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DER GEIST - DIE 5. DIMENSION DER WISSENSCHAFT

 

 Einmal erzählte Sokrates einem indischen Schüler, dass das Objekt seiner Studien der Mensch ist. Der Inder fragte in nur, wie er erwarten könne den Mensch zu kennen ohne Gott zu kennen. Swami Vivekananda, der diese Geschichte Indern bei einer seiner Vorlesungen in Südindien erzählte, hob hervor:

 Die große Frage aller Fragen unserer gegenwärtigen Zeit ist die: wenn es sicher ist, dass  das Bekannte und Erfahrbare auf beiden Seiten vom Unbekannten und unendlich Unerfahrbaren umschlossen ist, warum sich dann um das unendlich Unerfahrbare bemühen? Warum sollen wir uns nicht mit dem Bekannten begnügen? Warum sollen wir nicht mit Essen, Trinken und für die Gesellschaft etwas Gutes tun zu frieden sein?

 Aber glücklicherweise müssen wir nach dem Dahinterliegenden nachfragen. Dieses Gegenwärtige, dieses Ausgedrückte, ist nur ein Teil von dem Nichtausgedrückten. Das wahrnehmbare Universum, so wie es ist, ist nur ein Abschnitt, ein Teilchen des unendlichen spirituellen Universums, das sich auf der Ebene des sinnlichen Bewusstseins projiziert. Wie kann dieses kleine Teilchen einer Projektion erklärt, verstanden werden ohne das zu kennen, was dahinter ist? [1]

 Der Mensch ist nicht nur, wie der Physiker Heinz Pagels schreibt, ein Homo Faber (ein Werkzeug herstellendes Tier), sondern auch ein Homo Spiritualis (ein Tier, das auch den Geist hinter der Materie kennen will). Sokrates selbst räumt ein, dass „ein unerforschtes Leben nicht wert ist gelebt zu sein.“ [2]

  Aber für die meisten Wissenschaftler erscheint diese Suche nach dem Geist dahinter allgemein sinnlos. Das Hauptgebiet der Wissenschaft behandelt harte, real objektive Materie. Die Welt des Verstandes, der Gedanken und Psyche wurde der Psychologie überlassen, die jetzt als voll anerkannte Experimentalwissenschaft wie Physik und Chemie auftaucht. Warum soll sich ein Wissenschaftler um eine unerklärbare, nicht-physikalische, transzendente, spirituelle, unsichtbare und unberührbare Einheit, die die Leute Gott nennen, kümmern, an statt einen Baseball oder ein Auto zu kennen und zu erklären? Aber diese nicht-physikalische Wirklichkeit taucht heute mit größerer Bestimmtheit durch die unnachgiebigen Mauern der physikalischen Wissenschaften auf:

 Als Swami Vivekananda nach England ging, war Religion in Ungnade gefallen und die neue Religion der „Kirchenwissenschaft“ wurde bekannt als „Wissenschaftsnaturalismus“ oder „Wissenschaftsmateria-lismus“. [3]

  Angeführt von Tyndal und Huxley gründeten Wissenschaftler in London zur Zeit den X-Club, „der eine anti-religiöse Haltung einnahm und alle waren verärgert über Fragen religiöser Einmischung in die Wissenschaftspraxis ...“ [4]

  Die Newtonsche Physik wurde zum Renner des Tages. Sie betrachtete Gott als den unfehlbaren Mechaniker, der das Universum der Sonne, des Mondes und der Sterne in vollkommener Ordnung zum Laufen brachte. Sogar William Blake gebrauchte den Sketch des Newtonschen Gottes - „ein großartiger Vermessungsingenieur, der die Schöpfung unseres Universums mit einem Kompass geplant hat“. Wie die ewige Getrenntheit zwischen Gott und dem schwächlichen Menschen, wurde schließlich die Materie (das Objekt der Experimente) und der Verstand (des experimentierenden Wissenschaftlers) durch die Newtonsche Wissenschaft getrennt, und der so genannte Kartesische Dualismus des Westens bestätigt. Dieser Kartesische Dualismus zwischen Gott und Mensch, Verstand(Geist) und Materie, heilig und säkular, Heiliger und Sünder, göttlich und weltlich, resultiert, nach A.D. Reincourt, in „der schizophrenen Kultur der westlichen Zivilisation.“ [5]

 Aber in den 1920ern begann man am Horizont der Wissenschaft ein neues Grollen zu hören. Eddington bemerkte 1927, nach Heisenbergs berühmtem Experiment der Unschärferelation (Unbestimmtheitsprinzip), dass „... Religion seit 1927 zum Ersten Mal für einen vernünftigen Wissenschaftler möglich wird.“ [6] Mit dem Niedergang der strengen Ursächlichkeit (Kausalität) oder Bestimmtheit (Determinismus) eines maschinengleichen Universums, ein Grundgedanke der Newtonschen Wissenschaft, begann sich der Gedanke eines gegenwärtigen und funktionierenden über-deterministischen Faktors im Hintergrund heraus zu kristallisieren. David Bohms erfolgreiches Experiment mit Bells Theorem etablierte schließlich 1972 „das Prinzip der nicht-lokalen Ursachen“. Gary Zukav, der Bells Theorem kommentierte, schrieb: „In diesem Fall werden wir zur Über-Bestimmtheit (Super-Determinismus) geführt. Das ist Determinismus weit hinter dem gewöhnlichen Determinismus.“ [7]

Einstein, der bis zum Ende gegen Heisenbergs Unschärferelation war, musste einer ähnlichen Wahrheit zustimmen. Er schrieb 1951: „All diese 50 Jahre bewussten Brühtens haben mich nicht näher an die Beantwortung der Frage gebracht: Was sind Lichtquanten? Heutzutage glaubt jeder Thomas, Peter und Hans es zu wissen, aber sie irren.“ [8]

  Einsteins Frage war ein Abschuss seiner eigenen berühmten Entdeckung, die ihm den Nobelpreis brachte. Er entdeckte 1914 zur Überraschung der Wissenschaftswelt, dass sich Licht wie Teilchen bewegt. Seit Thomas Youngs Doppelspalt-Experiment im Jahr 1823 wissen Wissenschaftler, dass sich Licht nur wie Wellen bewegt. Einstein nannte dieses neu entdeckte Lichtteilchen Photon. Dieser Entdeckung nahe auf dem Fuß entdeckte der Nobelpreis-Physiker Louis De Broglie mit seinem Versuch der Elektronen-Teilung 1920, dass Elektronen, die so lange als Teilchen bekannt waren, sich auch wie eine Welle bewegten. Auf einmal öffnete sich ein völlig neuer Horizont vor der Wissenschaft. Jedes Objekt in diesem Universum war aus kleinsten Objekten zusammengesetzt, die grundsätzlich in beiden Bewegungsarten betrachtet werden können, als Teilchen und als Welle. Man nannte sie „Wellenteilchen“ (Wavicles). Aber Fragen, speziell Quantenfragen, fingen an alle Wissenschaftler zu quälen. Was ist die wirkliche Natur eines Objekts? Teilchen oder Welle? Niels Bohr offerierte das berühmte Konzept der Komplementarität (Ergänzungskonzept). Er behauptete, dass beide Betrachtungen der Materie - Welle und Teilchen - wirklich sind. Wir müssen beide Naturen eines jeden Objekts im Universum akzeptieren, die Wellen- und die Teilchennatur. Der Nobelpreis-Physiker Max Born schreibt:

 „Und die Entwicklung der modernen Physik hat unser Denken mit einem neuen Prinzip  von fundamentaler Wichtigkeit bereichert, der Idee der Komplementarität. Die Tatsache, dass in einer exakten Wissenschaft wie Physik wechselseitig ausschließende und ergänzende Situationen gefunden werden, die nicht mit dem gleichen Konzept beschrieben werden können, sondern zwei Erklärungsansätze brauchen, kann auf andere Gebiete des menschlichen Handelns und Denkens angewandt werden.“ [9]

  Max Born streifte den wichtigsten Beitrag Niels Bohrs, der die Idee der Komplementarität  von der alten chinesischen Vorstellung hatte, dass Yin (die mystische, nicht-physikalische und intuitive Betrachtung des Lebens) und Yan (die rationale, physische und materielle Betrachtung des Lebens) sich verbinden müssen, um ein vollständiges Bild der Wirklichkeit zu ergeben. Wahrscheinlich bereitete Bohr, ohne es zu wissen, den Weg für das Erscheinen metaphysischen, nicht-materiellen und spirituellen Universums der 5. Dimension im vier-dimensionalen Bild unseres Universums.

 Das Konzept der Komplementarität jedoch war nur der Ausdruck eines bestehenden Phänomens und nicht die Antwort der ursprünglichen Frage, „woraus entstand das Universum?“ Wenn Charlie Chaplin in einem Film als Schornsteinfeger auftritt und als Glaser in einem anderen, nehmen wir an, dass es ein einziger Mann ist, der zwei Rollen in zwei Filmen spielt. Aber um den Schauspieler zu kennen, wie er wirklich ist, müssen wir ihn hinter der Bühne treffen, entweder in der Umkleide oder in seiner Wohnung, wenn er nicht mehr schauspielert. Einsteins Relativitätstheorie bewies schließlich, dass unser ganzes Wissen über das Raum-Zeit Universum relativ ist. Das absolute Wissen über irgendetwas befindet sich hinter der Raum-Zeit Dimension. Der Physiker David Bohm sagte: „Wissenschaftliche Untersuchung bewegt sich durch das Studieren der Relativität in seiner unerschöpflichen Vielfältigkeit und Verschiedenheit auf das Absolute zu.“ [10]

 Der österreichische Nobelpreis Physiker Schrödinger erhob 1925 eine fundamentale Frage, als er das erste Schreiben, „Die Suche nach dem Weg“, verfasste, das die philosophisch-metaphysischen Betrachtungen der Quantenphysik behandelte. Es war im gleichen Jahr als er die fundamentale Entdeckung der Wellengleichung machte, die ihm den Nobelpreis brachte. In diesem Schreiben antwortete er sinngemäß auf die Frage, die ein Elektron einen Wissenschaftler stellen würde: „Wer bist du, dass du alles weißt?“ [11]

 Diese Schreiben wurde erst 1960 veröffentlicht. Warum diese große Verzögerung? Wahrscheinlich waren sie zu vedisch, zu merkwürdig und dreist für die westliche Welt, die noch vom angenehmen Leben in einer vollkommen verständlichen und greifbaren Welt der Materie träumt.

 In zwei Büchern, My View of the World (1964, Cambridge) und Mind and Matter, versuchte Schrödinger mit aller Logik der Quantenphysik es einzuschätzen, dass es Bewusstsein, der Geist, ist, der das wirkliche Substrat von jeder Materie ist. Und numerisch ist Bewusstsein eins. Die Vielfältigkeit des Bewusstseins ist Maya, erklärte er wiederholt. [12] Max Plank, der Vater der Quantenphysik, sagte schon eher, dass Bewusstsein fundamental ist, und Materie ist nur eine  abgeleitete Form des Bewusstseins. [13]

Die heutige Physik hat bereits die Welt der Mystik, trotz seiner Ablehnung die Mystik als unwissenschaftlich und „verrückt“ zu akzeptieren, betreten. Während Heisenberg an der Quantentheorie arbeitete, kam er für Vorlesungen nach Indien, und er war Gast von Tagore. In einem Interview erzählte Heisenberg Fritjof Capra, dass er mit Tagore viel über indische Philosophie gesprochen hat. Dieses Gespräch half ihm mit der Quantenphysik zu arbeiten und lies ihn erkennen, dass diese neuen Ideen der Quantenphysik, die im Westen für verrückt gehalten wurden, in der vedischen Mystik völlig annehmbar und als metaphysisch klingend betrachtet werden. Heisenberg sagte auch, dass Niels Bohr eine ähnliche Erfahrung gemacht hatte, als er in China war. [14] Aber weder Heisenberg noch Bohr wagten es, diese Ideen im Westen zu veröffentlichen, der sich immer noch weigerte, irgendetwas mystisch-spirituelles im Bereich der Wissenschaft anzunehmen.

Die Everette-Wheeler Interpretation der Quantenphysik hielt schließlich 1957 die alte vedische Vorstellung in der modernen Physik hoch - äußere Wirklichkeit ist nur vom Beobachter erschaffene Wirklichkeit. Es ist treffender bekannt als „Vielwelten Interpretation“. [15] Die wachsende Bedeutung der Mystik in der modernen Physik hat viele der alten Vorreiter aus dem Sattel gehoben. Jeremy Bernstein, ein amerikanischer Physiker z.B., erklärte, dass diese Versuche die Physik mit der Mystik zu verbinden „vielleicht zum Verschwinden der Physik führen wird“. [16]

Aber die Wahrheit, sagte Vivekananda, erweist keiner Gesellschaft Reverenz, weder der alten noch der modernen. Es ist die Gesellschaft, die die Wahrheit annehmen oder sterben muss.

 Gedanken über die nicht-physikalische Wirklichkeit hinter dem Raum-Zeit Universum machen sich langsam breit. Schrödinger sagte 1961: „Ich halte die Wissenschaft für den integrativen Teil unseres Bestrebens die eine große philosophische Frage, die alle anderen einschließt, zu beantworten; die eine, die Plotinus mit dem Auftrag ausdrückte: Wer sind wir?. Und mehr noch als das: ich halte das nicht für eine der Aufgaben, sondern für die Aufgabe der Wissenschaft, die einzige die wirklich zählt.“ [17]

 Der Wissenschaftler M. Delbruck sprach 1969 in seiner vornehmen Art vom Bewusstsein als nicht etwas vom Gehirn und den Nerven Abgeleitetes, sondern als ein vom Körper unabhängigen Faktor: „Schon wenn wir lernen über Bewusstsein als den auftauchenden Besitz von Nervennetzen zu sprechen, auch wenn wir lernen, den Prozess zu verstehen, der zu Abstraktion, Nachdenken und Sprache führt, setzt jede dieser Entwicklungen auch eine  Vorstellung der Wahrheit voraus, die als erste vor all diesen Fortschritten steht und das kann man nicht als auftauchenden Besitz davon bezeichnen, als auftauchenden Besitz einer biologischen Evolution.“ [18] Der große Physiologe Alexis Carrel wiederholte eine ähnliche Idee: „Die Welt der Materie ist zu nahe für unser Denken. Der Mensch ist ein materielles Wesen, aber gehört auch zu einer anderen Welt, die sich hinter Raum und Zeit ausdehnt.“ [19] In diesen Zeilen hallt Vivekanandas Vorstellung wider: „Physik wird auf beiden Seiten von der Metaphysik eingefasst.“

 Dr. Gustaf Stromberg, ein international bekannte Astronom, dessen Name auf der Wand der Berühmtheiten in Amerika steht, schrieb in seinem Buch Mensch, Verstand und Universum veröffentlicht im Jahr1966:

 „Die überraschenste Entdeckung in letzter Zeit, und für uns die wichtigste, ist, dass hinter der physikalischen Welt aus Materie und Energie eine andere Welt ist, die mit Ausdrücken von Raum und Zeit nicht beschrieben werden kann. Es ist eine spirituelle Welt, die nicht von der Verschlechterungs- und Ausschweifungseigenschaft der physikalischen Welt abhängt. Diese neu entdeckte Welt existierte bereits bevor die materielle geboren wurde seit Billionen von Jahren und es gibt keinen Grund zu glauben, dass sie jemals zu einem Ende kommt. Deshalb gab man ihr den Namen: „Die Ewigkeit“. Es ist die Welt, in der unser Verstand „wurzelt“ und in der Leben und Verstand ihren Ursprung haben. ...“

 „In der Vorstellung der Wissenschaftler wurde später Gott als unvermeidliches Element in die Welt eingesetzt, weil es notwendig war, den letztendlichen Ursprung der Energie, der Materie, des Lebens und des Bewusstsein zu erklären. ...“

 Stromberg schreibt weiter:

 „Wir wissen nichts über die Ursache der kosmischen Explosion, dem ´Urknall`, der in der kosmischen Geschichte ein neues Zeitalter verkündete. Solange wir davon überzeugt sind, dass ex nihilo nihil fit (von nichts nichts kommt), kommen wir zu dem Schluss, dass die Energie aus einer anderen ´Welt` auftauchte, wie es die Physik uns beschreibt. Die einzige solcher uns bekannten Welt, die nicht der physikalischen Welt angehört, ist die geistige Welt, die deutlich in unserem Bewusstsein manifestiert ist. Deshalb sind wir berechtigt zu behaupten, dass es hinter der Welt aus Raum und Zeit eine geistige Welt gibt und dass Energie und Materie durch das Handeln eines Universalen Geistes von unendlicher Kraft entstanden sind. ...“

 „Menschen verschiedener Kulturen gaben verschiedenen Namen so einer Kraft. Wir nennen sie Gott.“ [20]

 Zurzeit wurde ein Konzept für ein fünf-dimensionales Universum von dem berühmten englischen Wissenschaftler und Philosophen J.G. Bennett vorgestellt. In Zusammenarbeit mit zwei englischen Mathematikern, R.L. Brown und M.W. Thring, veröffentlichte er in Fortschritte der königlichen Gesellschaft im Juli 1949 einen Artikel, in dem er aufzeigte, dass die mathematischen Grundlagen der theoretischen Physik durch die Annahme, das Universum habe fünf Dimensionen, vereinfacht und verallgemeinert werden könnten. [21]

 Bennett nannte die neue fünfte Dimension „die Ewigkeitsdimension“ und verläuft senkrecht zu Minkowskis Zeitachse. Nach Bennett beschreibt sie ein Reich hinter der vierdimensionalen Raum-Zeit Welt der Physik. Man nenne diese neuerdings entdeckte Welt den  „Ewigkeitsbereich des Universums“. Bennett sagt, dass der Grund, warum wir keine unmittelbare Erfahrung von Ergebnissen aus diesem nicht-physikalischen Reich haben, ist, dass wir „Ewigkeits- blind“ sind, das vedisch ausgedrückt heißt, wir sind spirituell nicht erleuchtet.

 Von diesem spirituellen Hintergrund können keine Maße genommen werden, weil Messungen mit materiellen Messeinrichtungen vorgenommen werden und Materie in einer nicht-physikalischen Welt keinen Platz hat. Das ist einer der Punkte der Sackgasse in der modernen Wissenschaft, für den bis jetzt die physikalischen Wissenschaften keinen Anhaltspunkt vorgesehen haben. Aber von Plank an wurde die Co-Existenz der physikalischen und nicht-physikalischen Welt und das Vorherrschen des Bewusstsein über die Materie langsam akzeptiert. Der Nobelpreis Physiker Eugene Wigner sagte 1964, „es gibt zwei Arten von Wirklichkeit oder Existenz - die Existenz meines Bewusstseins und die Wirklichkeit oder Existenz von allem anderen. Diese letztgenannte Wirklichkeit ist nicht absolut, sondern relativ. Außer unmittelbaren Ereignissen, dem Inhalt meines Bewusstseins, ist alles eine Konstruktion, aber einige Konstruktionen sind näher, andere entfernter von direkten Ereignissen.“ [22]

 Physiologen und Neurologen, die dem materialistischen Ansatz folgend das Gehirn als den einzigen Sitz des Bewusstseins definieren, finden es schwierig ihre Ansichten länger aufrecht zu halten. Der indische Physiker Dr. D.S. Kothari erläutert, „sowie das Gehirn innerhalb der Naturwissenschaft ist und der Verstand außerhalb der Naturwissenschaft, wird das Problem der Gehirn-Verstand Interaktion zum Rätsel der Rätsel - dem größten Mysterium überhaupt.“ [23]

 Vor Jahrhunderten weiß die Vedanta, dass Bewusstsein (Chit), die alldurchdringende Wirklichkeit (Sat), das Substrat von allem ist. Im menschlichen Körper oder im lebenden Organismus macht sich dieses Bewusstsein durch das Pulsieren der Lebensenergie bemerkbar, oder Prana genannt, das mit der andererseits anorganischen Materie (Akasha), aus der ein lebender Organismus zusammengesetzt ist, agiert. Moderne Entdeckungen im Gebiet der biophysikalischen Wissenschaften bestätigen das. Experimentelle Studien an der medizinischen Fakultät der Yale-Universität unter der hervorragenden Führung von H.S. Burr zeigten, dass alle lebenden Dinge in ein komplexes elektrisches Feld eingebunden sind, das die Struktur und strukturelle Veränderungen des lebenden Organismuses bestimmt. Das organisierende elektrische Feld eine fruchtbaren Eizelle weitet sich plötzlich von einem Punkt mit Null Dimension zur vollen Größe bei Reife; und im späteren Leben zieht sich das Feld zusammen und verschwindet, ein Prozess, den wir als Tod beschreiben. Wenn die Felder vollständig verschwunden sind, gibt es keine weiteren organisierten Aktivitäten. Die unorganisierten Felder, die in aller anorganischen Materie des (toten)Körpers enthalten sind, werden schnell ein Aufbrechen aller flüssigen Materie im Organismus verursachen. Es kann aufgezeigt werden, dass diese mystischen organisierenden Felder nicht in der Materie, aus der der Organismus zusammengesetzt ist,  „verankert“ sind. Im Gegenteil, die Moleküle sind in einem vor-existenten Energiefeld eingebunden, das wir das „Lebensenergiefeld“ nennen können. [24]

 Dr. Stromberg schreibt weiter, „was wir aktuell wahrnehmen sind ´Projektionen` in der Raum-Zeit Welt von Ereignissen, die in einer außer-physikalischen Welt vorkommen, das ist eine Welt hinter dem physikalischen Raum und der physikalischen Zeit.“ Er nennt Newtons Gott „den Geist des Universums“. Dieser alles durchdringende Geist hat „beide Eigenschaften, die physikalischen und die geistigen“, sagt er. [25]

Neuere Untersuchungen in der Astrophysik haben diese Vorstellung bestätigt. Seit 1970 stellt die Urknall-Theorie auf, dass dieses Universum sich ausdehnt, verharrt und sich dann wieder auf einen Punkt einer Singularität zusammenzieht, der einen Zustand bezeichnet, dem man weder Raum noch Zeit zuschreiben kann. Das inflationäre Model des Universums hält den „Vakuum-Zerfall“ für die „letztendliche Katastrophe“. Was gab es vor dem Ursprung dieses Universums? Was bedeutet dieser „Vakuum Zustand“? Eduard Tyron, ein amerikanischer Physiker, schreibt 1973 (in einem Artikel „Ist das Universum ein Vakuum-Fließen?“), dass kein Gesetz der Physik die creatio-ex-nihil, die Erschaffung aus dem Nichts verhindere. [26] Alex Vilenkin, ein Wissenschaftler der Theoretischen Physik, sagte kürzlich zu einem anderen Physiker, „Ich glaube, das Universum fängt wirklich mit Nichts an. Kein Raum, keine Zeit - nichts.“ [27]

Heute beschreiben Physiker wie P. Englert, E. Gunzig und P. Spindel „das erste Model des Universums das durch einen Quantenprozess aus dem nichts entstanden ist“. Tatsächlich nennen sie es eine „spontane Erschaffung aller Materie und Strahlung im Universum.“ [28] Der Physiker Heinz Pagels denkt, dass es für die Physiker zwei offene Wege gibt: Entweder begann das Universum aus einem ersten Samen oder es kam von nichts. Aber dann bleibt die Frage, „Woher kam der Same?“ Wir kommen zu der alten Antwort - der Same kam aus dem Punkt der Singularität, wo weder Raum noch Zeit bestand. Es ist eine nicht-physikalische Beweisführung. Physikalisch bedeutet es nichts: aber logisch beinhaltet dieses „nichts“ das Potential von allem. „Die Nichtigkeit beinhaltet alles Sein. Alles der Physik - alles was wir zu wissen hoffen - wartet im Vakuum auf die Entdeckung, “ schreibt Heinz Pagels.(New York Times, Sept.26, 1982). Herr Pagels schreibt weiter, dass „nichts der rationalen Beschreibung des Anfanges des Universums im Weg steht und eines Tages wird sie gefunden werden. Die Singularität zu Beginn der Zeit sollte wie ein wechselndes Puzzles betrachtet werden, nicht wie ein Zeichen, das wir aufgeben müssen.“ [29]

Die alten Seher der Upanishaden haben ihre Suche nicht aufgegeben. Am Grenzpunkt der Materie machten sie einen „intuitiven Sprung“ und erkannten das „nicht-physikalische“, das nicht-räumlich-zeitliche Nichts, den Geist, die Ewigkeit der Absoluten Existenz als Ausgangspunkt des Universums. „Alles (räumlich-zeitliche) Erschaffene ist nur eine Form auf dem Ozean der Existenz-Wissens-Glückseligkeit-Absolutheit, wie Wellen auf dem Meer“, schreibt der alte vedische Text Drg-Drsya Viveka. „Raum ist wie Schaum“, sagt der Physiker John Wheeler (New York Times, September 26, 1982).


 

In einem neuen Buch, Eine neue Wissenschaft des Lebens (1981), das Allgemeingültigkeit in der Wissenschaftswelt erlangt hat, schreibt der Wissenschaftsauthor Dr. Rupert Sheldrake, dass „lebende Organismen von morphologischen Feldarten, die der Wissenschaft unbekannt sind, umgeben sind.“ [30] Im Gegensatz zur mechanistischen Betrachtung der Lebenswissenschaft entdeckte Sheldrake auf Grundlage einiger öffentlich bestätigter Versuche, die er machte, dass es eine „generelle Möglichkeit überzeitlicher Ursachenverbindungen gibt.“ Dr. Sheldrake behauptet, dass  „trotz des Knackens des Gencodes die biologische Wissenschaft eine Reihe von ungelösten Problemen behalten wird.“ [31] Eine ursächliche Verbindung zwischen „der überzeitlichen“ und der „Raum-Zeit“ Wirklichkeit ist nur eine andere Bestätigung der spirituellen Wirklichkeit.

Was bringt die gleichen Elemente dazu, in einer Henne ein Ei zu bilden und in einem Menschen ein menschliches Embryo? Die Genetik würde sofort antworten, dass dies ein natürliches Ergebnis der Gene ist. Aber was ist der Faktor, der die verschiedenen Gene dazu bewegt, verschiedene Muster zu bilden? Dr. Sheldrake geht von einem höheren Bewusstsein aus, das Raum und Zeit transzendiert (durchdringt, übersteigt), als den vorersten Faktor hinter aller Erschaffung, der organischen und der anorganischen. Er sagt:

Das ganze Universum kann nur eine Ursache und ein Ziel haben, wenn es selbst durch einen bewussten Wirkstoff, das es durchdringt, erschaffen wurde. Würde sich das Universum, dieses transzendente (durchdringende) Bewusstsein sich nicht auf ein Ziel hin entwickeln: es würde sein eigenes Ziel sein. Es würde nicht nach einer Formvollendung streben; es wäre schon in sich selbst vollständig.

Wenn dieses transzendente, bewusste Wesen die Quelle des Universums und von allem darin enthaltenen ist, haben alle erschaffenen Dinge in gewisser Weise an seiner Natur teil. Die mehr oder weniger begrenzte „Vollständigkeit“ von Organismen auf allen Ebenen der Komplexität könnte dann als eine Widerspiegelung der transzendenten Einheit betrachtet werden, von der sie abhängen und von der sie letztendlich stammen.

 Deshalb bestimmt diese vierte metaphysische Position die ursächliche Auswirkung des bewussten Selbst, die Existenz einer Hierarchie der erschaffenden Wirkstoffe der immanenten Natur und der Wirklichkeit einer transzendenten Quelle des Universums. [32]

Der Chemiker Liebig argumentierte 1844, dass ´in lebenden Körpern eine vierte Ursache dazu kommt, die die Bindekraft (Kohäsionskraft) beherrscht.` [33]

Hans Driesch, ein Biologe des 19.Jahrhunderts, dachte von dieser „vierten Ursache“, sie ist der überzeitliche Moment hinter allen Organismen. Dieser Moment, sagt Dr. Sheldrake, „handelt im physikalischen System, aber ist nicht Teil davon“. Driesch nannte diesen nicht-physikalischen ursächlichen Moment die Entelechie. Er ging davon aus, dass die Entelechie die physikalisch-chemischen Prozesse innerhalb der Ausbildung verschiedener Arten von Lebensorganismen organisiert und kontrolliert. Dr. Sheldrake schreibt: Vergleichbar dem Nervensystem, das die Bedeutung der Handlungen eines Tieres weiterleitet, organisiert die Entelechie dagegen die Hirnaktivität, indem sie sie wie ein Instrument benutzt, sowie ein Klavierspieler, der auf seinem Klavier spielt. Entelechie ist ein griechisches Wort, dessen Ableitung (en-telos) etwas beinhaltet, das sein Ende und Ziel in sich selbst hat; es hat schon das Ziel, zu dem ein System unter seiner Kontrolle geführt wird.  Driesch beschreibt Entelechie als „intensive Vielfalt“, einen nicht-räumlichen ursächlichen Moment, der trotzdem im Raum agiert. [34]

Vivekananda, der moderne Interpret der Vedanta, brachte gerade diese Vorstellung nach Westen, Vorstellungen, die heute nach fast Hundert Jahren, nach dem er davon gesprochen hat, von der Wissenschaft bestätigt werden.

„Wir müssen zuerst das Universum finden, das alle Universen beinhaltet; wir müssen etwas finden, das selbst das Material ist, das alle diese verschiedenen Ebenen der Existenz durchläuft, ob wir es nun mit unseren Sinnen wahrnehmen oder nicht.“ [35]

„Dieser grobe Teil des Menschen, dieser Körper, in dem die äußeren Werkzeuge sind, wird im Sanskrit Sthula Sharira, der Grobkörper genannt; dahinter kommt die Reihe, angefangen mit den Organen, Verstand,  Intellekt, Ich-Denken. Diese bilden mit den Lebenskräften eine Verbindung, die der Feinkörper, der Sukshma Sharira, genannt wird. Diese Kräfte sind aus sehr feinen Elementen zusammengesetzt, so fein, dass keine irgendwie geartete Verletzung dieses Körpers sie zerstören kann; sie überleben jeden Schock, der diesem Körper zugefügt wird. Wir sehen, dass der Grobkörper aus grobem Material zusammengesetzt ist und so wird er deshalb fortwährend erneuert und verändert. Aber die inneren Organe, Verstand, Intellekt und Ich-Denken sind aus dem feinsten Material zusammengesetzt, so fein, dass sie für Äonen andauern. Sie sind so fein, dass ihnen nichts widerstehen kann; sie können durch alle Hindernisse hindurch. Der Grobkörper ist nicht-intelligent, so auch der Feinkörper aus der feinen Materie. Dennoch wird ein Teil Verstand, ein anderer Intellekt und ein dritter Ich-Denken genannt, noch sehen wir auf den ersten Blick, dass einer von ihnen der „Erkennende“ ist. Keiner von ihnen ist der Wahrnehmende, der Zeuge, der eine, für den Handlungen gemacht werden und der der Sehende dieser Handlungen ist. Alle diese Bewegungen im Verstand, das Denkvermögen oder das Vermögen des Ich-Denkens müssen für jemanden sein. Dieses aus feiner Materie komponierte Wesen kann nicht selbsterfüllend sein. Sein Leuchten kann nicht in sich selbst sein. Diese Manifestation des Tisches  z.B. kann nicht irgendein anderes materielles Ding sein. Deshalb muss hinter allem etwas sein, der wirkliche Manifestierer, der wirkliche Sehende, der wirkliche sich Freuende und dieser Er heißt in Sanskrit Atman, die Seele des Menschen, das wirkliche Selbst des Menschen. Er ist es, der wirklich die Dinge sieht. Die äußeren Werkzeuge und Organe fangen die Eindrücke auf und leiten sie an den Verstand weiter, der Verstand zum Intellekt und der Intellekt reflektiert sie wie in einem Spiegel, und dahinter ist die Seele, die darauf schaut und ihre Befehle und Anordnungen gibt. Sie ist der Herrscher über all diese Werkzeuge, der Herr im Haus, der thronende König im Körper. Die Fähigkeit des Ich-Denkens, die Fähigkeit des Intellekts, die Fähigkeit des Nachdenkens, die Organe, die Werkzeuge, alle von ihnen gehorchen ihrem Kommando. Sie ist  es, die alle manifestiert. Dies ist der Atman des Menschen. Ähnlich sehen wir, was in einem kleinen Teil des Universums ist, muss auch im ganzen Universum sein. Wenn die Gleichförmigkeit das Gesetz des Universums ist, muss jedes Teil des Universums mit dem gleichen Plan gebaut sein, wie das ganze Universum. Auf diese Weise denken wir natürlich, dass hinter der grobstofflich materiellen Gestalt des Universums, das wir unser Universum nennen, ein Universum aus feinerer Materie sein muss, das wir Gedanke nennen, und dahinter muss eine Seele sein, die diesen Gedanken möglich macht, die kommandiert, die der thronende König dieses Universums ist. Diese Seele, die hinter jedem Verstand und jedem Körper ist, nennt man Pratyagatman, der individuelle Atman und diese Seele, die hinter dem Universum als sein Führer, Herrscher und Regent ist, ist Gott.“ [36]

Von diesem Gott, dem Geist, Brahman, dem all-durchdringenden Bewusstsein, wurde das Universum „entworfen“ oder manifestiert. Es gibt keine abgetrennte „Schöpfung“, nach der Vedanta, durch einen außer-kosmischen Schöpfer. Es ist wie der Entwurf eines Spinnennetzes. Vivekananda interpretiert, „Gott ist die Ursache des Entwurfes, die Fortsetzung und die Auflösung des Universums; die Ursache muss um das Ergebnis zu bewirken gegenwärtig sein.“

Jedes Materieteil hat drei Dimensionen, Länge, Breite und Höhe. Einsteins Relativitätstheorie addierte eine neue Dimension dazu, die Zeit-Dimension. Die Wissenschaft von heute, unterstützt von der Vedanta, bringt noch eine fünfte Dimension dazu - den Geist, der beide, Raum und Zeit, transzendiert, aber dennoch gerade dieses Raum-Zeit Universum der Natur und des Lebens entwirft, manifestiert und durchdringt.


[1] The Complete Works of Swami Vivekanada (Mayavati Memorial Edition), Bd.3, S.2+3 (später               Complete Works genannt, mit Bandnummer und Seite)

[2] Heinz Pagels, Perfekt Symmetry (USA, Bantam Edition) 1986, S.386-387

[3] Collin Russel, Science & Social Change (1700 to 1900) (London: Macmillan Press 1983) S.244, 256,                  S.257

[4] Ebd. S.39-40

[5] Amaury De Reincourt, The Eye of Shiva (Eastern Mysticism & Science) (New York: William Marrow & Co Inc., 1981), S.158

[6] Ebd. S.32

[7] Gary Zukav, The Wu Li Masters (New York: William Marrow & Co, 1979) S.318-319. Also see,                     Vedanta Kesari (Madras) Aug.&Sept.1986. „Bell´s Theorem: The All-pervading Unity“

[8] Erwähnt in Atom & Self by D.S. Kothari, (Bombay: Bharatiya Vidya Bhavan, 1983), S.47-48

[9] Max Born, The Restless Universe (New York: Dover Publications, 1951), S.313

[10] David Bohm, Causality & Chance in Modern Physics (London: Routeledge & Kegan Paul Ltd.,                       1957), S.170

[11] Erwähnt in Atom & Self by D.S. Kothari, S.17

[12] Erwin Schrödinger, My View of the World (Cambridge University Press, 1964), Kapitel über „The                    Vedantic Vision“

[13] C.E.M. Joad, Philosophical Aspects of Modern Science (London: George Allen and Unwin, 1932),                    S.12

[14] E. Ken Wilber, The Holographic Paradigm, (Shambhala, 1984), Vorwort

[15] Parbuddha Bharata (Calcutta), Mai 1987

[16] E. Ken Wilber, The Quantum Question (Shambhala, 1984), Vorwort

[17] Erwähnt in D.S. Kothari, Loc.Cit., S.9

[18] Ebd., S.47-48

[19] Erwähnt in Gustaf Stromberg, Loc. Cit., S.22

[20] Dr. Gustaf Stromberg, Man, Mind & Universe (A Scientist´s View) (California, Los Angeles:                          Science of Mind Publications, 1977), S.19-20, S.21+25

[21] Ebd., S.106-107

[22] Erwähnt in D.S. Kothari, Loc.Cit., S.13-14

[23] D.S. Kothari, Loc.Cit., S.15

[24] Stromberg, Loc.Cit., S.26

[25] Ebd.

[26] Heinz Pagels, Perfekt Symmetry, S.358

[27] Ebd., S.361

[28] Ebd., S.359

[29] Ebd., S.354

[30] Rupert Sheldrake, A New Science of Life (London: Paladin Grafton Books, 1985), S.218

[31] Ebd., S.97+217

[32] Ebd., S.210

[33] Ebd., S.47

[34] Ebd., S.49-50

[35] Complete Works, Bd.2, S.155-157

[36] Ebd., S.429