG: DIE UNGEBROCHENE GANZHEIT

 David Bohm bietet, der erfolgreichen Verwirklichung von Bells Theorem folgend, die Vorstellung eines Universums von `ungebrochener Ganzheit` an, von einer `daraus folgenden Ordnung.` Henry Stapp schreibt:

 „Ein elementares Teilchen ist keine unabhängig existierende, analysierbare Einheit. Es ist in der Essenz ein Set aus Verhältnissen, die nach außen zu anderen Dingen reichen.“ 17

 David Bohm schreibt:

 „Teile ... die in unmittelbaren Verbindungen gesehen werden, in denen ihre dynamisches Verhältnisse in unverrückbarer Weise vom ganzen System abhängen und tatsächlich von denen größerer Systeme, in denen sie enthalten sind, erweitern sich letztlich in das ganze Universum. So wird man zu einer neuen Notierung einer ungebrochenen Ganzheit gebracht, die die klassische Vorstellung der Analysierbarkeit der Welt in separat und unabhängig existierende Teile verneint. ... Aus was ist die `daraus folgende Ordnung` gemacht? Es ist aus dem gleichen `daraus folgende Ordnung` gemacht wie `das, was ist` 18 Und `das, was ist` kann nicht in eine Terminologie von Raum und Zeit gesteckt werden. ... Eine Beschreibung ist dem, was wir sagen wollen, völlig unangepasst.“ 19

 Michael Talbot schreibt zu David Bohms Theorem in seinem letzten Buch Beyond The Quantum (Hinter den Quantenteilchen):

 „Die natürlich interessanteste Aussicht bei Bohms Theorie ist, wie sie zum Verständnis des menschlichen Verstandes anwendet. So wie er es sieht, wenn jedes Teilchen der Materie mit jedem anderen Teilchen sich verbindet, muss das Gehirn selbst als mit dem Rest des Universums unbegrenzt verbunden betrachten werden. Bohm glaubt, dass so eine Verbundenheit von Verstanden ein Licht auf das Phänomen des Bewusstseins selbst werfen würde.“

 Zum Beispiel, wenn das Universum holographisch ist und jedes menschliche Gehirn jedes andere menschliche Gehirn (tatsächlich auch jedes andere Teilchen im Universum) auf einer bestimmten Ebene, die hinter der gewöhnlichen subjektiven Erfahrung liegt, durchdringt, dann wäre die menschliche Rasse wirklich ein Organismus.“

 „Die große Mehrheit der Physiker beachten jedoch Bohm Arbeit nicht, weil sie fest davon  überzeugt sind, dass nichts hinter den Quanten liegt. Das auf der Hand liegende weisen sie von sich. Weil die menschliche Wissenschaft von dem Begrenzenden Syndrom befallen ist, und weil wir noch nicht der andauernden Kommunikation zwischen durch Raum und Zeit getrennten Objekten begegnet sind, sagt die gegenwärtige Weisheit, dass eine andauernde Kommunikation niemals erscheinen kann.“ 20

 Mehrere Monate nach dem Alain Aspect seine Ergebnisse veröffentlicht hatte, stellte Paul Davies, ein britischer Theorie-Physiker, in einem BBC Radioprogramm seinen distinguierten Kollegen mehrere Fragen zu ihren Reaktionen auf Alain Aspects Experiment. Er erhielt meistens inhaltslose Erwiderungen, sowie die meisten der Antworten ausweichend waren. 21   Paul Davies stimmte jedoch zu, dass das Aspekt-Experiment den letzten Nagel in den Sarg der Physik des gesunden Menschenverstandes trieb. Er fühlte, dass die Entdeckungen von Aspect einige grundsätzliche Auswirkungen auf unsere menschlichen und wissenschaftlichen Konzepte der physikalischen Welt haben werden. 22    So wie Brian Josephson, der den Nobelpreis für Physik 1973 für seine Arbeit mit Quanten-Tunnelung und Superleitern bekam, in einem Interview 1982 feststellte: `Es entsteht die Möglichkeit, dass ein Teil des Universums Wissen von einem anderen Teil haben könnte - eine Art von Kontakt auf Distanz unter bestimmten Konditionen.` 23

 Gary Zukav schließt das vorletzte Kapitel `Erleuchtung` seines Bestsellers The Dancing Wu Li Masters: `... Die Philosophie der Physik wird nicht mehr von der Philosophie des Buddhismus, der die Philosophie der Erleuchtung ist, zu unterscheiden werden.` Zukav eröffnet dann sein letztes Kapitel, Das Ende der Wissenschaft, mit folgenden Worten:  

 „Ein vitaler Aspekt des erleuchteten Zustands ist die Erfahrung einer alles durchdringenden Einheit. `Diese` oder `Jenes` sind nicht länger getrennte Einheiten. Sie sind verschiedene Formen der gleichen Sache. Alles ist eine Manifestation. Es ist nicht möglich `Manifestation von was?`zu fragen. Weil `das was` etwas hinter den Worten ist, sogar hinter Raum und Zeit. Alles ist eine Manifestation von dem, das ist. Hinter diesen Worten liegt die Erfahrung: die Erfahrung von dem, das ist.“ 24

 Dieses holistische (ganzheitliche) Bild des Universums, das durch das Experiment von Bohm nach Bells Theorem und durch das Aspect-Experiment vorgestellt wird, brachte Physiker dazu, sich das ganze Universum als ein Hologramm vorzustellen. Jedes subatomare Teilchen ist ein `Holon`, nach Koestler, da jedes Teilchen mit dem Rest des Universums verbunden ist. Jede Bewegung eines Teilchens verursacht eine Reaktion und verändert den Zustand des ganzen Universums. Deshalb ist jede Bewegung, sagt Bohm, eine `Holo-Bewegung.` 25 Es gibt eine wachsende Überzeugung, dass die Entdeckung der grundlegenden Verbundenheit des Universums weiteren Tests widerstehen wird. Der Physiker Fritjof Capra sagt:

 „Ich glaube, dass die fundamentale Einheit und die Verbundenheit des Universums mit der innewohnenden dynamischen Natur seines Phänomens - die beiden Grundelemente der modernen Physik - von zukünftigen Forschungen nicht entwertet werden.“ 26

 Diese neuen Erfindungen und Verbindungen haben zur Schaffung eines neuen `Paradigmas`geführt, einem neuen Set von Werten in der Welt der Wissenschaft. Das alte kartesische oder newtonsche Paradigma einer dualistischen Weltbetrachtung, einer `schizophrenen Kultur` der Trennung zwischen Verstand(Geist) und Materie, zischen dem einem und dem anderen, wird heute durch ein neues Paradigma - dem `Holistischen Paradigma`, wie es Ken Wilber nennt, ersetzt. Diese Holistische Paradigma` ist nur ein anderer Name der monistischen oder advaitischen (nicht-dualistischen) Philosophie der Vedanta, die Indien vor dreitausend Jahren entwickelte. Mehrere hundert Mal kommt diese Vorstellung der Einheit in Vivekanandas Interpretationen der uralten Vedanta vor. Vivekananda sprach von der vedischen Vorstellung der Einheit aller Wesen in seiner Rede über `Gott ist in allem` 1896 in London.

 „Das ist ein anderes großes Thema der Vedanta, dieses Einssein des Lebens, dieses Einssein mit allem. Wir werden erkennen wie es uns zeigt, dass all unser Missgeschick vom Unwissen kommt, und dieses Unwissen ist eine vielfältige Besessenheit, die Menschen von Menschen trennt, Nationen von Nationen, Erde von Mond, zwischen Mond und Sonne. Aus dieser Vorstellung der Getrenntheit kommt all das Missgeschick. Aber die Vedanta sagt, dass diese Getrenntheit nicht existiert, sie nicht wirklich ist. Sie ist nur scheinbar, mit Begrenzungen, an die der Mensch mit den fünf Instrumenten des Wissens - den fünf sensitiven Organen- gebunden ist. Im Herzen der Dinge ist nur Einheit. Und diese Einheit ist Gott.“ 27

 Es ist die praktische Anwendbarkeit dieser monistischen Vedanta, dass sie die Wissenschaftler zu einer werte-basierenden Kultur der Wissenschaft bewegen kann. Heisenberg beendete eines seiner Bücher mit dem Titel Das Teil und das Ganze mit einem holistischen Wissenschaftsausblick und wie sehr er heute in der Wissenschaftswelt gebraucht wird. 28 Aber alte Dogmen sind widerstandsfähig. Wie Capra sagt: „ Mystizismus wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft als etwas sehr ungenaues betrachtet, der etwas unscharf, nebulös und höchst unwissenschaftlich beschreibt. Nun sieht man, wie die ehrenhafte Theorie von einem gepaart mit höchst unwissenschaftlichen Aktivitäten eine Bedrohung für die Physiker ist.“ 29 Jeremy Bernstein, ein amerikanischer Physiker, sagte öffentlich, dass so ein Versuch Physik mit Mystik zu verbinden „im Endeffekt zum Verschwinden der Wissenschaft führen wird.“ 30 Aber große Nobelpreis-Physiker dieses Jahrhunderts sind sich der Annäherungspunkte zwischen der vedischen Mystik und der Quantenphysik genau bewusst. Schrödinger schrieb umfassend in seinen zwei Bänden, Geist und Materie und Meine Betrachtung der Welt, diese Annäherung als ein großes erreichtes Ziel der modernen Physik hochzuhalten.

 Physiker, die sich dafür verkauft haben, thermonukleare Waffen für ein Land zu machen, um ihre Brüder in anderen Ländern zu töten, missachten nicht nur die Werte der Advaita eines holistischen Universums, sondern gefährden auch ihr hart-verdientes Wissen für negative und zerstörerische Aufgaben. Einstein sagte, `die Wissenschaft kann Plutonium vernichten, aber sie kann nicht Teufel im Herzen eines Menschen vernichten.` Das neue holistische Paradigma, die neue holistisch-ganzheitliche Welt-Sicht, die durch die erfolgreichen Versuche von Bells Theorem bestätigt  wurde, wird vielleicht die Wissenschaftler dazu bringen, die vedische Einheit der Menschheit zu akzeptieren. Vivekanandas einführende Worte seiner berühmten Rede `Das Werk vor uns`, die er nach seiner Eroberung des Westens mit den Veden gehalten hatte, scheint für die heutigen Wissenschaftler prophetisch zu klingen:

 „Das Problem des Lebens wird tiefer und weiter jeden Tag sich die Welt weiterdreht. Die Worte der Achtsamkeit und der Essenz wurden in den Tagen von Yore gepredigt, als die vedische Wahrheit zuerst die Solidarität allen Lebens entdeckt hatte. Ein Atom in diesem Universum kann sich nicht bewegen, ohne die ganze Welt mitzunehmen. Es kann keinen Fortschritt geben, ohne dass die ganze Welt im Kielwasser folgt, und es wird jeden Tag deutlicher, dass die Lösung von keinem  Problem niemals aus rassischen, nationalen oder niederen Gründen erreicht wird. Jede Vorstellung  muss so weit werden, bis sie das Ganze dieser Welt abdeckt, jede Anstrengung muss so weit anwachsen, bis sie die ganze Menschheit umfasst, nein, das ganze Leben mit seinen Entfaltungsmöglichkeiten.“ 31   


1. M. Talbot, Beyond the Quantum (Bantum New Age Books, 1988) S.1

2. Stephan W. Hawking, A Brief History of Time (London: Bantam Press, 1988) S.172

3. Ebd., S.173

4. Gary Zukav, The Dancing Wu Li Masters (New York: William Marro & Co., 1979) S.302

5. Ebd., S.298

6. Ebd., S.299-303

7. M. Talbot, Beyond the Quantum (London: Bantam New Age Book, 1988) S.32

8. The Dancing Wu Li Masters, S.310

9. Ebd., S.306

10. Ebd., S.311

11. Ebd., S.314

12. Fritjof Capra, Turning Point (New York: Simon & Schuster, 1982) S.83

13. Ebd., S.85

14. The Dancing Wu Li Masters, S.318-319

15. Ebd., S.329-330

16. Ebd., S.330

17. The Turning Point, S.81

18. The dancing Wu Li Masters, S.315

19. Ebd., S.325

20. Beyond the Quantum, S.52-53, 55-56

21. Ebd., S.2

22. Ebd., S.37

23. Ebd., S.35

24. The Dancing Wu Li Masters, S.296

25. The Holographic Paradigm, Ken Wilber, Editor (New York: Shambala, 1982) S.51

26. Ebd., S.226

27. The Complete Works of Swami Vivekananda (Calcuta: Advaita Ashram, 1973) Bd.II, S.153

28. The Holographic Paradigm, S.241

29. Ebd., S.217

30. Quantum Questions, Ken Wilber, Editor (New York: Shambala, 1984) Vorwort

31. Complete Works of Swami Vivekananda, Bd.III, S.269