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Das physikalische Atom ist, wie alles andere in der Physik, ein Programm für Messinstrument-Ablesungen.

Das Programm ist verbunden, nehmen wir an, mit irgendeinem unbekannten Hintergrund. Warum dann nicht mit so etwas wie von spiritueller Natur verbinden, von der man eine bekannte Eigenschaft annimmt?“ Eddington nimmt die Entgegnungen der Wissenschaftler vorweg, die die Zurückweisung der Kausalität als ´übernatürlich` belachen würden.

Er argumentiert, dass es der Wissenschaftler ist, der „das Bewusstsein als Tatsache annimmt und sich dessen bewusst ist, aber für das Wissen durch Bewusstsein können wissenschaftliche Untersuchungen nichts anfangen. Hält er das Bewusstsein für übernatürlich? Dann ist er es, der das Übernatürliche annimmt.“

 

WISSENSCHAFTLER VON HEUTE SUCHEN DEN GOTT

DER ADVAITA VEDANTA

 

    Der polnische Astronom Nicolaus Copernicus revolutionierte im Jahr 1543 die alte Astronomie mit der Behauptung, dass die Sonne und nicht die Erde das Zentrum des Universums ist. Das Experimentieren wurde in Europa mit der Unterstützung von Philosophen wie Roger Bacon (ein Zeitgenosse Thomas von Aquins) und Francis Bacon anerkannt. Galileo fing schlagartig in diesem neuen Zyklus das wissenschaftliche Experimentieren an. Er erschütterte Aristoteles´ Theorie der fallenden Körper. Er bestieg den Schiefen Turm von Pisa und lies gleichzeitig eine zehn-Pfund und eine ein-Pfund schwere Kugel fallen; „der Aufschlag der beiden Kugeln, die auf den Grund in der selben Sekunde aufschlugen, tötete die aristotelische Physik.“ 1 Aber alle kopernische und galileische Entdeckungen wurden durch die Arbeit Isaac Newtons verändert, der als der erste Begründer der modernen Wissenschaft galt. Von den Beobachtungen und Ergebnissen  Galileos, dem dänischen Astronom Tycho Brahe und dem deutschen Astronom Johannes Kepler, der die elliptischen Bahnen der Planetenbewegungen herausfand, kam Newton durch Zusammenführen zu seinen drei einfachen Bewegungsgesetzen und zu seiner großartigen fundamentalen Verallgemeinerung - dem Gesetz der universellen Gravitation. Mit diesen Entdeckungen wurde Newton schon in seiner Lebenszeit idolisiert und fast vergöttert. „Dieses majestätische neue Universum, aufgebaut auf ein paar einfachen Annahmen, ließ die griechischen Philosophen als kleine Jungen, die mit Murmeln spielen, erscheinen. Die Revolution, die Galileo zu Beginn des 17.Jahrhunderts initiiert hatte, wurde triumphierend von Newton zum Ende des Jahrhunderts vervollständigt“, sagt Asimov. 2

 Zur Mitte des 19.Jahrhunderts beeinflusste die newtonsche Wissenschaft mit ihrem maschinengleichen Universum und ihrem mechanomorphischem Gott den Intellekt Europas. Charles Darwins Versuche im Jahr 1861 zeigten, dass der Mensch nicht von Adam und Eva, sondern von Affen abstammt. Die gesamte theologische Grundlage des Christentums erwies sich plötzlich als falsch. Aber der Mensch, das unverbesserliche religiöse Wesen, stellte sich gegen Newtons Gott, um sich zu trösten. Die alten Religionen wurden von den neuen Wissenschaften abgelehnt. Spirituelle Werte wurden entwertet und missachtet. Die neue Religion vom „wissenschaftlichen Materialismus“ kam nun großartig heraus.

 Aber der „Geist von Aristoteles“ grinste im Hintergrund. Die Wissenschaftler wussten fast nichts davon, dass Materie entmaterialisiert wird, das „maschinengleich“ sich bewegende Universum bald zusammenbricht und an seinem Platz ein unvorhersehbares und unbestimmbares Universum auftauchen würde. Einsteins kleine Schrift von 1905 mit der großartigen Formel   E=mc²    war das erste Anzeichen vom großen Beben. Materie wurde als eine Form von Energie entdeckt. Zeit wurde als anderer Name für Raum entdeckt. All unser wissenschaftliches Wissen erschien als nur relativ und nicht als absolut. Plank entwickelte die Quantentheorie, die bestimmt, dass subatomare Teilchen sich nicht wie ununterbrochene Wellen bewegen, sondern auf unterbrochener Art, als diskrete Energiequanten. Heisenberg bewirkte dann 1927 das endgültige und katastrophale Erbeben der Wissenschaft. Er zeigte zum Schrecken der Wissenschaftler, dass fundamentale Teilchen wie Elektronen dem Menschen auf Ewig unbekannt bleiben werden und das Verhältnis Ursache-Wirkung nicht einfach auf die Welt der neuen Physik anwendbar ist. Sie müssen mit einer Unbestimmtheit betrachtet werden.

 Als der newtonsche Gott, der mechanische Herrscher des maschinengleichen Universums, versagte, die neuen Physiker zufrieden zu stellen, interessierten sich viele von ihnen für die philosophische Auswirkung der Quantenphysik. Als Max Planks Buch Wohin geht die Wissenschaft? 1933 veröffentlicht wurde, schrieb Einstein in das Vorwort des Buches, dass Plank von „einem Hunger der Seele“ inspiriert ist. 3 Der Observer kommentierte das Buch: „Professor Plank ist ein so großer Wissenschaftler, dass er die Grenzen seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit transzendieren(überschreiten) und deren philosophischen Auswirkungen hinterfragen kann.“ 4

 Wie die meisten Quantenphysiker, wie Heisenberg, Niels Bohr und andere, befasste sich Max Plank nach Heisenbergs Entdeckung der Unschärferelation(Prinzip der Unbestimmbarkeit) auch mit der Demontage der Kausalität(Ursächlichkeit). Bis 1927 standen Wissenschaftler und Philosophen auf dem Grundsatz ex nihilo nihil fit, von nichts kommt nichts. Dieses Universum, das eine Auswirkung ist, muss eine Ursache haben.

 Als Heisenberg experimentell bewies, dass Dinge ohne jede Ursache passieren, war die Kausalität aufgelöst. Die Quantenphysik begründete die Nicht-Kausalität als eine Wahrheit. Plank verteidigte diesen neuen Durchbruch. Sogar die Rationalisten, sagt Plank, müssen Mysterien und Mirakel, die ohne jeden kausalen Zusammenhang passieren, anerkennen. Er schreibt, „sowie die Naturgesetze durch die allerhöchste Ursache unveränderbar vorausbestimmt sind, so könnte jeder Zeit in der Welt die Kette der Ursachen selbst durch das Eingreifen einer übernatürlichen Kraft unterbrochen werden.“ 5

 Nach Descartes, der führende Philosoph nach der newtonschen Physik, machte Gott alle Naturgesetze und alle Gesetze, deren Bedeutung der menschliche Geist nicht vollständig erfassen kann. Nach Plank ist nur „bei der cartesianischen Philosophie die Möglichkeit von Mirakeln als bedeutungslos ausgeschlossen. Weiter bedeutet die logische Folge der Unerschöpflichkeit von Gottes Schöpfung, dass wir das letztlich außerhalb der Reichweite des menschlichen Intellekts liegende Verstehen als Möglichkeit anerkennen.“ 6

  In Planks Worten hallt Niels Bohrs Verteidigung des „Gottes, der mit Würfeln in diesem Universum spielt“ wider. Diese Methode der Quantenphysik, sagt Plank, „sollte in der Biologie angewandt werden“ und dass „biologische Gesetze immer statistischen Charakter hätten.“ 7 Dinge passieren nach der Unbestimmbarkeit der Quantenlogik in beiden Gebieten, der Physik wie auch der Biologie. Man findet dort keine Ursache-Wirkung Zusammenhänge. Plank sagt, „wir müssen uns damit zufrieden geben, bestimmte Vorgänge als außerhalb all unserer Erklärungskraft liegend zu betrachten und sie nur den mysterischen Wegen des göttlichen Reiches zu zurechnen.“ 8 Um dieses „göttliche Reich“ zu verstehen braucht der Mensch einen Glauben. „Ja, wir werden immer zum Angesicht zu Angesicht mit dem Irrationalen gebracht“, schrieb Plank, „sonst könnten wir keinen Glauben haben.“ 9 Glaube ist ein Muss. Verstand ist nicht genug. Wir erinnern uns an die Worte Vivekanandas, „Der Glaube ist nicht glauben. Es ist ein Begreifen des Letztendlichen.“

 Plank träumte von neuen Entdeckungen, „einer größeren Erweiterung der Formel (der Unbestimmbarkeit) und „einer Verbesserung von ihr“, 10 wie auch von modernen Entdeckungen.

 Schließlich kam Plank zu einer grundsätzlicheren Frage als die Weisen der Upanishaden: „Die Wissenschaft kann das letzte Rätsel des Mysteriums der Natur nicht lösen. Und das ist deswegen so, weil in der letzten Analyse wir selbst ein Teil der Natur sind und deshalb ein Teil des Mysteriums, das wir versuchen zu enträtseln.“ 11 ´Wie kann der Erkennde sich erkennen?`, fragen die Upanishaden. Ramakrishna sagt uns, dass wir wie „eine Salzpuppe sind, die in das Meer will es zu ergründen.“ Diese Worte von Plank klingen wie der subjektive Idealismus von Berkeley, der dachte, das Universum existiert nur in unseren Gedanken. James Jeans wiederholte die gleiche Vorstellung im Schlusswort seines Buches Der Hintergrund der neuen Wissenschaft: „Unser letzter Eindruck von der Natur (sowie er uns von der klassischen Physik vermittelt wurde) war ein Meer aus Mechanismen, die uns auf allen Seiten umgaben. So wie wir Stück für Stück die alte Physik aufdecken, sehen wir, wie mechanische Konzepte kontinuierlich durch mentale ersetzt werden. Wenn wir auch die Natur der Dinge letztendlich nicht ganz aufdecken können, vermuten wir jedoch, dass die Wirkung solchen Vorgehens das Verschwinden von Materie und Mechanismus sein wird, das höchste und alleinige Herrschen des Verstandesgeistes.“ 12 „Jeder Fortschritt im Wissen“, sagt Plank, „bringt uns ins Angesicht mit dem Mysterium unseres eigenen Seins. ... 13 Alle wissenschaftlichen Entdeckungen werden von einem bestimmten Drang oder grundsätzlicher Suche getragen, die den Fortschritt der physikalischen Wissenschaft charakterisiert. In diesen Fällen fand die Bewegung unzweifelhaft vom Relativen zum Absoluten statt.“ 14 Es erfordert großen Mut über die unerforschten Meere zu segeln. „Sobald ein Wissenschaftler angefangen hat einen Sprung ins Transzendente zu machen, wird er den Sprung selbst nie in Frage stellen noch sich darüber sorgen machen,“ sagte Plank. 15

 Einstein konnte Unsicherheiten nicht akzeptieren, sowie er an den Gott eines Baruch Spinoza glaubte, der ein Gott von Harmonie und Ordnung ist, dessen Natur alles Erschaffene so durchdringt, dass der universelle Kausalzusammenhang selbst göttlich ist und deshalb absolut perfekt ist und keine Ausnahmen zulässt. Aber auch Einsteins eigene Relativität, sagte Plank, „basiert auf einer mehr grundsätzlichen Absolutheit als der irrtümlicherweise angenommenen Absolutheit, die sie verdrängt hatte.“ Plank beschloss sein Buch in der Hoffnung: „Wir stolpern immer vom Relativen zum Absoluten.“ 16

 Arthur Eddington ging einen Schritt weiter mit seiner Interpretierung der neuen Physik. Tatsächlich ist innerhalb der Physiker seine Ansicht als ´subjektiver Idealismus` bekannt. Nach ihm sind nicht nur unsere Sinneswahrnehmungen ungenügend, sondern auch der so genannte offensichtliche Materiepunkt für einen nicht-materiellen Hintergrund - das Denkwerkzeug. Er sagt: „Jetzt aber erkennen wir, dass die Wissenschaft nichts zur wesentlichen, inneren Natur des Atoms sagen kann. Das physikalische Atom ist, wie alles andere in der Physik, ein Programm für Messinstrument-Ablesungen. Das Programm ist verbunden, nehmen wir an, mit irgendeinem unbekannten Hintergrund. Warum dann nicht mit so etwas wie von spiritueller Natur verbinden, von der man eine bekannte Eigenschaft annimmt?“ 17 Eddington nimmt die Entgegnungen der Wissenschaftler vorweg, die die Zurückweisung der Kausalität als ´übernatürlich` belachen würden. Er argumentiert, dass es der Wissenschaftler ist, der „das Bewusstsein als Tatsache annimmt und sich dessen bewusst ist, aber für das Wissen durch Bewusstsein können wissenschaftliche Untersuchungen nichts anfangen. Hält er das Bewusstsein für übernatürlich? Dann ist er es, der das Übernatürliche annimmt.“ 18 „Wie ein Paläontologe ein ausgestorbenes Ungetüm aus seinem Fußabdruck rekonstruiert“, argumentiert Plank, „so konstruiert auch der Wissenschaftler seine Vorstellungen aus der Botschaft vom Bewusstsein.“ 19 Auch für einen ´die- Materie-ist-Tatsache-Physiker`, argumentiert Eddington, ist der Verstand (der Geist) das erste und direkteste Ding unserer Erfahrung und alles andere sind weitere Schlussfolgerungen - entweder intuitive oder überlegte Schlussfolgerungen. Dieser „unbekannte Hintergrund“ hinter der Materie, der sich in jeder Materie manifestiert, inspirierte Eddington zu dem Gedanken, den letztendlichen Hintergrund für das fundamentale Substrat allen Lebens zu halten, das wir „Gott“ nennen. „Es erscheint für uns unmöglich, dass es eine scheinbar selbst-beinhaltende Welt gäbe, in der Gott zu einer unnötige Hypothese wird. Wir erkennen an, das die Wege Gottes unergründlich sind.“ 20 Eddington weist beide Vorstellungen, Einsteins und Newtons, von einem maschinen-gleichen Gott zurück: „Wir sollten die Absicht anzweifeln, Gott auf ein System von Differenzialgleichungen zu reduzieren, sowie andere Mittel in verschiedenen Zeiten eingeführt wurden, um wieder Ordnung in den physikalischen Programmen herzustellen.“ 21 Die letztendliche Wirklichkeit ist nach Eddington der „unbekannte Hintergrund“. Wir können die Harmonie erfassen, aber nicht den Spieler. ... Das ist die Harmonie unseres Erkennens, gespielt durch das  Bild vom Niemand.“, sagt Eddington. 22

 Unser „Bewusstsein oder inneres Licht, das von einer größeren Kraft als unserer stammt“, sagt Eddington, „winkt uns im intellektuellen Verfolgen der Wissenschaft nach vorn.“ 23 „In diesem Sinn erschafft natürlich der Gott innen den Gott in der Natur. Aber man sich keine vollständige Ansicht verschaffen solange wir unser Bewusstsein von der Welt abtrennen, von dem es ein Teil ist.“ 24 „Die Idee eines Universalgeistes oder universellen Logos könnte, denke ich, eine ziemlich einleuchtende Schlussfolgerung auf dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaftstheorie sein; schließlich harmoniert sie mit ihr,“ sagt Eddington. 25 Dieser „Universalgeist“ ist der Mahat oder  kosmische Verstand der Sankhya-Philosophie. Der „unbekannte Hintergrund“ oder der „Gott innen“ von dem „diese sich selbst-beinhaltende Welt“ oder „Gott in der Natur“ erschaffen wurde, ist die grundlegende vedische Vorstellung über die Vivekananda 20 Jahren früher als Arthur Eddington in verschiedenster Weise im Westen sprach. In seiner Rede über Die Einheit, das Ziel der Religion, 1896 in New York gehalten, nahm Vivekananda die Ideen und Worte, die später von Plank und Eddington geäußert wurden, vorweg. Nur in Vivekanandas Stimme ist der Stempel der Autorität und Stärke der direkten Verwirklichung der Wahrheit: „Dieses unser Universum, das Universum der Sinne, des Denkens, der Vernunft, wird auf beiden Seiten vom grenzenlosen, unbekannten und nie erfahrbaren flankiert ... Dieses Gegenwärtige, dieses Dargestellte, ist nur ein Teil jenes Nicht-Dargestellten. Das sinnliche Universum, wie es uns erscheint, ist nur ein Fragment, ein kleines Stückchen dieses unendlichen geistigen Universums, das sich auf der Ebene unseres Sinnen-Bewusstseins projiziert. Wie kann dieses kleine Stückchen einer Projektion erklärt werden, verstanden werden, ohne das zu kennen, das dahinter ist? ... von da kommt das Licht, das die Welt als Religion kennt.“ 26

 Stephen Hawking, das Wunder unter den heutigen Physikern, wird für das nächste große „Hirn in der Physik“ nach Einstein gehalten. Seine Veröffentlichung zu den Studien über Schwarze-Löcher und dem frühen Universum hat bereits Geschichte gemacht. Hawking lebt  in der Größenordnung eines Raumes, wo Größen von 10¹º üblich sind. Haargenau berechnet er die Details und zeigt, dass es mehrere kleine Schwarze-Löcher geben könnte, ungefähr 10 Billionen Jahre alt, winzig in ihrer Größe (10 hoch -13 cm oder ca. gleich der Größe eines Protons), dennoch vom Gewicht eine Billionen Tonen mehr als ein Proton, soviel wie der größte Berg der Erde, der Mount Everest. Er nannte sie Mini-Schwarze-Löcher. 27

  Trotz Hawkings intellektueller Brillanz in Astrophysik, ist er der Philosophie abgeneigt. Renee Weber, der ihn kürzlich interviewte, fühlte „sich von den philosophischen Grenzen, die sich Hawking - ganz im Gegensatz zu Einstein, Heisenberg, Schrödinger oder Bohm - seiner Arbeit bewusst auferlegt hat, niedergeschlagen. Irgendetwas vermisst man bei Hawking, das jene anderen  Personen haben - eine weitere philosophische Dimension, die versucht, die Bedeutung und Auswirkungen ihrer Entdeckungen für die Menschheit zu erforschen.“ 28 Doch Hawking ruft Gott auf seine Weise an.

 Heute ist der Rand des Universums Hawkings vorrangiger Studienbereich. Hawking braucht für seine Theorien keinen Gott. Doch fühlt er, dass „diese Studien offensichtlich eine Rolle spielen, weil, wenn es da einen Rand gibt, muss jemand entscheiden, was an diesem Rand passieren sollte. Man müsste tatsächlich Gott anrufen.“ Offensichtlich sucht Hawking nach einem außer-kosmischen Gott und fühlt, dass „Physiker Gott als den Rand des Universums definieren, als das Mittel, das verantwortlich ist, all dies in Bewegung zu setzen.“ Er fühlt, dass das Wissen um diesen Rand die vollständige Theorie ergibt, „ansonsten können wir die Gleichungen nicht lösen.“

 Doch Hawkings Gott ist nur ein logisches und kausales Prinzip, das nichts mit Ethik zu tun hat. „Es würde keine Verbindung mit Moral geben,“ verdeutlicht er. Hawking wünscht sich ein gottloses Universum, wenn er nur beweisen könnte, dass es keine End-Ecke des Universums gibt.  Aber er gibt zu: „Es ist sehr schwierig zu beweisen, dass es keine End-Ecke gibt.“ 29

 Hawking billigt Mystik nicht und denkt, sie sei eine Art Schwäche der Wissenschaftler. Dennoch ist Hawking davon überzeugt, eine übereinstimmende Erklärungstheorie für das Universum zu haben. Doch er vermutet etwas hinter dem Konkreten, „wir verfolgen etwas, das hinter praktischer Anwendbarkeit liegt, aber ich würde nicht sagen, dass es hinter physikalischen Prinzipien liegt.“ Aber Einheit oder Übereinstimmung, sagt die Vedanta, sind niemals auf der physikalischen Ebene möglich. Sie sind nur auf der spirituellen, geistigen Ebene möglich. Die Schöpfung oder Manifestation bedeutet nur das Brechen der Einheit oder das Brechen der Symmetrie, sowie es heutige Physiker sagen.

 Hawking lebt in einer weiten mystischen Sphäre und träumt von der Welt eines Spinozas von völliger, selbtbeinhaltender Harmonie. Tatsächlich spricht er wie ein Mystiker, wenn er sagt, „ich denke, Zeit und Raum und alles andere sind wirklich in uns. Sie sind nur mathematische Modelle, die wir für die Erklärung des Universums gemacht haben.“ 30

 Illya Prigogine, der den Nobelpreis für Chemie erhielt, beschäftigt sich heute mit „Zeit“ als einen evolutionären und kreativen Faktor innerhalb aller Materie. Prigogine beklagt, dass die „klassische Wissenschaft das Innenleben der Natur vergessen hat“. „Innerhalb jedes Teilchens des Seins ist eine Geschichte - Zeit, Veränderungen, Interaktionen mit anderen Teilchen - die unveränderliche Veränderungen bewirkt hat. Materie entwickelt sich, nach Prigogine, genauso wie  sich Tiere in den Millionen von Jahren entwickelt haben. Von der Explosion aus einem Mini-Schwarzen-Loch entstand dieses unser Universum. Diese Evolution, die ungefähr 13 Milliarden Jahre dauerte, benutzte die Zeit als Faktor, der die Evolution der Materie aus der verdichteten zu der gegenwärtigen Gestalt brachte. Die Physik von heute, im speziellen die Teilchenphysik, ist die gegenwärtige Hochburg für Rückwärtsbewegung. Physiker bearbeiten Teilchen-Interaktionen und sehen, dass sie in der Zeit vorwärts und rückwärts gehen können. „Und diese Vorstellung“, sagt Prigogine, „neigt dazu, diesen qualitativen Aspekt zu missachten.“ 31 Die Teilchenphysik zeigt, dass Materie sich theoretisch in der Zeit rückwärts bewegen kann. Prigogine widersetzt sich der Zeitumkehrung, die nur Rückschritt oder „Involution“, wie es Vivekananda sagt, bringt. „Diese Vorstellungen von Zeit, Evolution und Kreativität“, sagt Prigogine, „sind in alles eingebaut. Klassische Physik und Quantenphysik ignorierten das.“ 32

 Prigogine ging weiter und dachte, dass die Kreativität und das Potential der Evolution in der Materie selbst enthalten sind. Es ist kein äußerer Gott notwendig, der dem Menschen helfe zum Supermann zu werden. „Ich persönlich glaube, dass wir gegenwärtig zu der Einsicht gelangen, dass wir in der Welt als Ganzes eingebettet sind. Wir fangen an, eine Verbindung zu finden, die keiner externen, fremden Art von Mystik zugeordnet ist. Es bleibt jedem offen, wie er diese Verbindung zwischen Mensch und Natur interpretiert. In der klassischen Physik hatte man wirklich keine Wahl.“ 33 Die klassische Wissenschaft wurde in einer Kultur geboren, in der ein Gott herrschte, der, nach Prigogine, „der rationale, intelligente Gesetzgeber und souveräne Architekt“ ist, der außerhalb getrennt von Mensch und Universum ist.

 Prigogine hinterfragt ebenso die ´Unbestimmtheit` der Quantenphysik. „Was könnte die Unbestimmtheit in Gottes Geist bedeuten?“, fragt er. 34 Prigogine nimmt die Tatsache an, dass Gott oder die allmächtige Kraft, die über aller menschlicher Überlegung und Vernunft steht, nicht von uns diktiert werden kann. Gott kann auch Dinge rückwärts bewegen, wenn wir Gott für allmächtig halten.

 Prigogines Vorstellung von der ewigen Vorwärtsbewegung der Zeit als einen evolutionären Faktor ist interessant. Ebenso interessant ist seine Vorstellung, dass die heutige Wissenschaft keine „fremde Mystik“ oder äußerlichen Gott braucht uns zu helfen, um uns zu entwickelteren Wesen zu entwickeln. Diesen „Gott innerhalb des Herzens jeglicher Materie“, sagt er. Die Vedanta nennt dieses kreative Potential in allen Dingen Atman oder Brahman. Aber die Vedanta akzeptiert, neben der Evolution des Lebens zu einem Zustand der letztendlichen Perfektion, auch die Betrachtung der Involution. Es ist die Unendlichkeit, die sich in endlicher Materie entfaltet. Sowie die guten Taten eines Menschen ihm helfen sich zu einem Engel zu entwickeln, so zwingen ihn schlechte Taten sich zu einem niederen Wesen zurüchzuentwickeln. Solche Dinge passieren im menschlichen Leben. Das zeigt die menschliche Erfahrung.

 Teilhard De Chardin nennt dieses in allem Leben evolutionäre Potential in seinem Buch Das Phänomen Mensch das „Ding innerhalb“. Dieses entfaltet sich zum „Ding außerhalb“. „Der Alpha-Punkt“ der Materie entfaltet sich zu seinem letzen „Omega-Punkt“. Die Amöbe entfaltet sich zu Christus. Das nennt er „Christogenesis“. Beide, Chardin und Prigogine, wiederholen die alte vedische Vorstellung von der Evolution. Progogine erklärt nicht den involutinären Aspekt des Lebens und der Materie. Vivekananda verdeutlicht die letzte Wahrheit, die Prigogine in den kommenden Tagen erfahren dürfte.

 Was ist die am weitesten entwickelte Vorstellung, die der Mensch vom Universum hat? Es ist die Intelligenz, die Anpassung Stück für Stück, die Entfaltung der Intelligenz, dessen frühere Gestaltungstheorie ein Erklärungsversuch war. Deshalb war der Anfang Intelligenz. Am Anfang wurde diese Intelligenz eingefaltet und am Ende wurde diese Intelligenz entfaltet. Die Gesamtsumme dieser im Universum entfalteten Intelligenz muss deshalb die eingefaltete universale Intelligenz sein, die sich selbst entfaltet. Diese universelle Intelligenz ist was wir Gott nennen. Nenne es mit jedem anderen Namen, es bleibt absolut sicher, dass am Anfang diese unendliche kosmische Intelligenz ist. Diese kosmische Intelligenz faltete sich ein, manifestiert und entfaltet sich selbst, bis es zum vollständig, perfekten Menschen wird, der „Christ-Mensch“, der „Buddha-Mensch“. Dann geht es zu seiner eigenen Quelle zurück. Deshalb sagen alle Schriften, „In ihm leben wir und bewegen uns und sind wir.“ Deshalb predigen alle Schriften, dass wir von Gott kommen und zu Gott zurückkehren. 35

 Aber es war Einstein, offensichtlich der größte Wissenschaftler der Moderne, der stark damit beschäftigt war, eine Verbindung zwischen Wissenschaft und Gott zu schaffen. Einsteins Widerstand gegen die Quantenphysik war tief in seiner Überzeugung verwurzelt, dass die äußere Welt der Materie eine vom Beobachter unabhängige Existenz hat. „Die Wissenschaft sucht Beziehungen, von denen man denkt, sie existieren unabhängig vom suchenden Individuum. Das schließt den Fall ein, wenn der Mensch selbst das Subjekt ist“, sagte er. 36

 Und das ist genau das, was die Quantenphysik heftigst verneint. Gerade durch die Entdeckungen ihrer Versuche hat die Quantenphysik herausgefunden, dass der Wissenschaftler nicht länger unberührter Beobachter ist, sondern ein Teilnehmer, gerade im Beobachtungsprozess subatomarer Phänomene. Und das ist tatsächlich die revolutionärste Entdeckung der modernen Physik. Einstein fährt fort: „Er (der Wissenschaftler) enthält sich jeglicher Teilnahme oder Emotion. Nebenbei bemerkt ist diese Handlungsweise das Ergebnis einer langsamen Entwicklung, besonders im westlichen Denken.“ 37

 Einsteins eigene ´westliche` Gedanken gründeten sich auf den Fundamenten des jüdisch-christlich religiösen Denkens von dem Einstein beides war, ein treuer Anhänger und ein glühender Vertreter. Er schrieb, „Die höchsten Prinzipien unseres Strebens und Urteilens sind uns durch die jüdisch-christlich religiöse Tradition gegeben worden.“ 38   Gleichzeitig war sich Einstein bewusst, dass es der Personen-Kult Gottes (Du sollst keinen anderen Gott außer mir - Jehova -verehren) war, der die tiefste Ursache des Konflikts Wissenschaft-Religion war. Er schreibt: „Die Hauptquelle der gegenwärtigen heutigen Konflikte zwischen den Sphären der Religion und der Wissenschaft liegt in diesem Konzept vom personellen Gott. Sicher könnte die Doktrin eines personellen Gottes, der mit Naturerscheinungen im Wechsel wirkt, niemals in Wirklichkeit von der Wissenschaft widerlegt werden.“ 39 Der jüdische Monotheismus hat im 2.Jahrtausend n.Ch. Yahweh als den einzigen „dir gegenüberstehenden Menschen und Gerechtigkeit spendenden“ fest etabliert. Als Ergebnis entwertete Yahweh drastisch beide, den Mensch und die Natur, 40 indem er ihnen die innewohnende Göttlichkeit und innere Verbindung mit der alldurchdringenden Wirklichkeit, das Zentralthema der Vedanta, raubte. Aber Einsteins eigenes Unvermögen, diesen jüdisch-christlich personellen Gott gänzlich zu transzendieren, machte es ihm unmöglich irgendeine gemeinsame philosophische Grundlage zu erreichen, von der Religion, Wissenschaft und Ethik mit Vernunft und ohne jeden Konflikt betrachtet werden können. Im Vorwort von Heisenbergs berühmten Buch Physik und Philosophie schrieb Ruth Nanda Anshen: „Unser jüdisch-christliches und griechisch-römisches Erbe, unsere hellenistische Tradition hat uns dazu gezwungen in ausschließlichen Kategorien zu denken. Aber unsere Erfahrungen forderten uns heraus eine Gesamtheit zu erkennen, die reicher und viel vollständiger ist, als die bisherigen Betrachter es erwarteten hätten, eine Gesamtheit die uns aufruft in einer Art, die Logik der Dichotomien verneint, zu denken.“ 41

  Einstein stellte sich vor, dass Wissenschaftler von ihrem Streben nach Wahrheit und Verstehen durchdrungen sein müssen. 42

 Die Suche nach der Wahrheit ist ein endloser Prozess und wenn immer wissenschaftliches Denken durch irgendwelche voreingenommenen Vorstellungen, Weltanschauungen oder religiösen Glauben begrenzt oder in Zwangsjacken gesteckt wird, endet es im Bankrott. Vivekananda ermutigte die Wahrheitssucher auf unerschrocken zu sein: „Folge der Wahrheit wohin sie dich auch immer führen wird; bringe Ideen zu ihrem größtmöglich logischen Abschluß.“ 43

 Einstein träumte von „grundsätzlich ethischen Vorschlägen“, die durch „die weitere spirituelle Evolution“ der Menschheit entdeckt werden, die auf „wahrer Religiosität“ gegründet werden und die der Mensch „ohne Angst vor dem Tod und blinden Glauben, aber durch Bemühen nach rationellem Wissen realisieren wird.“ 44 „Der geniale Wissenschaftler“, sagt Einstein, „wird nicht durch Lob oder Tadel motiviert, noch predigt er. Er enthüllt das Universum und die Leute  sind gespannt darauf, ohne angetrieben zu werden, eine neue Enthüllung zu erhalten: die Ordnung, die Harmonie, die Großartigkeit der Schöpfung!“ 45

 Giordano Bruno, ein originaler Denker, sagte zu seinen religiösen Anhängern: „Es macht sehr viel mehr Angst, dass du diesen Satz verbrennst, als dass ich ihn erhalte“. Bruno war ein religiöser Denker, der die allumfassende Erfahrung hatte, wie Einstein sagte, „die von der Position in Raum und Zeit abhängig ist, was ein Mensch von der Welt erhält.“ Die Dogmen der mittelalterlichen Kirche waren entgegengesetzt zu Brunos Denken. Dogmen, kommen und gehen wie Theorien, aber Wahrheiten bleiben bestehen. Wie Galileo und Kepler wurde Bruno der Häresie beschuldigt. Er wurde auf dem Scheiterhaufen von der Kirche verbrannt. Einstein dachte, dass er einige Jahrhunderte früher selbst wegen seiner eigenen Relativitätstheorie verbrannt oder aufgehängt worden wäre. 46

 Einstein konnte nichts machen, um auf Hitlers schreckliche Judenverfolgung zu reagieren. Der Schock auf die Verfolgung wurde extrem, als er das Konkordat kennen lernte, das Hitler mit der römisch-katholischen Kirche am 20. Juli 1933 unterzeichnete. Einstein sagte, „Papst Pius XI. bat Gott das Reich zu segnen, und das, nachdem Hitler den Boykott jüdischer Geschäfte mit der Erklärung befohlen hat: ´Ich glaube, dass ich heute in Einheit mit der Absicht des allmächtigen Schöpfers handele. Durch das Bekämpfen der Juden, kämpfe ich für Gott. ... Gewissen ist eine jüdische Erfindung,“ erklärte Hitler. Und diese Reaktion führte unglücklicherweise zum dunkelsten Kapitel der modernen Wissenschaft, als die Wissenschaft die totale, globale Zerstörung möglich machte. Um den Deutschen Einhalt zu bieten, half Einstein den Amerikanern die Atombombe zu bauen, die der Menschheit die erste Verwüstung durch die Wissenschaft bescherte. Seine Reue für die Hiroshima-Explosion war grenzenlos. Dies ist eine der schmerzlichsten Ironien der Geschichte. Aus der tiefen Reue heraus wurde Einstein danach für den idealen Wissenschaftler gehalten, für einen „kosmischen Menschen“ innerhalb aller Wissenschaftler. Er war auf dem Weg zu diesen großen Herren wie Galileo und Sokrates. Er träumte, dass Wissenschaftler eine neue Religion schaffen werden, die kosmische Religion, die universale Religion. Er sagte:

  „Offensichtlich müssen solche Impulse von Wissenschaftlern kommen, die in der Tradition von Galileo, Kepler und Newton stehen. Trotz Fehlern und Verfolgungen opferten diese Menschen ihr Leben, um zu beweisen, dass das Universum eine einzige Einheit ist, in dem, glaube ich, ein vermenschlichter Gott keinen Platz hat. ... Sobald der Mensch der fantastischen Gesetzte bewusst wird, die das Universum in vollkommener Harmonie regieren, beginnt er zu bemerken, wie klein er ist. Er sieht die Winzigkeit der menschlichen Existenz, mit seinen Ambitionen und Intrigen, seinen ´ich bin besser als du` - Glaube. Das ist der Anfang der kosmischen Religion in ihm; Nachfolge und menschliches Dienen werden zu seinem moralischen Merkmal. Und ohne solche moralischen Grundlagen sind wir hoffnungslos verloren.“ 47

  Auf dem internationalen Physiker-Symposium zum 70.Geburtstag von Paul Dirac sagte Lord C.P. Snow in Gegenwart von den Nobelpreis-Physikern Eugene Winger, Heisenberg, Paul Dirac und anderen, wie der englische Mathematiker zu sagen pflegte: „Die Vorzüglichkeit einer Religion ist umgekehrt proportional zu der Zahl ihrer Götter.“ C.P. Snows Kommentar: „Das war natürlich an seine evangelischen und katholischen Freunde der Trinität - Katholiken haben vier Götter, Kirchenmänner haben drei Götter, Monotheisten haben nur einen Gott, und das war besser, und sie können das offensichtlich bis zum Ende durchhalten.“ 48 Sir C.P. Snow sah das Ende seiner Reise nicht. Advaita oder nicht-dualistische Vedanta oder Monismus haben tatsächlich nicht so einen Gott.

  Die vedische Vorstellung der Einheitlichkeit der Existenz ist die einzige Antwort auf den Konflikt Religion-Wissenschaft und die Vielfältigkeit der Sektengötter. Amuary De Reincourt bringt zwei Erwähnungen in seinem Buch The Eye of Shiva (Östliche Mystik und Wissenschaft) - die eine davon ist aus den Lehren Sri Ramakrishnas, die die vereinende Grundlage des Lebens illustriert:

„Sri Ramakrishna gibt uns ein genaues piktographisches Bild des Problems vom östlichen Standpunkt aus: ´Stelle dir einen weiten Ozean vor, auf allen Seiten Wasser. Ein Gefäß ist darin eingetaucht. Auf beiden Seiten des Gefäßes ist Wasser, innen und außen, aber das Wasser kommt nicht zusammen bevor nicht das Gefäß zerbrochen ist. Was ist das Gefäß? Es ist das Ich-Bewusstsein (das Ego); wenn das Ich verschwindet, bleibt, was ist.`“

  Die andere Erwähnung ist von Schrödinger, der den Monismus erklärt: „Die Vielfältigkeit (des erscheinenden Universums) ist nur scheinbar. Die ist die Doktrin der Upanishaden und nicht nur der Upanishaden allein. Die mystische Erfahrung der Einheit mit Gott führt regelmäßig zu dieser Ansicht, sobald keine Vorurteile im Weg stehen, und das viel leichter im Osten als im Westen.“ 49 Schrödingers Annahme des Einen alles durchdringenden Bewusstseins der Advaita Vedanta, als der einzigen Lösung für die Probleme der Wissenschaft, ist gut bekannt. Er sagte, „In der ganzen Welt gibt es keinen Rahmen, in dem wir Bewusstsein in der Mehrzahl finden, das ist etwas, das wir konstruieren wegen der zeitlichen Vielzahl der Individuen, aber es ist eine falsche Konstruktion. ... Die einzige Lösung dieses Konflikts liegt, soweit sie für uns überhaupt erreichbar ist, in der alten Weisheit der Upanischaden.“ 50

  Einstein konnte weder solch eine Betrachtung akzeptieren, noch konnte er sie wissenschaftlich nachvollziehen. War es, weil er letztlich daran scheiterte, über die großen Vorurteile judäischen Denkens hinauszukommen? Ist es, wegen seines engstirnigen Denkens, dass Einstein scheiterte, seine zusammenfassende Feldtheorie zu vervollständigen? Die Geschichte wird es beantworten. War es, weil er mit der Vedanta-Philosophie nicht befasst war, die sein Mit-Physiker Schrödinger völlig akzeptierte? Manchmal konnte er, wie ein großer Seher, alle religiösen Barrieren übersteigen und weite mystische Flüge unternehmen. Er schrieb zum Beispiel:

 Die schönste Emotion, die wir erfahren können, ist die mystische. Es ist die Kraft jeder wahren Kunst und Wissenschaft. Dem diese Emotion fremd ist, ist so gut wie tot. Zu wissen, was für uns unwiderruflich wirklich existiert, das sich selbst als die größte Weisheit und strahlendste Schönheit darstellt, das unsere simplen Wahrnehmungs-Fähigkeiten nur in der einfachsten Gestalt erkennen kann - dieses Wissen, dieses Gefühl ist das Zentrum wahrer Religiosität. In diesem Sinn und nur in diesem Sinn gehöre ich dem Rang demütiger religiöser Menschen an. 51

  Einstein schrieb, „Ich kann ohne diesen grundsätzlichen Glauben nicht von einem genialen Wissenschaftler sprechen. Man kann das an einem Bild verdeutlichen; Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“ 52 Die „Wissenschaft“ und die „fundamentalen ethischen Voraussetzungen“ ohne die Religion blind und die Wissenschaft lahm ist, waren und werden von vielen Physikern heute bedacht.

 „Gott ist ein Mysterium, aber ein begreifbares Mysterium“, würde Einstein sagen. 53 Die Vedanta denkt darüber anders. Sie sagt, „Wie ist es möglich Gott zu begreifen, das Unendliche mit unserem endlichen Intellekt und unserem noch begrenzteren Wissen?“ Die Vedanta nennt die „letztliche Wirklichkeit“ avang-manasa-gocaram (unfassbar, weder durch den einfachen Geist noch mit Worten). „Wer erkennt den Erkennenden?“ fragt die Kena Upanishad. Als Einstein darauf bestand, dass Gott nicht würfelt, (womit er meint, es kann nirgends eine Unbestimmtheit im Wissen um die Welt geben, die nach Einstein vom Gott der Harmonie eines Spinozas regiert wird) gab ihm Niels Bohr die berühmte Antwort, „auch ist es nicht unsere Aufgabe Gott vorzuschreiben, wie er die Welt zu regieren hat“. 54 Gleichzeitig gesteht die Vedanta ein, dass die reine Intelligenz des Menschen, ohne alle Dualitäten, das Mysterium erfassen kann. Gewöhnlich sagte Ramakrishna, dass der reine Verstand, die reine Intelligenz und der reine Atman (die letzte transzendente Wirklichkeit) eins sind. Natürlich ist es das, was Einstein selbst auch wahrgenommen hat. Deshalb sagte er auch, „in gewissen Sinn denke ich deshalb, dass der reine Gedanke die Wirklichkeit, wie sie die Alten erträumten, erfassen kann.“

 Der Gott der Advaita-Vedanta ist nicht der extra-kosmische Gott, der hinter den Wolken in einem extra-terrestrischen Himmel sitzt, den Blake als den großen Meister der Geometrie bezeichnete. Noch ist es ein persönlicher Gott, der mit Ritualen und Gebeten in Besitzt genommen werden kann. Noch ist es ein sippenhafter Gott, dessen Nachfolger die Auserwählten sind, um über die anderen zu herrschen. Der Gott der Vedanta ist das Absolute hinter aller Wirklichkeit, allem Raum, Zeit und Ursachen. Er ist das „Super-Bewusstsein“, das „das Nachdenken transzendiert aber nie im Widerspruch dazu steht,“ wie Vivekanada sagte. 55

 Es ist die Absolute Existenz, das Absolute Bewusstsein, das durch die relativistische Welt heutiger Physiker funkt. So lange es absolut ist, sind seine Dimensionen auch unendlich. Es ist das Absolute, die unendliche Existenz hinter der Raum-Zeit-Relativität, von der Einstein und Plank geträumt haben. Es ist der „Gott, der nicht mit dem Universum würfelt“. Das ist das, was die Vedanta mit der unteilbaren Kraft der Maya bezeichnet. Maya ist aghatana ghatana patiyasi, die den gleichen Hibiscusbaum dazu bringt, weiße und rote Blüten auf dem gleichen Ast zum Blühen zu bringen, wie es Sri Ramakrishna sah. Sie ist ausgestattet mit der Kraft der Unvorhersehbarkeit und der Unbestimmtheit, die Heisenberg im Herzen jeder subatomaren Erscheinung entdeckte. Es ist das große Mysterium, das das menschliche Denken transzendiert. Es ist jedoch nur erfahrbar durch reine Intuition, transzendental, und mit höchst sensibler Auffassungsgabe. Der Gott der Vedanta ist das Eine alldurchdringende Bewusstsein, das Schrödinger mit der Logik der Quantenphysik erreichte. Es ist das alles-durchdringende Bewusstsein, das die ganze Welt sogar in der so genannten toten Materie mit einem organischen Bewusstsein begleitet und durchdringt, das Feynman mit dem experimentalen Beweis von Max Borns Vorstellung der Wahrscheinlichkeitswellen entdeckte. Es ist dieses Eine innere Bewusstsein, das die Wirklichkeit in die äußere Welt führt, wie es Schrödingers Gleichungen vorschlagen. Es ist das Universen zerstörende und erschaffende Potential, das Stephen Hawking fand, als er hinter das mikrokosmische Schwarze Loch am Rande des „Ereignishorizonts“ lugte, wo sogar Zeit und Raum aufhören zu existieren. Es ist das „Ding innen“, „der Omaga-Punkt“, „der Christ-Mensch“ des Teilhard De Chardin. Es ist das ´kreative evolutionäre Potential`, eingebettet im Herzen aller Materie, wie es Illya Prigogine verstand. Es ist die „alles durchdringende Einheit“ und die „eingebundene Ordnung“, die David Bohm beim experimentellen Beweis von Bells Theorem entdeckte. Es verbindet und durchdringt nicht nur alle Ebenen der Materie, sondern auch alle ebenen unseres Bewusstseins, wie der Faden verschiedene Perlen zu einer einzigen Halskette verbindet, wie es Sri Krishna in der Gita sagt. Es ist der Gott, der dem kleinsten subatomaren Teilchen das Potential des ganzen Universums gibt, eine Entdeckung heutiger Teilchen-Physiker, die Fritjof Capra nur mit dem Satz der Upanishaden beschreiben konnte: „Atman ist Brahman, Brahman ist Atman“. Es ist der Gott der universalen Religion, der kosmischen Religion, der unbesehen des Glaubens, der Religion oder der Nationalität der gleiche für alle ist. Es ist der Gott, in dem sich Wissenschaft, Religion und Leben ohne irgendeinen Konflikt treffen. Es ist der Gott der Atheisten, die die reine Ursache hinter allem suchen. Es ist der Gott der Theisten, die darin alle Dimensionen des allmächtigen Gottes finden.

 Auf dieses Absolute der Advaita Vedanta bewegt sich die heutige Welt der Wissenschaft langsam hin. Diese Advaita Vedanta wurde für die moderne Zeit von Vivekananda auf hundert verschiedenen Wegen interpretiert, sodass die wissenschaftliche Eigenart der heutigen Wissenschaftler zufrieden sein kann. Fast drei Jahrzehnte bevor Plank, Einstein oder Heisenberg auf die Weltbühne traten, re-interpretierte Vivekananda diese Advaita den westlichen Rationalisten:

 ... Die modernen physikalischen Forschungen neigen immer mehr dazu zu zeigen, dass das Wirkliche immer feiner ist; das Grobe ist nur das Erscheinende. Wir dürften jedoch gesehen haben, dass wenn irgendeine Religion dem Test modernen Denkens standhält, es die Advaita ist. 56

 Was erklärt die Advaita? Sie sagt, wenn es einen Gott gibt, dann muss dieser Gott beides sein, Materie und die vernünftige Ursache des Universums. Er ist nicht nur der Schöpfer, sondern er ist auch das Geschaffene. Er selbst ist das Universum. 57

  Was predigt die Advaita? Sie entthront alle Götter, die je existierten und je im Universum existieren werden und setzt auf diesen Thron das Selbst des Menschen, den Atman, höher als Sonne und Mond, höher als der Himmel, größer als dieses große Universum selber ... „Ich verehre mein Selbst“, sagt der Advaitist. 58

 Indische Wissenschaftler sind darin führend, diese neuen Parallelen zwischen Wissenschaft und Vedanta zu sehen. Dr. Raja Ramanna, ein hervorragender indischer Wissenschaftler, erklärte 1974, „Was sollte ein indischer Wissenschaftler von Religion und mystischen Dingen halten? Unser Hintergrund geht in beidem in die Tiefe, zeitlich und qualitativ, um herauszustellen, was auch immer die wahre Komponente der Religion oder mit einer modernen Bezeichnung gesagt, der spirituelle Aspekt des Menschen ist, dass dies ein unausweichlicher Teil unserer Anlagen ist. ...“. Dr.Ramanna glaubt, „dass, wenn auch Indien in eine Periode wissenschaftlichen Denkens und technischen Fortschritts käme, die Veden und die Acharyas die religiösen Bedürfnisse zufrieden stellen werden, wenn wir uns von den rituellen Aspekten unserer religiösen Erfahrung trennen.“ 59 Dies ist die Religion der Advaita Vedanta, die auf den Grundlagen universeller Prinzipien steht, weit hinter Ritualen und Glaubensbekenntnissen. Und diese Religion der Advaita predigte Vivekananda im Westen als einzige Religion für die Rationalisten. Dr. Raja Ramanna sagt:

  „Swami Vivekananda bestand darauf, dass die vedischen Gedanken nicht unvereinbar mit der Wissenschaft sind und beide Hand in Hand gehen sollten. Swami Vivekananda gehörte dem letzten (mittlerweile vorletzten) Jahrhundert an und seitdem entwickelten sich Wissenschaft und wissenschaftliche Gedanken im großen Stil und haben sehr verschiedene Richtungen eingenommen. Die Entdeckung der Quantenmechanik und der Relativität haben die Grundlagen der Geschichtsschreibung erschüttert. Im Gegensatz zu diesen großen Veränderungen ist es allein die Vedanta, die scheinbar in einer Position ist, die gewaltige Wirkung der neuen Wissenschaften zu absorbieren.“ 60


1 Isaac Asimov, Asimov´s Giude to Science, Bd.1 The Physical Science (England: Penguin Books Ltd., Harmondsworth, Middlesex, 1982), S.15

2 Ebd., S.18

3 Max Plank, Where is Science Going? (London: George Allen & Unwin, 1933), S.13

4 Ebd., auf dem Buchumschlag

5 Ebd., S.118

6 Ebd., S.119

7 Ebd., S.209

8 Ebd., S.119

9 Ebd., S.218

10 Ebd., S.221

11 Ebd., S.217

12 James Jeans, The New Background of Science (London: Cambridge University Press, 1929) S.297- 298

13 Where is Science Going? Loc.cit., S.169

14 Ebd., S.192-193

15 Ebd., S.119

16 Ebd., S.194

17 A.S. Eddington, The Nature of the Physical World (London: Cambridge University Press, 1929)  S.259

18 Ebd., S.347-348

19 Ebd., S.277-278

20 Ebd., S.281

21 Ebd., S.282

22 Ebd., S.292

23 Ebd., S.327-328

24 Ebd., S.330

25 Ebd., S.338

26 Complete Works of Swami Vivekananda: Bd.3, S.1-2

27 Rene Weber, Dialogues with Scientists and Sages (The Search for Unity), (New York: Routledge and Kegan Paul, 1986), S.206

28 Ebd., S.206

29 Ebd., S.209-211

30 Ebd., S.213

31 Ebd., S.184

32 Ebd., S.191

33 Ebd., S.186-187

34 Ebd., S.191

35 Complete Works, 1976, Bd.2, S.209-210

36 Albert Einstein, My Views (Edited and complied by Sailesh & Kumar Bandopadhyaya) Calcutta:Rupa Co. (1967), S.75

37 Ebd., S.75

38 Ebd., S.65

39 Ebd., S.69

40 Amuary De Reincourt, The Eye of Shiva (New York: William Marrow & Co. 1981), S.53

41 Werner Heisenberg, Physics and Philosophy, (New York: Harper & Row, 1962), S.256-257

42 My Views, op.cit., S.68

43 Complete Works, 1972, Bd.6, S.121

44 My Views, op.cit., S.75

45 William Heemann, Einstein & the Poet, Brooklyn Village, M.A.: Branden Press, Inc. 1989, S.66

46 Ebd., S.66

47 Ebd., S.66

4 8 Jagdish Mehra (ed.) The Physicist´s Conception of Nature (Holland/Boston, USA: Riedel Publishing Company, Dordeeht, 1973) S.812

49 The Eye of Shiva, op.cit., S.68

50 Erwin Schrödinger, My View of the World (London: Cambridge, University Press) Kapitel IV

51 Dialogues with Scientists & Sages, op.cit., S.203

52 My View , op. Cit., S.68

53 Einstein and the Poet, op. Cit., S.60

54 Werner Heisenberg, Physics and Beyond, (New York: Harper & Row, 1971) S.81

55 Eastern and Western Admirers, Reminiscences of Swami Vivekananda (Calcutta: Advaita Ashrama, 1961) S.174

56 Complete Works, Bd.I, S.376

57 Complete Works, 1971, Bd.2, S.248-249

58 Ebd., S.50

59 Dr. Raja Ramanna, Philosophical Motivations of a Scientist, Bhavan´s Journal, (Bombay: Bharatiya Vidya Bhavan) 26. Mai 1974, S.32-37

60 Swami Jitatmananda, Modern Physics and Vedanta (Vorwort: von Dr. Raja Ramanna: Bharatiya  Bhavan, Bombay, 1986)