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  • Die zwei Teile des Gehirns
  • Bewusstsein ist nicht im Gehirn lokalisiert
  • Das Bewusstsein kontrolliert das Gehirn
  • Super-Kortikales Bewusstsein: kosmisches Bewusstsein
  • Anthropisches Prinzip
  • Holografisches Bewusstsein und Telephatie
  • Psychologie - die neue Wissenschaft vom Denken

VERSTAND, GEHIRN UND BEWUSSTSEIN IN DER MODERNEN WISSENSCHAFT

Gehirn-Verstand Beziehung: Die neue Perspektive

  In der Welt der reinen materialistischen Wissenschaft, in der Wissenschaftler auf einem Hocker sitzen und eine getrennte objektive Wirklichkeit untersuchen, wie ein Metall oder eine chemische Lösung, betrachtet man den Verstand des Wissenschaftlers als eine völlig irrelevante Sache für die wissenschaftliche Untersuchung. Einsteins Lehrer Ernst Mach, ein fest an den Positivismus glaubender, sagte Einstein, von allen Dingen, die mit Verstand, Emotionen, Bewusstsein usw. zu tun haben, frei zu sein, wolle man die wissenschaftliche Untersuchung in Ehren halten. Aber die neuen Entdeckungen der Quantenphysik veränderte diese Gedankenströmung der alten klassischen Physik. Heisenbergs Unschärfeprinzip, 1927 entdeckt, machte es schlagartig klar, dass es der Verstand oder das Bewusstsein des Wissenschaftlers ist, der oder das unabweichlich in die letzten Entdeckungen in der Welt der subatomaren Teilchen eingreift, wirkt und sogar bestimmt. Es ist der Verstand der Wissenschaftler, der letztlich das Weltbild erschafft. Nobelpreisphysiker Eugene Wigner behauptet, dass es unmöglich ist, eine Beschreibung der quantenmechanischen Prozesse `ohne den ausdrücklichen Hinweis auf das Bewusstsein` zu geben. 1

 Am 25. Januar 1931 veröffentlichte der Observer ein Interview von J. W. N. Sullivan mit Max Plank. Als Antwort auf die Frage `Glauben Sie, dass Bewusstsein in der Terminologie von Materie und Gesetz erklärt werden kann?` antwortete Max Plank, dass er es nicht kann. `Bewusstsein,` fährt Max Plank fort, `halte ich für fundamental, ich halte Materie für eine Ableitung aus dem Bewusstsein. Wir können hinter Bewusstsein nicht gehen. Alles von dem wir sprechen, alles was wir für existent halten setzt Bewusstsein voraus.` 2

Wolfgang Pauli, Nobelpreisphysiker, schreibt:

 `Aus einem inneren Zentrum scheint die Psyche sich nach außen in die physikalische Welt zu bewegen, wie eine Ausstülpung ... ` 3

Aber bis vor kurzem betrachtete die Welt der Biologen und Physiker den Verstand in rein objektiver und mechanischer Weise. Die newtonsche Wissenschaft bewies, dass sich das äußere Universum wie eine pure Maschine bewegt, die streng den Bewegungsgesetzen folgt. Demnach kann alles mit mechanischen Gesetzen erklärt werden. Der Verstand wie alles andere auch war als Objekt für mechanische Untersuchungen gedacht.

 Gegen Mitte des 20.Jahrhunderts zweifelte man ernsthaft daran, ob der Verstand wie eine Maschine behandelt werden könne. W. Russel Brain schrieb in Galatea or Future of Darwinism (ein Buch aus der Serie der distinguiertesten Denker der 50er Jahre über die Zukunft der Wissenschaft und Gesellschaft):

„... Zuerst jedoch ist es notwendig sich die Unabhängigkeit der Wissenschaft vom Leben und der Vernunft zu vergegenwärtigen. So emanzipiert besteht Hoffnung, dass sie in der Entwicklung neuer Konzepte, die auf andere Erfahrungsgebiete anwendbar sind, erfolgreich sein wird. Darwin war der Newton der Biologie: sie erwartet noch ihren Einstein.“ 4

 Der mechanistische Annäherungsversuch an den Verstand gelangte jedoch zu den Psychiatern, die vom absoluten Erfolg mit Verstand-Kontrollierenden-Drogen träumten. Die Time (2.April 1979) kommentierte: `Letztendlich dürften die Drogen der Psychiatrie die kühnen neuen Werkzeuge ergeben, die sie befähigen wird ihre eigene gegenwärtige Depression abzuschütteln und die hohen Hoffnungen, die Freud und seine Nachfolger dafür hochgehalten haben, zu erfüllen.` Aber die Euphorie führte mit dem Fehlschlag der Drogen-Psychologie und der globalen Bedrohung durch die Drogensucht zu totaler Enttäuschung. Neue Wege mussten gesucht werden, um den Verstand zu erforschen. E. F. Schumacher schrieb in seinem Buch A Guide for The Perpelexed von einem `Yoga eines neuen Bewusstseins`, der Wissenschaftlern helfen würde, `nach Selbsterkenntnis in der inneren Welt des Wissenschaftlers selbst zu suchen.` 5

 Das Gehirn ist der Verstand, und der Verstand ist im Gehirn lokalisiert - auf dieser Hypothese war der mechanistische Annäherungsversuch an den Verstand, an das Gehirn und das Bewusstsein aufgebaut. Einer der Vorläufer dieser mechanistischen Annäherung D. M. Armstrong sagte: „Ich denke es ist wahr, wenn man sagt, dass eine Ansicht ständig Vertrauen gewinnt, so dass es nur fair ist, zur verbreiteten wissenschaftlichen Doktrin zu werden. Dies ist die Ansicht, der wir eine komplette Darstellung vom Menschen in reinen physik-chemischen Ausdrücken geben können.“ 6

 Heute ist diese Methode jedoch wissenschaftlich widerlegt worden. Neurophysiologen wie John C. Eccles, Wilder Penfield, R.W. Sperry und Karl H. Pribram haben alle die Identitäts-These auf Grund ihrer erfolgreichen Versuche mit dem Gehirn zurückgewiesen.

 

DIE ZWEI TEILE DES GEHIRNS

Bewusstsein ist die allgemeine Bezeichnung für unsere Wahrnehmung mit der Wahrnehmung von uns selbst im Unterschied zu anderen Organismen und Objekten. Mit unserem allgemeinen Bewusstsein sind auch verschiedene Zustände unseres Bewusstseins verbunden, die Individuen mit Drogen, hypnotischen oder religiösen Ritualen und spirituellen Praktiken erreichen können. Bewusstsein wiederum ist auch mit unseren Tagträumen, Fantasie, Schlaf und Traum verbunden. Verhaltensforscher wie J. B. Watson (1919) und später B. F. Skinner taten den Verstand und seine Funktionen als unwichtig ab und beschränkten psychologische Untersuchungen auf äußeres, sichtbares Verhalten, das gemessen werden konnte. Diese Methode kristallisierte sich langsam zu der neuen materialistischen Methode, dass Verstand oder Bewusstsein etwas ist, das im Gehirn selbst enthalten ist.

 Der kolossale Körper (corpus collosum) im Gehirn verbindet mit 200 Millionen Achsen die rechte und linke Hemisphäre des Gehirns. William Wagner, ein Neuro-Chirurg, trennte 1940 als erster erfolgreich die zwei Hälften des Gehirns. 1970 teilte Michael Grazzaniga die Gehirne von epileptischen Patienten und untersuchte ihre Verbindungen.

 Wissenschaftler haben „zwei getrennt funktionierende Verstande in einem Gehirn“ entdeckt. Versuche mit der Analyse des geteilten Gehirns haben interessante Ergebnisse gebracht. Wenn das linke Gehirn eines Herrn Paul gefragt wurde, „Welchen Beruf will Paul haben?“ die Antwort „Oh, ein Konstruktionszeichner“ war. Wenn das rechte Gehirn mit der gleichen Frage gefragt wurde, beinhalteten die Antworten „eine Qualität von bewusstem Zustand - eine Gefühl für Selbst, persönliche Gefühle, Bewertungen, zukünftige Orientierungen und Zielen, die zeigen, dass die rechte Gehirnhälfte bewusste Inhalte unabhängig von der linken besitzt.“ Der Verstand ist zwei-kammerig, sagt die moderne Wissenschaft. Das rechte Gehirn hat mehr holistisches Wissen und tiefere Visionen als die linke Seite, die nur die unmittelbare Wirklichkeit einschätzt und überdenkt. 7

 Earnest Hilgard, der hypnotische Versuche mit Studenten unternahm, fand heraus, dass das wahre Bewusstsein, das er „versteckten Beobachter“ nannte, akkurat erzählen konnte, was dem Subjekt Student passiert war, während der hypnotisierte Verstand nicht erzählen konnte, was wirklich passiert war. Er nannte es „das doppelte Bewusstsein“. 8

 

DAS BEWUSSTSEIN IST NICHT IM GEHIRN LOKALISIERT

 Professor Georg Wald, Professor Emeritus bei der Harvard Universität, bekam den Nobelpreis für seine Untersuchung der Biochemie der bildlichen Vorstellung. In einem Papier mit Leben und Verstand im Universum betitelt, für eine Seminarvorlesung über Verstand, Gehirn und Bewusstsein in Neu Dehli (gehalten im Februar 1987 bei NCERT) eingereicht, sprach Georg Wald über die neuesten Trends in der Hirn-Verstand Forschung:

 „Vor ein paar Jahren sprach ich darüber mit Wilder Penfield, dem großen kanadischen Neuro-Chirurgen. Im Laufe seiner therapeutischen Aktivitäten hatte er nie da gewesene Möglichkeiten die aufgedeckten Gehirne von bewussten Patienten zu untersuchen, und hoffte auf diese Weise den Sitz des menschlichen Bewusstseins zu entdecken. Ich fragte ihn, `warum glauben sie, das Bewusstsein ist im Gehirn?` Er lachte in sich hinein und sagte, `Gut, ich sage ihnen eins, es ist nicht im celebralen Kortex.`Prof. Wald erläuterte dann seine eigene Vorstellung vom Verstand-Gehirn-Bewusstsein Verhältnis:

 „So ist Bewusstsein die essentielle Bedingung für alle Wissenschaften, Wissenschaft kann es nicht behandeln ...

 Bewusstsein selbst liegt außerhalb der Parameter von Raum und Zeit und macht es für die Wissenschaft unzugänglich. Diese Vorstellung birgt eine enorme Konsequenz. Bewusstsein kann nicht lokalisiert werden. Und noch mehr. Es hat keinen festen Ort...

 Das ist also das Problem von Verstand-Bewusstsein  - ein weites unteilbares Feld, das alle Wissenschaft einschließt, mit dem diese Wissenschaft aber noch nicht umgehen kann, noch keinen Zugang gefunden hat; es bietet nichts zu messen an, und nichts zu lokalisieren, solange es keinen festen Ort hat.` 9

 In der Reihe der großen Wissenschaftler des 20.Jahrhunderts, wie Heisenberg, Schrödinger oder Einstein, stolperte Wald intuitiv auf die Wahrheit der Vorrangigkeit des Verstandes über die Materie.

 „Vor ein paar Jahren erschien es mir - verbunden mit ein wenig Schock meiner wissenschaftlichen Empfindsamkeit - dass meine beiden Probleme, das eines lebendig atmenden Universums und das eines weder lokalisierbaren noch identifizierbaren Bewusstseins, zusammengebracht würden. Aber sehr schnell realisierte ich, dass ich in vorzüglicher Gesellschaft war. Nicht nur, dass Bruchstücke dieser Denkungsart tief in der tausende von Jahren alten östlichen Philosophie eingebettet sind; sie werden ausdrücklich in den Schriften der gegenwärtigen Physiker und der der letzten Zeit wiedergegeben.“ 10

 Wald zählt eine Anzahl von außenstehenden Physikern auf, die seine Vorstellungen unterstützen. Der Physiker von Weizsäcker stellte 1971 über die Quantentheorie eine neue intelligente Interpretation auf, die er seine `Identitäts-Hypothese` nannte: „Bewusstsein und Materie sind verschiedene Ansichten der gleichen Wirklichkeit.“ Prof.Wald zieht von allen Wolfgang Paulis Formulierung (1952) vor: „Für uns wäre es höchst zufrieden stellend, ... erscheint der einzig akzeptable Gesichtspunkt der zu sein, der beide Seiten der Wirklichkeit anerkennt - die quantitative und die qualitative, die physikalische und die psychische als mit der anderen zusammenpassend und schließt sie gleichzeitig ein - wenn Physik und Psyche (Materie und Verstand) als zusammenpassende Ansichten der selben Wirklichkeit gesehen werden könnten.

„Biologen“, sagt Wald, „neigen dazu, vom Bewusstsein in Verlegenheit gebracht zu werden. Als Merkmal eines lebenden Organismus fühlen sie, dass sie darüber wissen müssten und in der Tat in einer Position wären, Physiker darüber auf die Beine zu helfen - keiner von ihnen kam darauf. Deshalb das Unbehagen, das Umgehen oder schlimmer: auf Nebenschauplätzen sprechen, die dem grundsätzlichen Problem ausweichen.“ 11

 Prof. Wald legt dann den grundlegenden Dogmatismus der Wissenschaftler dar, die den Geist-Aspekt der physikalischen Wissenschaft zurückweisen:

 „Wenn ich wie Eddigton sage, - `um es ungeschminkt zu beenden- der Stoff der Welt ist Geist-Stoff, ` dann klingt es metaphysisch. Aber wenn ich sage, dass die letzte Wirklichkeit in den Lösungen der Gleichungen der Quantenmechanik, Quantenelektrodynamik und Quantenfeldtheorie  ausgedrückt wird - dann klingt das wie gute, moderne Physik. Was sind jedoch diese Gleichungen, was ist Mathematik tatsächlich, wenn nicht Geist-Stoff? - bildlich das Letzte aus Geist-Stoff und aus diesem Grund höchst mysteriös.

 Was wir als materielles Universum erkennen, ein Universum in Raum und Zeit aus elementaren Teilchen und Energien, ist dann ein Avatar, eine Materialisation des anfänglichen Geistes. In diesem Sinn gibt es kein Warten auf ein erscheinendes Bewusstsein. Es ist immer schon da. Auf was wir in der Evolution des Lebens warten ist nur der Höhepunkt, das Auftauchen von Kreaturen, damit sich in ihrer Selbsterkenntnis Bewusstsein artikulieren kann, ihm eine Stimme geben kann und sich als soziale Wesen in Kultur, Technologie, Kunst und Wissenschaft darzustellen.“ 12

 Wissenschaftler aus vielen Bereichen konzentrieren sich heute auf das Studium der unabhängigen Entwicklung des Bewusstseins, parallel zu der dauernden Entwicklung der Anatomie und Physiologie. Die Entwicklung des Geistes(Verstandes) wird heute als eine Unternehmung innerhalb der kosmischen Entwicklung betrachtet.

 „Die Aufgabe, die Natur der Zwischenbeziehung von Gehirn und Bewusstsein zu finden, stellt sich“, nach Dr. Desi Raju, ein Neuro-Physiologe aus Bangalore, „als eine größere Forschung  mit Diskussionsinteresse und Hypothesierung in Neuro-Physiologie seit Mitte dieses Jahrhunderts dar.“

 Das zerebrale Kortex (Großhirn) eines Menschen ist auch nahe an der außerordentlichen Erweiterung der Assotiationsbereiche und seiner Kapazität, Erinnerungen und Eindrücke zu verknüpfen und zu speichern. „Der Inhalt des Bewusstseins, der im Menschen am höchsten entwickelt ist, könnte als Kennzeichen,“ sagt Desi Raju, „des Mechanismuses der gleichmäßig sich erweiternden Bereiche des menschlichen Gehirn bezeichnet werden, d.h.der Assotiationsbereiche des zerebralen Kortex und seiner Zwischenverbindungen.“

 Wie entwickelte sich der menschliche Verstand unserer primitiven Vorfahren zum dem eines Buddha oder Leonardo da Vinci? Vom Standpunkt der Biologie, scheint die phylogenetischen Einteilung des Lebensstromes in das Reich der Pflanzen und Tiere das erste große Ereignis zu sein, das unabdingbar zur Entwicklung einer größeren Möglichkeit eines bewussten Zustandes durch das Reich der Tiere zu dem der Menschen zu führen, und schließlich zur Entwicklung riesiger Intellekten von Newton, Einstein oder Shankaracharya. Das zentrale Prinzip der Entwicklungsgeschichte des tierischen Lebens erscheint, nach der modernen medizinischen Wissenschaft, als die Entwicklung von mehr und mehr komplexeren zerebralen assoziativen Organisationen, die immer bessere Mechanismen oder Prozesse haben und immer größere Bewusstseininhalte hervorbringen können.

 Der Wissenschaftler Roger Sperry weist die Vorstellung zurück, dass der Körper den Verstand erschafft. Er behauptet im Gegenteil, dass sich der Verstand zuerst entwickelte und deshalb die Entwicklung von größeren Gehirnfunktionen ausführte. Er sagte, dass „diese Wende von einer verursachenden Bestimmtheit, die rein physikalisch ist, zu einer, die bewusste, subjektive Kräfte, die physikalische ersetzen, einschließt, den eigentlichen Unterschied ausmacht, wenn es um den Gebrauch der `Wahrheit` der Wissenschaften als ein Kriterium für ethische Werte geht.“ 13

 Jeder Versuch den Verstand zu vermaterialisieren oder den Verstandesgeist durch Ausdrücke  der Materie zu erklären, wird für die auf Materie begründete Wissenschaft von heute zu einem wachsend schwierigen Problem. Der Neurologe Sir Charles Sherrington sagt (in der Einführung zu Physical Basic of Mind, herausgegeben von Peter Laslett):

 „Die Kenntnis über die physikalische Grundlage des Verstandes macht heute große Fortschritte ... Der Verstand, was Gedanken, Erinnerung, Gefühle, Überlegen usw. angeht, kann schwer als physikalische Sache klassifiziert werden. Die Physiologie, eine Naturwissenschaft, scheint über alles Außerphysikalische zu schweigen. Auf diese Weise gerät das Studium der physikalischen Grundlage des Verstandes zwischen zwei Stühle.“

 Wilder Penfield, der extensive Experimente mit Gehirnuntersuchungen von Patienten machte, schrieb Angedenk seines Lehrers Sir Charles Sherrington:

 „Schließlich konnte Sherrington nur sagen, dass `wir das Verhältnis von Verstand zu Gehirn  nicht nur als ungelöst betrachten können, sondern immer noch keine Grundlage zum Anfangen haben.`“ Penfields Entdeckung, dass der Verstandesgeist nicht im Gehirn lokalisiert ist, sondern eine unabhängige Existenz ist, brachte ihn dazu, über die Reaktionen von Patienten während einer Hirnuntersuchung zu schreiben:

 „Der Verstand des Patienten, der die Situation in so einer entfernten und gefährlichen Weise betrachtet, kann nur etwas ganz von nervlichen Reflexhandlungen entferntes sein ...

 Und doch scheint der Verstand unabhängig vom Gehirn zu agieren, in dem Sinn, wie ein Programmierer unabhängig von seinem Computer agiert, wenn er auch oft für manche Aufgaben von der Arbeit des Computers abhängt. ...“ 14

 

DAS BEWUSSTSEIN KONTROLLIERT DAS GEHIRN

 Den wichtigsten Beitrag zur Funktion des Bewusstseins im materiellen und physischen Gehirn machte der britische Neurologe John Eccles, der 1963 den Nobelpreis für seine bahnbrechende Untersuchung der Synapsen des Gehirns bekam. Vor kurzem verkündete Eccles, dass er sogar bestimmen kann, an welcher genauen Stelle des Gehirns die Interaktion zwischen Bewusstsein und Materie stattfindet. Das Gebiet des Gehirn, von dem Eccles spricht, ist unter dem Namen `zusätzliches Bewegungsareal` (engl.: suplementary motor area, SMA) bekannt. Es befindet sich an der höchsten Stelle des Gehirns. SMA wurde zuerst von Wilder Penfield in den 1920er Jahren entdeckt. Wie funktioniert SMA?

 Die Neuro-Physiologen Robert Porter und Coble Brinkman implantierten chirurgisch Mikro-Elektroden in die SMA Region einiger Affen. Diesen Affen wurde beigebracht, einen Hebel zu betätigen um ihr Essen zu bekommen. Aber man entdeckte, dass in einer zehntel Sekunde bevor die Affen den Hebel betätigten das Gehirn bereits zu arbeiten angefangen hat, die Zellen der SMA Region zu arbeiten anfingen und die motorischen Nerven für die Bewegung ansprachen. Bewusstsein zündet zuerst im SMA und dann fängt nur der Körper an zu arbeiten. Das ist bekannt als `Bereitschaftspotential`, das in allen menschlichen Wesen zu finden ist, in deren Gehirn das Bewusstsein eine Sekunde bevor jede geforderte Bewegung ausgeführt wird zu arbeiten anfängt. Eccles entdeckte auch, dass der frühe Entladungsausbruch in der SMA nicht mit der Anregung durch andere Zellen der SMA Region oder irgendeiner anderen des Gehirns zusammenhängt. Er folgerte daraus, dass „wir hier eine überzeugende Demonstration haben, dass der geistige Vorgang einer Absicht den Entladungsausbruch der Nervenzelle auslöst.“ 15

 Eccles glaubt, dass ein `komplexer Code` es bewirkt, dass der `nicht-physikalische Geist (Verstand)` eigentlich mit den ca. 50 Millionen Neuronen der SMA Region spielt. Wie und wann kam dieser `nicht-physikalische Geist` in unserem Körper zum Funktionieren? Eccles glaubt, dass er im Verlauf der embryonalen Entwicklung in unser physikalisches Gehirn gekommen ist und nach Eccles ist es somit vorstellbar, dass dieses nicht-physikalische Selbst den Tod des physikalischen Körpers und Gehirns überleben könne. Seit diesen Entdeckungen tauchte ein neue Denkungsart, bekannt als `Funktionalismus`, auf, die das Bewusstsein als `die Software` oder den Operator hinter der Hardware des physikalischen Gesamthirnkomplexes betrachtet. Bewusstsein ist, nach diesem Gedankengebäude, ein `tatsächliches Phänomen` auf dessen Geheiß das Gehirn arbeitet. Es transzendiert den Körper, aber es arbeitet durch ihn und überwacht ihn. Der Wissenschaftler Dennet, selbst ein Funktionalist, schreibt: „Man sollte nicht an Geister glauben, sondern an Selbste, die eine Identität haben, die jeden einzelnen lebenden Körper transzendiert.“ Douglas Hofstadter, ein Computerwissenschaftler, nimmt an, dass die `Software` des Bewusstseins, das in der Tat mit ihrem Teil einen sichtbaren Effekt ausübt,  eine `abwärts gehende Wirkung` besitzt. Der Geist arbeitet mit der Materie. 16

 Ein Philosoph des 17.Jahrhunderts, Rene Descartes, beschrieb Materie als `ausgedehnte Substanz` und Bewusstsein als `denkende Substanz`. David Bohm streicht heraus, dass diese kartesianische Unterscheidung in Materie und Bewusstsein präzise die gleiche Unterscheidung ist, die er zwischen `äußerer Ordnung` und `eingebundener Ordnung` macht. Heutige Entdeckungen zeigen das Fehlen von Grenzen zwischen lebend und nicht-lebend, das deutlich macht, dass es ein holistisches Universum gibt, in dem Bewusstsein und Materie `sich entfalten und umhüllen`.

 

SUPER-KORTIKALES BEWUSSTSEIN: KOSMISCHES BEWUSSTSEIN

 Dr. Ashok Kumar Mukhopadhyaya, M.D., Abteilung für Pathologie, AIIMS in Neu Delhi, diskutierte 1987 in einer Schrift für ein NCERT-Seminar (gehalten in Neu Delhi) über Bewusstseinszustände - eine holistische Hypothese, Super-kortikales Bewusstsein - eine existente Wirklichkeit, viel unmissverständlicher drei Arten von Gehirnfunktion für menschliche Tätigkeiten verschiedenster Art, die aus den letzten Studien der medizinischen Wissenschaft entstanden sind. Er sagt:

 „Das menschliche Wesen, entwickelt nach Millionen von Jahren, durch Millionen Abschnitte von ursprünglichem Leben, dem Protoplasma, kann man sich vorstellen als ein sich entfaltendes Bewusstsein, das `Stammhirn-Bewusstsein`und `Limbisches-System-Bewusstsein` passierte, um das `Kortikal-Bewusstsein` zu erreichen. Das menschliche Gehirn hat auch das Potential das unerschöpfliche in ihm schlafende `kosmische Bewusstsein` anzuzapfen.“ Dieser höchste Bewusstseinszustand kann in der medizinischen Terminologie, nach Dr. Mukhopadhyaya, `super-kortikales Bewusstsein` genannt werden.

 Stammhirn-Bewusstsein personifiziert sich in der streng mechanischen Bewegung eines Körpers wie beim Marschieren eines Soldaten in die Richtung, die vom Anführer vorgegeben wurde. Sicherheitswachleute auf Streife könnte man als personifiziertes Beispiel für Stammhirn-Bewusstsein bezeichnen.

 Limbisches-System-Bewusstsein ist der Aspekt des Bewusstseins, der uns dazu antreibt Vergnügen zu suchen und Unvergnügliches zu meiden. Der grundlegende Antrieb auf dieser Bewusstseinsebene ist Durst (durch das osmoseregulierte Zentrum vermittelt), Hunger (durch `Hunger-` und `Sattheit`-Zentren des Hypothalamus vermittelt) und Sex (durch pre-optische hypothalamus oder andere komplexe bekannte Verbindungen vermittelt).

 Die, die allein limbisch-bewusst sind, (wenn so etwas überhaupt möglich ist), sind um ihre eigenen Vergnügungen besorgt. Sie können alles für ihren eigenen sinnlichen Genuss tun. Leute, die von diesem Bewusstsein beherrscht werden, werden allgemein als selbstsüchtig bezeichnet. 17

 Eine noch höhere Bewusstseinsebene ist das kortikale Bewusstsein, das vom zerebralen Kortex stammt. Das zerebles Kortex mit seinen 200 Millionen Strängen im Großhirn, unzähligen Verbindungen zwischen den 10 000 Billionen Neuronen in 4 Millionen Modulen mit hoher Synapsendichte auf einem Gebiet von über 2500 qcm verteilt, ist der Sitz des kortikalen Bewusstsein. Die Manifestation dieser Bewusstseinsebene ist vor allem ein tieferes Selbst-Bewusstsein des Individuums. Jede kreative Vorstellung und ästhetische Aktivität gehört zu diesem kortikalen Bewusstsein. Unter seiner Herrschaft entwickeln sich Leute zu Genies oder Anführern auf verschiedenen Gebieten der Wissenschaft, Religion, Politik oder Soziologie. Die führenden Ideen dieser Genies auf den verschiedenen Gebieten schaffen menschliche Werte. Ein reines `kortikales Bewusstsein` ist ohne jedes Motiv. Das ist warum Künstler fühlen, dass Kunst nur um der Kunst Willen ist. Es ist eine Freude darin selbst, und der Kreative fühlt, dass nicht er oder irgendjemand anderer befriedigt werden braucht. 18

 Nach Dr. Mukhopadhyaya finden heute medizinische Wissenschaftler die Existenz einer Fünften Dimension - "Das Superkortikale Bewusstsein". Das ist die Bewusstseinsebene, wo man durch das eigene individuelle Bewusstsein das `kosmische Bewusstsein` fühlt. 19

 Das menschliche Wesen hat sich aus einer Masse aus Protoplasma nach Millionen von Jahren entwickelt. In diesem Prozess hat es viele Phasen durchquert. Die Gesamtgeschichte der Menschheit stellt eine Entwicklungsgeschichte des Bewusstseins dar. Heute bereiten uns die neuesten Versuche in Psychologie und Yoga darauf vor, systematisch das super-kortikale oder kosmische Bewusstsein anzuzapfen. Die Leben der bedeutenden geistlichen Größen wie Buddha, Christus oder Ramakrishna haben bereits den praktischen Aspekt des super-kortikalen Bewusstseins demonstriert.

 

ANTHROPISCHES PRINZIP

 Bells Theorem hat bewiesen, dass das Universum ein „fantastisches viel-dimensioniertes Hologramm“ ist, in dem jedes Teil mit dem Rest des Universums „grenzenlos verbunden“ ist. Den Schlussfolgerungen Bells Theorem folgend, glaubt David Bohm, dass „diese Verbundenheit ein Licht auf das Phänomen Bewusstsein selbst wirft.“ Sogar in Träumen träumt man manchmal von Erfahrungen anderer Personen. Dies sind nach C. G. Jung die archetypischen Erfahrungen. Das führt zu der Vorstellung einer „Art von Gruppen-Geist“. Sankhya-Philosophie nennt diesen kosmischen Geist `Mahat`.

 Wenn das Universum in Verbundenheit ist, so wie es die Theorie von Bohm sagt, dann durchdringt jede menschliche Gehirntätigkeit, nach M. Talbot, jede andere Gehirntätigkeit und etabliert, dass es nur ein einziges kosmisches Gehirn oder kosmische Intelligenz gibt; in der  Modernen Wissenschaft als Anthropisches Prinzip bekannt. Der Astrophysiker Fred Hoyle (Gründer  des Instituts für Theoretische Astronomie, Cambridge) behauptete 1983, dass es innerhalb der Physikgesetze nur mathematisch beweisbar ist, dass das Universum von einer kosmischen Intelligenz, die unfassbar alt ist, geschaffen wurde. Nach der Vedanta ist hinter dieser kosmischen Intelligenz oder  diesem kosmischen Verstand das kosmische Bewusstsein.

 

HOLOGRAPHISCHES BEWUSSTSEIN UND TELEPATHIE

 Karl Pribram, ein Hirnforscher und Neurologe, entdeckte als erster, dass die „tiefe Struktur“ des Gehirns grundsätzlich holographisch ist. Es ist dem linsenlosen fotografischen Prozess (Holograph) ähnlich, für den Dennis Gabor den Nobelpreis erhielt. Pribram entdeckte, als er mit Tiergehirnen experimentierte, dass wenn auch viele Gehirnteile zerstört sind, die kleinsten übrig gebliebenen Teile auf alle Anregungen antworteten, wenn auch in abgemilderter Form. Die gesamte Erinnerung war in diesem Teil enthalten. Jede Gehirnzelle ist selbst ein Miniaturgehirn. Er kommt zu dem Schluss: „Das Gehirn ist ein Hologramm.“ 20 Was ist ein Hologramm? Wenn wir ein gewöhnliches Foto von einer Person aufnehmen und dann das Foto in Stücke zerreisen, zeigt jedes zerrissene Stück nur einen kleinen Teil des ganzen Fotos. Aber wenn wir eine holografische Platte der gleichen Person aufnehmen, zeigt jedes zerstückelte Teil das gesamte Foto, wenn auch nur in einer Verkleinerung. „Jedes Teil des Hologramms wird das gesamte Bild rekonstruieren“, schreibt Ken Wilber.

 Pribrams holografisches Model des Gehirns lies noch tiefergehendere Fragen auftauchen, die die Wissenschaftler quälten. Wer schaut das Hologramm an? Wer erkennt durch das Hologramm? Oder wie es Koestler formuliert, wer ist „der Geist in der Maschine“? Wer benutzt den Gehirn-Computer? Wer interpretiert das Hologramm im Gehirn? Pribram schlägt das Konzept der Super-Bestimmtheit vor - „Sogar die Zufallsverteilung im Gehirn ist auf holografische Prinzipien gegründet und ist deshalb vorbestimmt.“ Die Unsicherheit der Ereignisvorfälle ist nur oberflächig. Karl Lashly, ein anderer Hirnforscher, der mit demselben Teil-Gehirnen forscht wundert sich: „Wie kann eine Erinnerung in keinem bestimmten Teil des Gehirn aufgehoben werden, aber durch es verteilt werden?“

 Der Holograph Eugene Dolgoff erzählt, dass sein erfolgloser Versuch zum Energietransver mit PSI in den späten 1960ern ihn zu dem Schluss brachte, dass kein Energietransver notwendig war. Er kam zu dem Ergebnis: „Nichts braucht von hier nach da gehen, weil es in diesem Reich kein `dort` gibt.“

 Die Hirnforschung lies Pribram verwundern: „Was, wenn die reale Welt letztlich nicht aus Objekten gemacht ist? Was, wenn sie ein Hologramm ist?“ Pribram stellte seine Vorstellung vom Bewusstsein bei einer Sitzung mit fünf Nobelpreis-Belobigungen vor. Die Assoziation für humanistische Psychologie sponserte zwei Tages-Symposien, auf denen Pribram einer Gruppe von herausragenden Wissenschaftlern verschiedener Gebiete seine Idee eines „Holografischen Universums“ vorstellte. Die Theorie bewirkte auch die `größte Reaktion der Hörerschaft`, als sie vom kanadischen Fernsehen als Dokumentation gesendet wurde. Pribram hielt 1977 das holistische Universum und die holistische Weltbetrachtung für den Kern zukünftiger Wissenschaft:

 „Dies ist Wissenschaft wie sie ursprünglich zum Verfolgen des Verstehens gedacht war. Die Tage des hartherzigen Technokraten scheinen gezählt zu sein.“ Lord Krishna sagt in der Gita: „Ich habe das gesamte Universum durchdrungen, wie Perlen auf einer Schnur.“ Pribram gibt zu, dass dieses holografische Konzept einer holistischen Wirklichkeit zum ersten Mal durch östliche Philosophie der Welt gegeben wurde. Er sagte: „Wie in der Vergangenheit kommt die östliche Philosophie in das westliche Denken ...  ob es diesmal hängen bleibt oder wir noch mal eine runde drehen hängt von ihnen ab. Der Geist der Unendlichkeit könnte Teil unserer Kultur werden und nicht außen vor bleiben.“ 21

Man sagt von Bells Theorem, dass es von Psychologen dazu benutzt wird, um zu erklären, wie zwei Gehirne gleichzeitig mit dem gleichen Gedanken über eine riesige Entfernung verbunden sein können. Vivekananda erklärt `Gedankenübertragung`und Telepathie: „Dieser Verstand ist ein Teil des universalen Verstandes. Jeder Verstand ist mit jedem anderen Verstand verbunden. Und jeder Verstand, wo immer er sich aufhält, steht in tatsächlicher Kommunikation mit der ganzen Welt.“

 Vivekandanda sagt:

 „Hast du einmal das Phänomen Gedankenübertragung bemerkt? Jemand denkt hier etwas und dieser Gedanke taucht bei jemand anderem an einem anderen Ort auf. Nicht zufällig sondern absichtlich - will jemand einen Gedanken an jemanden über eine Entfernung schicken und dieser andere Verstand weiß, dass ein Gedanke kommt und erhält ihn genauso wie er ausgeschickt wurde. Die Entfernung spielt keine Rolle. Der Gedanke geht und erreicht den anderen und dieser versteht ihn. Wenn dein Verstand hier etwas Isoliertes wäre und mein Verstand wäre dort etwas isoliertes und es gäbe keine Verbindung zwischen beiden, wie könnte es für meinen Gedanken möglich sein dich zu erreichen? Gewöhnlich erreicht mein Gedanke dich jetzt direkt; aber mein Gedanke wurde in ätherische Schwingungen aufgelöst und diese ätherischen Schwingungen gehen in dein Gehirn ein und  werden dort wiederum in deine eigenen Gedanken zerlegt. Hier ist es ein Auflösen der Gedanken, dort ein Zerlegen der Gedanken. Es ist ein sich drehender Prozess. Aber in der Telepathie gibt es nicht so ein Ding; es passiert direkt.“ 22

 „Das zeigt, dass es eine Kontinuität des Verstandes gibt, wie es im Yoga heißt. Der Verstand ist universal. Dein Verstand, mein Verstand, alle diese kleinen Verstande sind Fragmente des universalen Verstandes, wie kleine Wellen im Ozean; und auf Grund dieser Kontinuität können wir unsere Gedanken anderen direkt übermitteln.“ 23

 

PSYCHOLOGIE - DIE NEUE WISSENSCHAFT DES VERSTANDES

 Viel stärkere Beachtung jedoch schenkte man dem Verstand seit Anfang der neuen Wissenschaft der Psychologie. Prof. William James behauptete, dass „die Psychologie die Beschreibung und Erklärung des Bewusstseins ist“. Wie erreicht der gleiche Verstand verschiedene Bewusstseinsebenen und betrachtet die Welt auf verschiedene Weise? Der Physiker Freeman Dyson des Instituts fortschrittlicher Studien in Princeton sagte vor kurzem, „ich denke, unser Bewusstsein  ist nicht nur ein passives Epiphänomen, das mit chemischen Ereignissen in unserem Gehirn angetrieben wird, sondern ein aktiver Agent ist, der die molekularen Komplexe dazu zwingt, zwischen  dem einen und dem anderen Quantenzustand zu wählen.“ 24

 Die westliche Psychologie jedoch begann den Verstand nur aus zwei Ebenen bestehend zu betrachten, einer bewussten und einer unbewussten oder unterbewussten. Die unterdrückten Leidenschaften, Begierden, Ängste, Unsicherheiten, die vergangenen traumatischen Lebenserfahrungen, wenn sie unerlöst oder unaufgelöst in den Tiefen des Unbewussten sich ansammeln, bewirken eine Verdrehung des bewussten Verstandes und gipfeln in mentalen oder psychologischen Schwierigkeiten oder Krankheiten. Freud, der Vorläufer der modernen Psychologie,  behandelte den Verstand von kranken Leuten und befürwortete das Freilassen der unterdrückten Impulse, um den Verstand zur Normalität zu bringen.

 Freudianer, die dauernd vom Libido und unterdrücktem Sex sprechen, beherrschten ein halbes Jahrhundert Psychologie, Literatur und Gesellschaft im Westen. Heute wird Freud jedoch zurückgewiesen. Moderne Psychologen haben den Begriff `Normalität` neu definiert. Was ist Normalität? Ist es, wie manche Psychologen heute sagen, nur eine Anpassung an falsche Normen einer falschen Gesellschaft auf falsche Art und Weise? Die Freudianer sind aus dem einfachen Grund zurückgewiesen worden oder fehl gegangen, weil es in ihrer Psychologie nicht die Option für einen Aufstieg der Vernunft zur `überbewussten Ebene` oder zum `super-kortikalen Bewusstsein` gab. Während Freud glaubte, der menschliche Verstand ist eine `tabula rasa`, ein unberührter Zustand, kam  Jung, der bekannteste unter den Nach-Freudianern, mit einer fast indischen und vedischen Denkweise weiter voran. `Der bewusste Verstand`, so Jung, `entwächst aus der unbewussten Psyche, die älter als er ist und fängt an mit ihr zu funktionieren oder auch anstelle von ihr.` Jung entwickelte auch seine `Psychoanalyse` (in Anlehnung an Freuds Psychotherapie), die behauptete, dass das `individuelle Unbewusste einer Person mit dem `kollektiv Unbewussten`, das universal ist, verbunden ist. Jeder Verstand ist Teil des einen kosmischen Verstands`, sagt die indische Sankhya Philosophie.

 Die neuesten Entwicklungen in der Psychologie sehen im Verstand die Fähigkeit, eine `transpersonelle Ebene` hinter den Grenzen des egozentrischen Körper-Verstand-Komplexes zu erreichen. Die humanistische Psychologie des Abraham Maslowe spricht nicht von einer Psychologie des Heilens, sondern von einer Psychologie des Seins, der `Selbst-Aktualisierung`, (angelehnt an die indische Vorstellung der `Selbst-Realisation`). Das verschwommene westliche Konzept vom `Selbst`, das lediglich im Körper lokalisiert ist, die grundlegende Vorstellung westlicher Philosophie, wird nun langsam durch eine wachsende Einbindung östlicher Vorstellungen in die moderne Wissenschaft der Psychologie erhellt. Das `Selbst`, das in der indischen Tradition die wahre Natur des Menschen ist, die absolute Existenz-Erkenntnis-Seeligkeit, erscheint heute langsam in der westlichen Psychologie.

 Die `Transpersonale Psychologie` von Ken Wilber, von einer Gruppe anderer Psychologen unterstützt, ist stark von der mystischen Tradition des Ostens beeinflusst. Diese östliche Ansicht entwickelt langsam die Psychologie zur `Wissenschaft der Seele`, um durch systematisches Yogatraining, Meditation usw. den Verstand auf eine super-bewusste Ebene zu bringen. Orientalische und vedische Vorstellungen durchdringen intensiv jeden Bereich der modernen Psychologie. Der Verstand ist ein Instrument, das man nicht wie einen trainierten Hund zähmen kann, wie der Verhaltenspsychologe B. F. Skinner feststellte. Im Gegenteil, der Verstand hat die Kraft sich selbst auf die super-bewusste Ebene zu bringen, in der das wahre Selbst des menschlichen Seins sich manifestiert. Heute ist Ziel der Psychologie das ´innere Licht(Erleuchtung)` zu vermitteln, wie es R. D. Laing sagt, der bekannteste britische Psychologe dieses Jahrhunderts. 25 Die Aufgabe der Psychologen ist, die ´innere Transformation` zu bringen, wie es der bekannte amerikanische Psychologe Jacob Needleman sagt. Jung selbst spürte die Wahrheit des Selbst lange bevor die heutige Transpersonelle Psychologie entdeckt wurde. Er sagte: „Das Selbst ist etwas äußerst unpersönliches. ... Wenn du durch dein Selbst funktionierst bist du nicht du selbst. Wie es der heilige Paulus ausdrückte, ´ich bin es nicht, der lebt, es ist Christus, der in mir lebt`, womit er meinte, dass sein Leben nicht sein eigenes Leben ist, sondern das Leben des Selbst.“ 26 Die vorherrschende Entwicklung heutiger Psychologiewissenschaft ist die Suche des Menschen die transpersonelle Ebene des Verstandes zu erreichen. Dies ist, das nach Abraham Maslowe mit ´Gipfelerfahrung` bezeichnet wird. Moderne Psychologiewissenschaft, wie auch der moderne Mensch, ist, mit den Worten von C. G. Jung, auf der Suche nach einer Seele, einem kosmischen Bewusstsein, das transzendiert aber durch alle Gehirne und mit dem Verstand von allen arbeitet.


ANMERKUNGEN  KAPITEL - 5

1. Michael Talbot, Mysicism and New Physics, Bantam Book, 1981, S.34

2. Swami Jitatmananda, Modern Physics and Vedanta, Bharatiya Vidya Bhavan, 1986, S.36

3. Ebd., S.37

4. W. Russel Brain, Galatea or the Future of Darwinism, London, Kegan Paul, Trench, Turber & Co, NewYork, S.49-52 und 88-92

5. E. F. Schumacher, A Guide for the Perplexed, Abacus, London, 1981, S.104-105

6. Stephan Kaplan, Hermenutics, Holography and Indien Idealism (Motilal Banarsidass, 1987) S.27

7. Philip Zimbardo, Psychology & Life: 12.Auflage, Stanford Univerity, Scotts, Foresman & Co, Boston,London 1988, S.237-247

8. Ebd., S.237-247

9. Georg Wald, Paper on Life and Mind in the Univers, (eingereicht bei NCERT, New Dehli, Feb.1987)

10. Ebd.

11. Ebd.

12. Ebd.

13. T. Desi Raju, Schrift über Neuro-physiology and Consiousness: An Interated Non-dualist Evolutionary             Theory, subm. In the same seminar of NCERT, Feb. 1987

14. Swami Ranganathananda: Article on Self Behind The Brain, printed in Prabuddha Bharata, Nov.1988

15. M. Talbot, Beyond the Quantum (Bantam New Age Book, 1988) S.93

16. Ebd. S.102-103, 107

17. Dr. Ashok Kumar Mukhopadhyaya: Seminarschrift States of Consciousness-A Holistic Hypothesis etc.,           NCERT-Seminar, Februar 1987

18. Ebd. S.35

19. Ebd. S.4

20. Holographic Paradigm, Edited by Ken Wilber, Shambhala Publication, 1982, S.7

21. Ebd. S.16, 13, 25, 26, 8, 17, 51, 226

22.+23. Complete Works, Bd.II, S.153

24. Psychology & Life, S.222, S.180

25. Fritjof Capra; The Turning Point (Flamingo Edition), 1983, USA, S.398

26.Frances Vaughan: The Inward Arc., New Science Library, Shambhala, Boston and London, 1986, S.46