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Zurück in Indien wiederholte er: „Für uns und für alle die es wissen wollen scheint es, dass die Schlussfolgerungen der modernen Wissenschaft die gleichen wie der Vedanta vor vielen Jahren sind; nur sind sie in der modernen Wissenschaft in der Sprache der Materie geschrieben.

Deshalb gibt es für den modernen westlichen Verstand einen anderen Bereich der Vedanta, die Rationalität, der wundervolle Rationalismus der Vedanta.“ (C.W. Bd.3, S.185) Einige der grundsätzlichen Vorstellungen der Advaita Vedanta interpretierte er in der klaren, rationalen Sprache seiner Vorträge in London:

a) Das Absolute wurde durch Raum, Zeit und Ursache zum Relativen.

b) Das Absolute kann nicht zweimal da sein.

c) Materie ist eine Form der Energie.

d) Der Mikrokosmos, das kleinste Teilchen, beinhaltet den Makrokosmos, das Universum selbst.

 

VIVEKANANDA INTERPRETIERT DIE ADVAITA VEDANTA

(Die Vervollständigung der Holistischen Wissenschaft)

 Am 1.Juli 1858 fand zum ersten Mal die moderne Konfrontation der Wissenschaft mit der Religion statt, als der 49-jährige Biologe Charles Darwin seine epochale Entdeckung über den Ursprung der Arten vor der Linnaean Gesellschaft in London veröffentlichte. Die neue Entdeckung, dass der Mensch nicht von Adam und Eva, sondern vom Affen abstammt, erregte sowohl die „theologischen Temperamente“ wie auch die „wissenschaftliche Kontroverse, ein deutlichen Zeichen für die Macht seiner Demonstration.“ Die Entdeckung zeigte der Menschheit, der „favorisierten Rasse“, wie Darwin den Menschen bezeichnete, dass der Macher der Favorisierten, Gott, nicht der gleiche sei, wie er von populären Religionen projiziert wird. In seiner Autobiographie schrieb Darwin, „langsam komme ich dazu an das Christentum nicht als eine göttliche Offenbarung zu glauben. Die Tatsache, dass viele der Geschichten der Religionen über weite Teile der Erdregionen wie ein wildes Feuer verbreitet wurden, machte einigen Eindruck auf mich.“ [1]

 Sofort entstand ein Aufruhr in der religiösen Welt von London. Ein Londoner dieser Zeit schrieb, „Kardinal Manning bezeichnete den Darwinismus als eine ´brutale Philosophie, die bezeugt, dass es keinen Gott gibt und der Affe ist unser Adam.` Protestanten und Katholiken stimmten darin überein ihn zu verdammen „als einen Versuch Gott zu entthronen, als großen Betrug, als Absicht Unglaube an der Bibel zu erzeugen, Gott abzutun und den Schöpfer vor die Türe zu setzen.“ [2]

Newton hatte die Vorstellung von Gott als einem Maschinen-Menschen, einem mechanomorphischem Gott, der das Universum in perfekter Ordnung am Laufen hält. Der Darwinismus zerstört auch diesen Gott. Die westlichen Menschen wurden auf historische und relative Religionen zurückgeworfen. Max Müller versuchte den Ursprung der Religion in der Verehrung der Elemente zu zeigen. Herbert Spencer versuchte die Religion auf die Ahnenverehrung zurückzuverfolgen. [3] Aber diese Versuche scheiterten. Die westlichen Rationalisten verloren ihren Glauben an der Religion. Die Kleriker beschuldigten Huxley als „der Apostel Paulus des Darwinismus“, des „großen Materialismus“. [4]

 Swami Vivekananda kam 1896 nach London und erklärte die Advaita Vedanta als neue religiöse Philosophie, die die Rationalisten zu Frieden stellen wird: „Die Rettung Europas hängt von einer rationalen Religion und der Advaita ab, der Nicht-Dualität, der Einheit, der Vorstellung von einem unpersönlichen Gott als der einzigen Religion, die jeden Rückhalt bei intellektuellen Leuten findet.“ (Complete Works of Swami Vivekananda, Bd.2, S.139).

  Zurück in Indien wiederholte er: „Für uns und für alle die es wissen wollen scheint es, dass die Schlussfolgerungen der modernen Wissenschaft die gleichen wie der Vedanta vor vielen Jahren sind; nur sind sie in der modernen Wissenschaft in der Sprache der Materie geschrieben.  Deshalb gibt es für den modernen westlichen Verstand einen anderen Bereich der Vedanta, die Rationalität, der wundervolle Rationalismus der Vedanta.“ (C.W. Bd.3, S.185) Einige der grundsätzlichen Vorstellungen der Advaita Vedanta interpretierte er in der klaren, rationalen Sprache seiner Vorträge in London:

 

1. Das Absolute wurde durch Raum, Zeit und Ursache zum Relativen. Die relative  Raum-Zeit-Wirklichkeit ist tatsächlich nichts anderes als das Absolute selbst. Alles ist in der Essenz deshalb Gott oder das Absolute.

2. Das Absolute kann nicht zweimal da sein. Es ist einzig. Deshalb ist hinter allem im Universum eine tiefere darunterliegende Einheit. Dieses Eine oder diese Einheit wurde in der monistischen Vedanta-Philosophie mit Advaita beschrieben (nicht-dual: A=nicht, Dvaita=zwei).        

3. Materie ist eine Form der Energie. Verstand ist Materie, nur feiner. Bewusstsein schafft oder projiziert Verstand und Materie, das mentale und materielle Universum. Bewusstsein ist der erste Grund hinter aller Erschaffung. Alle Kräfte sind Ausdruck einer einzigen Kraft, der Prana; und alle Materie entstammt einer Basis-Materie, der Akasha. Beide sind Projektionen des Absoluten.

4. Der Mikrokosmos, das kleinste Teilchen, beinhaltet den Makrokosmos, das Universum selbst. Der Mensch, als Mikrokosmos, beinhaltet in sich selbst das Potential der unbegrenzten Gottheit.

 

  Die letzte Vorstellung drückt sich in der vedischen Art Atman (die individuelle Seele) ist Brahman (das unendliche Selbst) aus. Alle menschlichen Entwicklungen, physisch, intellektuell, sozial oder spirituell, sind, bewusst oder unbewusst, auf die Manifestation dieses unendlichen Selbst im Individuellen gerichtet. Dieses unendliche Selbst wird in der Vedanta mit Absoluter Existenz, Absolutem Bewusstsein und Absoluter Seligkeit (Sat-Chit-Ananda) beschrieben. Eine Unendlichkeit kann nicht zweimal existieren. Deshalb wird das Absolute als das Eine Bewusstsein (von dem die Myriaden von individuellen Bewusstheiten nur zeitliche Manifestationen sind) dargestellt, oder als die Eine holistische Existenz (von der alle endlichen Leben nur relative raum-zeit-gebundene Manifestationen sind), oder als die Eine höchste Seligkeit (von der die endlichen Freuden des Lebens nur fragmentarische Manifestationen sind). Vivekanandas Interpretation der Vedanta in der rationalen Sprache der westlichen Wissenschaft beeindruckte viele. Amaury De Reincourt schrieb in seinem Buch Das Auge Shivas: „Seit ihrem neuen Erwachen mit Sri Ramakrishna und Swami Vivekananda hat die östliche Mystik angefangen ihre Offenbarungen an das ganze differenzierte Rahmenwerk der Wissenschaft und Technologie anzupassen, ohne in irgendeiner Weise etwas Wertvolles ihres traditionellen Verständnisses des Phänomens selbst zu opfern.“ [5] Wenn Vivekananda von Raum-Zeit spricht, verbindet er es auch mit der Vorstellung vom Ursprung und macht es damit deutlicher als Einsteins Konzept der Raum-Zeit-Relativität.

 „Dieses Absolute wurde zum Universum indem es aus der Zeit, dem Raum und des Ursprungs kam. Dies ist die zentrale Vorstellung der Advaita (Vedanta). Zeit, Raum und Ursprung sind wie das Glas durch das das Absolute gesehen wird, und wenn es auf der tieferen Ebene gesehen wird, erscheint es als Universum. Nun nehmen wir einmal an, das es im Absoluten weder Zeit noch Raum noch Ursprung gibt. Die Vorstellung von Zeit kann es da nicht geben, man sieht da kein Denken und keine Gedanken. Die Vorstellung von einem Raum kann es da nicht geben, man sieht keine äußere Veränderung. Was sie Bewegung und Ursprung nennen kann da nicht existieren, wo nur das Eine ist. Wir müssen verstehen und einen Eindruck davon haben, dass das, was wir Ursprung nennen, wenn man so sagen darf, nach der Degeneration des Absoluten ins Phänomenale beginnt und nicht davor.“ [6]

 Manchmal nimmt Vivekanandas Sprache merkwürdigerweise die gleichen Worte und Vorstellungen, die Einstein zwanzig Jahre später gesprochen hat, vorweg. Hier ein Beispiel: „Gibt es irgendeine Bewegung in einer geraden Linie? Eine Gerade unendlich projiziert wird zu einem Kreis und kehrt zu ihrem Ausgangspunkt zurück.“ (Complete Works: Bd.3, S.4). Michael Talbot sagt in seinem Buch Mysticism and New Physics, dass Vivekanandas Darstellung der Raum-Zeit mit den Worten von Herman Minkowski, der als Erster Raum und Zeit als Kontinuum theoretisierte, „austauschbar“ ist. Talbot sagte auch: „Weiterhin drückte Vivekananda eine Sicht aus, die zum Rückgrad der Quantentheorie wurde. Es gibt nicht so ein Ding wie Ursprung.“ [7]

  Wenn Vivekanada sagt, „in der Welt der Wissenschaft werden die Kräfte schrittweise nach unten angenähert, um die dahinterliegende Kraft zu suchen“ [8] , nimmt er die Grand Unification Theory (GUT, die große Vereinheitlichungstheorie) vorweg, die von Einstein erträumt wurde und von Maxwell teilweise zuerst und weiterführend von Abdul Salam, Sheldron Glashaw und Steven Weinberg verwirklicht. Wenn er von der alten vedischen Vorstellung spricht, „gemäß der Ebene der Existenz auf der wir sind, sehen wir das Universum“, nimmt er deutlich die revolutionäre Idee der Quantenphysik vorweg, ausgedrückt in der Vorstellung von „Schrödingers Katze“ oder der Everett-Wheeler Interpretation der Quantenphysik, die sich die äußere Wirklichkeit als die vom „Beobachter-Geschaffene Wirklichkeit“ vorstellt.

  Die Wissenschaft des 19.Jahrhunderts begann mit einem Triumphzug, den Rupert Sheldrake, der Pflanzen-Physiologe aus Cambridge, den „traditionellen monistischen Materialismus“ [9] nannte, der Materie für die einzige und letztliche Wirklichkeit hält.

 Aber seit der Entdeckung der Quantenphysik und der relativistischen Physik wurde der Verstand in der Welt der Wissenschaft zu einem gleichwertigen und kraftvollen Wettstreiter wie die Materie. Die neue Physik proklamierte was heute unter „Interaktionismus“ bekannt ist, der behauptet, in den Worten Rupert Sheldrakes, dass „Verstand oder das Ego, Seele, Psyche, Geist, oder Bewusstsein, das Selbst irgendwie mit dem Körper (oder Materie) durch das Gehirn interagiert.“ Dieser „Interaktionismus“, sagt Sheldrake in seinem zuletzt erschienenen Buch The Presence of the Past (1988), wird von einer Anzahl Philosophen, darunter Karl Popper, vehement verteidigt und wird überraschenderweise weitgehend von Wissenschaftlern unterstützt, darunter Quantenphysiker wie Werner Heisenberg, Wolfgang Pauli und Neurophysiologen wie Wilder Penfield, John Eccles und Roger Sperry.“ [10]

  Im Nachwort seines letzten Buches, A Brief History of Time (Eine kurze Geschichte der Zeit, 1988), sagt der Astrophysiker Stephen Hawking, dass die meisten Wissenschaftler so lange mit der Frage beschäftigt waren WAS das Universum ist, anstatt WARUM das Universum ist. Er räumt ein, dass „Wissenschaft zu technisch und mathematisch für Philosophen oder für irgend jemand außer ein paar Spezialisten geworden ist.“ [11] Aber er hofft, „wenn wir eine vollständige Theorie entdecken, sollte sie jedoch rechtzeitig jedem prinzipiell verständlich sein, nicht nur wenigen Wissenschaftlern. Dann werden wir, Philosophen, Wissenschaftler und gewöhnliche Leute dazu fähig sein an der Diskussion über die Frage warum wir und das Universum existieren teilzunehmen. Wenn wir eine Antwort darauf finden, würde es der letztliche Triumph menschlicher Überlegungen sein, wir würden dann den Geist Gottes kennen.“ [12]

  Dieser „letztliche Triumph der Menschheit“, der Verstand und Materie vereinen kann, die Sinnen-Welt und das Übersinnliche dahinter, die vielen und das Eine, den Makrokosmos und den Mikrokosmos, das Absolute und das Relative, die letztliche Gottheit und das individuelle Sein, den unendlichen Ozean mit seinen Myriaden von Wellen, den kosmischen Baum mit seinen vieldimensionalen Blättern, liegt, so weit wie menschliches Wissen geht, in der monistischen oder advaitischen Philosophie der Vedanta.

  In London behauptet Vivekananda fest, dass der Mensch nie mit dem „Wie“ der Dinge zufrieden sein kann. Er muss das „Warum“ der Dinge kennen. Er sagte, „Ihre Studien ist die Manifestation des Lebens, meine ist das Leben selbst. ... Ich muss das Herz dieses Lebens kennen, ihre eigene Essenz. ... Ich will das Warum von allem. Ich lasse das Wie den Kindern.“ [13]

  Er sagte die unvermeidliche Notlage des Metaphysischen in unserer Untersuchung von materiellen Dingen voraus:

„Nehmen sie irgendetwas vor ihnen, das materiellste Ding, nehmen sie irgendeine dieser materialistischsten Wissenschaften, wie Chemie oder Physik, Astronomie oder Biologie, studieren sie es, treiben sie die Studien immer weiter voran, die großen Formen werden schmelzen und immer feiner werden, bis sie an einen Punkt kommen wo sie dazu gezwungen werden einen enormen Sprung aus diesen materiellen Dingen in die immateriellen zu machen. Das Große zerschmilzt in jedem Bereich des Wissens in das Feine, Physik in die Metaphysik.“ [14]

  40 Jahre nach den Lesungen Vivekanandas räumte Einstein ein, dass die Physiker einen „initialen Sprung“ [15] unternehmen müssen, um weitere Grenzen der Materie zu entdecken. Der amerikanische Physiker William Press sagte, dass selbst Hawking Wahrheiten über die Grenzen des Universums mit weitläufigen, mystischen und „über das Übliche gehenden Ideen“ entdeckt hat. Ein wissenschaftlicher Schriftsteller sagte, dass diese Ideen zu Hawking wie „spirituelle Offenbarungen“ gekommen sind. [16]

  Heute, fast 100 Jahre später, kehrt die moderne Physik zur Religion zurück und dem Gott der Advaita Vedanta. Der „Steppenbrand“ der Vedanta verbreitete sich heute tatsächlich in der ganzen Welt der Wissenschaft nicht wie eine „falsche Religion“, wie es Darwin befürchtete, sondern als einzige Lösung für die Probleme der modernen Wissenschaft, wie der Nobelpreis-Physiker Erwin Schrödinger unterstrich. Schrödingers My View of the World und Mind and Matter waren die ersten Pfeiler, die die monistische oder advaitische Vedanta als einzigen Ausweg aus den Problemen der Wissenschaft etablierten. Heute zum Ende der 80er Jahre brachten schließlich zehn ähnliche Bücher von Wissenschaftlern wie Fritjof Capra, David Bohm und wissenschaftlichen Schriftstellern wie A.D.Reincourt, Gary Zukov, Michael Talbot und anderen virtuell neue Wellen wissenschaftlich-philosophischen Denkens, die alle auf das zentrale Anliegen der Advaita Vedanta zuliefen, mit dem Fritjof Capra seinen Bestseller Tao of Physik beschloss: „Atman ist Brahman: Brahman ist Atman“. Dies ist die einfache, „vollständige Theorie“, von der Stephen Hawking träumte oder der „eine einfache Satz“, von dem der Physiker Wheeler dachte, er sei die Lösung für die Probleme der Physik. [17] Erwin Schrödinger schrieb 1950 die Gleichung Atman=Brahman als Lösung für die wachsenden Probleme der Physik. [18] „Die größten Wahrheiten sind wegen ihrer Einfachheit vergessen worden. Große Wahrheiten sind einfach, weil sie von universeller Anwendbarkeit sind, “ sagte Vivekananda. [19]

 Gary Zukov schreibt im Schlusswort seines berühmten Buches über moderne Physik The Dancing Wu Li Masters: „Durch das Studium der Komplementarität, des Unbestimmt-heitprinzips, der Quantenfeldtheorie, der Kopenhagener Interpretation der Quantenmechanik, erhält man eine Einsicht in die Natur der Wirklichkeit, die sehr ähnlich der ist, die man erhält durch das Studium der östlichen Philosophie.“ Zukov schreibt weiter: „Wir erreichen das Ende der Wissenschaft ... Das Ende der Wissenschaft bedeutet, dass die westliche Zivilisation auf ihre eigene Weise und im eigenen Tempo in die höheren Dimensionen der menschlichen Erfahrung kommt“. Zukov glaubt, dass „die Physik der Natur, wie die menschliche Erfahrung, letztlich unterschiedlich ist“ und dass „die Physiker mehr und mehr mit Kali, der göttlichen Mutter der Hindu-Mythologie tanzen, als die endlose Vielfältigkeit der Natur zu entdecken“. Zukov erzählt eine alte indische Geschichte: Rama, Gott, geht spazieren, währen ihm Sita, die auch Maya heißt oder Gottes verschleierte Macht ist, ihm folgt. Lakshmana, Ramas Bruder, ein menschliches Wesen, der hinter Sita geht, kann Rama oder Gott nur flüchtig sehen, weil er von Sita verdeckt wird. Das ist nach Zukov die Reise der modernen Physik von der „intellektuellen Verschanzung“ zu der „intellektuellen Offenheit“, die „den Intellekt auffordert nach vorn zu springen, obwohl ein großes Risiko der Hegemonie besteht.“ [20] Die Hegemonie der 300-jährigen klassischen Wissenschaft“ bricht heute wegen der neuen Entdeckungen der Quantenphysik, der relativistischen Physik und dem zunehmenden Einfluss der Ideen der monistischen Vedanta auf die heutige Wissenschaft bildlich auseinander. Heisenberg selbst traf Tagore und diskutierte mit ihm die Parallelität zwischen der modernen Physik und den alten vedischen Vorstellungen. Er war von dieser Parallelität überzeugt, sprach sie aber irgendwie aus Angst vor Missverständnissen nicht aus. Eines seiner Bücher The Part and the Whole beendete er mit der neuen holistischen Weltsicht der Wissenschaft und ihrer Notwendigkeit in der Wissenschaftswelt von heute. (The Holographic Paradigm: herausgegeben von Ken Wilber, Shambhala, 1982, im Kapitel „Interview with Heisenberg“)

  John Dobson, ein Astrophysiker aus Kalifornien, schrieb in seinem Buch Advaita Vedanta und moderne Wissenschaft: „Die klassische Physik hat der Relativität und Quantenmechanik Platz gemacht. Unsere alten Bezeichnungen für Zeit, Raum und Ursache waren falsch. Es erscheint eine neue Landkarte, aufgebaut auf der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik, aus einem neuen Verständnis der Ursache, einem neuen Verständnis der Natur notwendiger Interaktion der physikalischen Bedeutung zwischen dem Beobachter und dem Beobachteten, oder auch zwischen dem Instrument der Beobachtung und der wahrgenommenen Sache. Von diesem neuen Verstehen kam ein Gezeitenwechsel auf einer Grundlage in unserer Physik, von der es nun leicht ist, sie mit der Advaita Vedanta in Einklang zu bringen. Swamiji sagte, dass Wissenschaft und Religion zusammentreffen und sich die Hand geben werden. Diese Zeit ist gekommen.“ [21]

  „Wir nehmen am Erwachen einer Physikrevolution teil“, schreibt Heinz Pagels. „Das Universum wird danach nicht mehr das Gleiche sein“, schrieb der Physiker Wheeler. Im Licht der Quantenphysik wurde die Materie entmaterialisiert und unauflöslich mit dem menschlichen Verstand verbunden. Bertrand Russel, der lange an die harte Realität der äußeren Materie glaubte, schrieb, „Als ich die Metaphysik ablehnte ... erfuhr ich die Freude am Glauben, dass die sensitive Welt real ist. Hauptsächlich unter dem Einfluss der Physik ist diese Freude Stück für Stück verschwunden ... Ich fand mich selbst in einem weiten Nebel wieder, emotional und metaphysisch, aus dem ich keinen Ausweg sah.“ (The Eye of Shiva, S.72). Vivekananda legte gemäß der Advaita Vedanta dar, dass diese sehr feine Materie die Unendlichkeit als ihren Hintergrund hat. Der zweite Teil der Aussage Shankaras, dass jedes Wesen in seiner Essenz Brahman ist, bekommt bei Vivekananda besondere Wichtigkeit. Deshalb interpretierte er die Isha Upanishad mit der Vergötterung der Welt, oder Gott ist in allem. Deshalb interpretierte er die Katha Upanishad mit der Makrokosmos ist im Mikrokosmos enthalten. Nach der orthodoxen Schule der Shankara, in den höheren Ebenen des Bewusstseins, hört diese sichtbare Welt auf zu existieren, während bei Vivekanandas Interpretation der Vedanta diese Welt göttlich ist.

 Es gibt noch ein weiteres spezielles Merkmal in Vivekanandas Interpretation der alten vedischen Philosophie. Bis da blieb die Vedanta-Philosophie in drei wasserdichte Systeme unterteilt: die Dvaita Philosophie der Schule von Madhva, die Vishistadvaita von Ramanuja und die Advaita Philosophie von Shankara. Die Exponenten jeder dieser drei Strömungen der Vedanta Philosophie versuchten immer die anderen beiden zu eliminieren und ihren eigenen Wert herauszustellen. Indem Vivekananda den Fußspuren seines Meisters Sri Ramakrishna folgte, interpretierte er die Vedanta Philosophie zum ersten Mal in der Geschichte in einer zusammengefassten Art, die alle diese Gedankenströmungen beinhaltete. Für Vivekananda beinhaltete die Vedanta immer alle diese drei vedischen Schulen: der Dualismus führt natürlicher Weise durch den Prozess des Denkens zu einem geeigneten Monismus, und der geeignete Monismus erreicht auf die gleiche Weise den Advaita. „Dies sind die hervorstechenden Punkte der drei Schritte, die das indische religiöse Denken unternimmt, um Gott zu erreichen. Wir haben gesehen, dass es mit dem persönlichen, außer-kosmischen Gott anfing. Es ging vom externen zum internen kosmischen Körper, dem Gott immanent im Universum, und endete in der Identifikation der Seele selbst mit diesem Gott, und macht eine Seele, eine Einheit aus all diesen verschiedenen Manifestationen im Universum. Dies ist das letzte Wort der Veden. Es begann mit dem Dualismus, geht durch einen geeigneten Monismus und endet in einem vollkommenen Monismus.“ [22]

  Populäre Religionen, die auf einem personellen Gott gründen, konnten die Wissenschaft nicht akzeptieren, die auf universellen Gesetzen und Prinzipien beruht. Vivekananda machte zum ersten Mal vernünftige und universell annehmbare Prinzipien, die Basis der vedischen Religion, und machte sie mit der rationalen Wissenschaft kompatibel: „Ich könnte ihnen aufzeigen, wie der Westen von den Schlussfolgerungen der Advaita noch mehr zu lernen hat, weil in diesen Tagen der materialistischen Wissenschaft die Vorstellung eines personellen Gottes nicht so viel zählt. ...  Wenn jemand ein Rationalist sein will und das befriedigend begründen will, so ist es auch hier (in der Advaita Vedanta), dass er die rationalsten Vorstellungen vom Unpersonellen finden kann“, sagte Vivekananda. „Philosophie ist sinnlos, wenn sie nicht auf Wissenschaft gründet. Wissenschaft entdeckt, Philosophie interpretiert“, sagte Einstein. [23] Heute dürften sich Wissenschaftler zu Vivekanandas Interpretation der Vorstellungen der Advaita wenden, um ihre offensichtlich unerklärbaren Erfindungen wie das E.P.R. Paradoxon, Schrödingers Katze, Max Borns Wahrscheinlichkeitswellen oder auch Heisenbergs Unbestimmtheitsprinzip korrekt zu interpretieren.

  Was den Worten Vivekanandas einen höheren Wert gibt ist nicht so sehr das Vernünftige, sondern mehr die Kraft der Verwirklichung eines holistischen Universums. Die Advaita Vedanta war nicht eine Vorwegbesitznahme von ihm wie der eines Universitätsprofessors. Wie Buddha oder Shankara sprach auch er mit Autorität. Den amerikanischen Schülern erzählte er, „Was du nur mit dem Intellekt begreifst, könnte von einem neuen Argument überflügelt werden, aber was du verwirklichst, ist für immer dein. Religion erzählen ist nur ein bisschen gut. Stelle Gott hinter alle Dinge - den Menschen, das Tier, das Essen, die Arbeit - mache es zu einer Gewohnheit.“ Mit dem Vertrauen eines Propheten sagte er, „Zuerst nehmen wir wahr, später dann überlegen wir. Wir müssen diese Wahrnehmung als Tatsache betrachten, und das dann Religion, Verwirklichung nennen.“ [24] Und er sagte weiter, „Nachdenken heißt den Verstand anzuwenden und dieses Wissen in uns selbst mit Verstand zu etablieren. Die Verwirklichung macht es durch dauerndes Erinnern daran zu einem Teil unseres Lebens.“ [25] Und das ist Vivekanandas Aufruf an die moderne Welt wissenschaftlichen Denkens.

  William James, der größte Philosoph-Psychologe des 19.Jahrhunderts in Amerika, der Vivekananda mit „Meister“ bejubelte, schrieb, „Das Muster aller monistischer Systeme ist die Vedanta Philosophie des Hindustan, und das Muster der vedischen Missionare war kürzlich der Swami Vivekananda. Wir alle haben ein Ohr für diese monistische Musik: sie erhebt und beruhigt. Das Einheitliche kommt über moralische Abgeschiedenheit in jeder Weise. In der Leidenschaft der Liebe hat man den mystischen Keim was die totale Vereinigung von allem gegenwärtigen Leben heißen könnte. Dieser mystische Keim erwacht in uns durch das Hören der monistischen Äußerungen, erkennt ihre Autorität an und teilt der intellektuellen Überlegung den zweiten Platz zu.“ [26]

 Herr A.D.Reincourt meint, dass der „Schwerpunkt“ der östlichen, mystischen Sichtweise darin liegt, „all die Elemente der Persönlichkeit, die normalerweise autonom und verstreut sind, zusammenzubinden; auch den intellektuellen Automatismus zu beenden, der Tag für Tag das Leben charakterisiert.“ Und er fand in Vivekananda den Grund für diese grundlegende östliche Ansicht. Herr Reincourt schrieb, „So wie es Vivekananda sieht, beabsichtigen alle diese Schritte im Yoga uns wissenschaftlich in den überbewussten Zustand oder dem Samadhi zu bringen“. [27] Es passiert in diesem überbewussten Zustand (nicht im bewussten oder unbewussten, wie es im Westen bekannt ist), dass man die Einheit der Existenz fühlt. Einstein setzte Materie gleich Energie. Vivekananda erklärte, dass Materie nur eine andere Form von Geist (engl.:mind) ist, und Geist ist nur feiner als Materie. (Geist=Verstand): „Was wir jetzt Materie und Geist nennen sind eins und die gleiche Substanz.“ Und beide, Geist und Materie, haben unendliches Bewusstsein, Wissen und Seeligkeit als ihren gemeinsamen Hintergrund. [28] Vivekananda bezeichnete Newton und Galileo als die „Propheten der physikalischen Wissenschaft“, und die Weisen der Upanishaden als die „Propheten der Spiritualität“. [29] Wie diese Seher erklärte Vivekananda, dass in der letztlichen Analyse „das ganze Universum, geistig und materiell, in Eines zusammenfällt. Es ist das Finden der Einheit, auf die wir zugehen.“ [30]

 Die Bootstrap-Theorie von Geophrey Chew, das Konzept der „Eingefalteten Ordnung“ von David Bohm, das erfolgreiche Experiment von Bells Theorem durch Clauser and Freedman, diese alle erreichten die Vision eines holistischen Universums, wo jedes Teilchen mit jedem anderen Teilchen verbunden ist, auch wenn es am letzten Ende des Universum sein sollte. Das neue Paradigma der modernen Wissenschaft ist das holistische Paradigma. Was ist ein Paradigma? John Losee schrieb, „im weitesten Sinn ist ein Paradigma eine „disziplinierte Matrix“, oder eine endliche Zusammenstellung von Ansichten, Werten, Techniken usw. angewandt von Mitgliedern einer vorgegebenen Gesellschaft.“ (John Losee: A Historical Introduktion to the Philosophy of Science, S.206) S. Kuhn zeigt in einem der einflussreichsten Bücher der Moderne, The Structures of Scientific Revolutions, wie die wissenschaftliche Welt sich periodisch in einen „Paradigmenwechsel“, wie er sagt, begibt. [31] Das alte Paradigma oder das Set von Werten in der newtonschen Wissenschaft gründete auf der kartesischen Trennung von Verstand und Materie, von Materie und Geist, von Gott und Mensch. Das neue Paradigma der heutigen Wissenschaft basiert auf der Grundlage der Verbundenheit des ganzen Universums und auf der untrennbaren Verbindung zwischen Verstand und Materie. Dies ist das neue holistische Paradigma der Wissenschaft. Die einseitigen Abteilungen der Wissenschaft mit ihrer alleinigen Ausrichtung auf den Intellekt ignorierten die holistische Vision und bescherten uns dadurch das Desaster der zwei Weltkriege. Aber die Schocks der menschlichen Vernichtung eröffneten vielen Wissenschaftlern neue Visionen. Robert Oppenheimers denkwürdige Ansprache nach der ersten erfolgreichen Atomexplosion bei Alamogorodo ist ein offenes Bekenntnis dieser Tatsache:

 „Aber da ist noch eine andere Sache: wir sind auch Menschen. Wir können unsere Verantwortung gegenüber unseren Nachkommen nicht vergessen. Ich meine, auch unsere tiefe Verantwortung dafür, dass der Wert der Wissenschaft in der Welt der Menschen liegt, dass alle Wurzeln dort sind. Dort sind die stärksten Bindungen in der Welt, stärker sogar als die uns (die Atomphysiker) aneinander binden, sind es die tiefsten Verbindungen, die uns an unsere Nachkommen binden.“ [32]

 „Mit der Bedrohung des nuklearen Holocaust brauchen wir zum Überleben eine Synthese, eine ökologische Perspektive, die holistische Sichtweise,“ sagt der Physiker Fritjof Capra, der, wie andere, glaubt, dass das darwinistische Konzept des Existenzkampfes, der natürlichen Auslese und Anpassung nie das Phänomen der höheren menschlichen Entwicklung erklären wird. Er sagte, „Das neue Paradigma ist die holistische, ökologische Weltsicht. Und wir brauchen diesen Wechsel der Wahrnehmung.“ Rene Weber, der Physiker wie Fritjof Capra und David Bohm interviewte, glaubte, dass die Nobelpreisphysiker von heute auch wie Buddha werden sollten. Der höchste wissenschaftliche Verstand sollte auch mit dem nobelsten Herz Buddhas verbunden sein. Capra glaubt, „dass beide, Einstein und Bohr, in erster Linie meditativ und intuitiv waren und gleichzeitig die größten Physiker.“ Über Niels Bohr sagte Capra, „Bohrs Wissenschaft war seine Mystik“ und dass „in den östlichen Traditionen die Erleuchtesten die Gewöhnlichsten wurden. And deshalb gingen die größten Seher nur spazieren, sammelten Feuerholz und trugen Wasser.“ [33]

  Prof.Maurice H.Wilkins, der sich 1962 den Nobelpreis für Medizin mit Francis Crick und James Wattson teilte, machte zu Beginn eines Interviews in Bombay im Januar 1986 die Enthüllung, dass „circa die Hälfte der Wissenschaftler und Ingenieure der Welt mit Kriegsprogrammen beschäftigt sind“.

„Die meisten Wissenschaftler“, sagt Dr.Wilkins weiter, „scheuen vor politischen, psychologischen, spirituellen oder anderen Dimensionen zurück. Die führenden Wissenschaftler, die wirklich wichtige Pionierarbeit erledigen, sind nicht so schlecht. Aber der gewöhnliche Durchschnitt der Wissenschaftler ist weit davon entfernt. Wenn sie einen interessanten Job finden, in der Art eines intellektuellen Kreuzworträtsels, den man leicht finden kann, gib ihnen eine sichere Position, wertvoll für die nationale Sicherheit, mit einem guten Einkommen, mit vielen Möglichkeiten usw., dann machen sie sich mit all diesen Bedürfnissen an die Arbeit. Alle weiteren Fragen nach Spiritualität und anderen Dimensionen wird aus dem Bild normalerweise geworfen.“ [34] Fast ein Jahrhundert vorher sagte 1897 Vivekananda voraus, dass das Gefühl für Solidarität für alles Leben, gegründet auf den Prinzipien der Advaita, eine Anleitung für das zukünftige Überleben der Menschheit sein müsse - „Gerade in der Politik und bei gesellschaftlichen Problemen, die vor 20 Jahren nur national waren, können nicht mehr nur national gelöst werden. ... Sie können nur gelöst werden, wenn man sie im breiten Licht auf dem internationalen Boden betrachtet. ... Das zeigt die Solidarität. In der Wissenschaft kommen sie täglich zu einer ähnlichen weiten Ansicht der Materie. Sie sprechen von Materie, das ganze Universum als eine Masse, ein Ozean von Materie, in der sie und ich, die Sonne und der Mond und alles andere nichts anderes sind als die Namen von verschiedenen kleinen Wirbeln und nichts anderem sonst ... Es ist ein unveränderliches, unzerstörbares, gleichförmiges Atman.“ [35] Prof. Fritjof Capra schrieb, „Wir haben Zehntausende von Atomwaffen angehäuft; genug, um die ganze Welt mehrere Male zu zerstören ... All dies suggeriert ein grundlegendes Ungleichgewicht unserer Kultur. Weitere Überlegungen zeigen, dass die Wurzeln dieser Kulturkrise im Ungleichgewicht zwischen den zwei Arten des Bewusstseins liegen, die man aus den charakteristischen Aspekten der menschlichen Natur durch die Jahrhunderte kennt. Sie werden gewöhnlich die rationale und die intuitive Art oder die wissenschaftliche oder die religiöse Art genannt.“ [36]   Diese beiden Arten des menschlichen Bewusstseins wurden von chinesischen Denkern mit Yan oder das aktive, rationale, konkurrierende, und mit Yin oder das intuitive, kooperative, emotionale und der mystische Aspekt unseres Verstandes beschrieben. Die Zeit ist reif für einen Wandel vom reinen rationalen Materialismus zu einem holistisch-intuitiv-humanistischen Paradigma. Capra erwähnt einen alten chinesischen Ausdruck: „Erreicht das Yan seinen Höhepunkt, tritt es zu Gunsten des Yin zurück.“ [37]

Im Schlusswort seines berühmten Buches Evolution: Die moderne Synthese sagte Julian Huxley, ein Fürsprecher der postdarwinistischen Evolutionstheorie, dass trotz aller revolutionären Entdeckungen über die menschlichen Evolution Wissenschaftler nur „einen scheinbaren Zweck ... mehr ein Produkt blinder Kräfte“ hinter der progressiven Entwicklung des Menschen“ herausgefunden haben. [38]   Vivekananda definiert die vedische Vorstellung der menschlichen Evolution: „Jede Seele ist potenziell göttlich. Das Ziel des Lebens besteht in der Manifestation der Göttlichkeit darin.“ Die Amöbe beinhaltet schon den Christus. Und die gesamte Evolution von der Amöbe bis Christus ist nur der andauernde Kampf die Unendlichkeit der Seele oder das „Ding da innen“ zu manifestieren. Huxley fand einen anderen Konflikt zwischen dem spirituellen und dem weltlichen Fortschritt des Menschen. „Noch gibt es einen anderen Kampf zwischen der Vorstellung eines Zieles, das auf ein zukünftiges Leben in einer übernatürlichen Welt gerichtet ist, und einem, das auf den Fortschritt in dieser existenten Welt gerichtet ist. Bis solche größeren Konflikte gelöst sind kann die Menschheit kein anderes größeres Ziel haben, dabei kann der Fortschritt sprunghaft und langsam sein.“ [39]

Vivekananda löste diese Dichotomie zwischen einer weltabgewandten Religion und einem in der Welt gründenden Fortschritt. Diese Neuigkeit der holistischen Vedanta Vivekanandas wurde von seiner westlichen Schülerin Sister Nivedita klar erklärt: „Es ist die krönende Bedeutung des Lebens unseres Meisters, weil er hier zum Treffpunkt wurde, nicht nur für Ost und West, sondern auch für die Vergangenheit und der Zukunft. Wenn die vielen und das Eine tatsächlich die gleiche Wirklichkeit sind, dann sind nicht nur alle Arten von Anbetung, sondern auch alle Arten von Arbeit, alle Arten von Kämpfen, alle Arten von Kreationen Wege der Verwirklichung. Von nun an keinen Trennung zwischen heilig und weltlich.“ [40]

Die Astrophysik bestätigt heute, dass im kleinsten Teilchen das Potential des ganzen Universums enthalten ist. In der Interpretation Vivekanandas wurde dieser Wahrheit eine menschliche Ausrichtung gegeben. „Die Welt ist homogen und die moderne Wissenschaft zeigt zweifelsfrei, dass jedes Atom aus dem gleichen Material zusammengesetzt ist wie das ganze Universum. ... Der Mensch ist das repräsentativste Wesen im Universum, der Mikrokosmos, ein kleines Universum in ihm selbst.“ Im Zentrum von Vivekanandas Vedanta, die er die „Wissenschaft der Religion“ nennt, ist der Mensch, „der Taj Mahal des Gotteshauses“. Das Ziel „dieser von allen sublimierten Wissenschaft“ [41] dieses Unendliche, den Buddha-Menschen, den Christus-Menschen in allen menschlichen Wesen zu manifestieren.

Vivekananda träumte von einem vollkommenen Menschen und sagte: „Ich bete zu Gott, dass alle Menschen so beschaffen sind, dass in ihrem Verstand diese Elemente der Philosophie, der Mystik, der Emotionen und der Arbeit gleichermaßen vollständig präsent sind. Das ist mein Ideal, mein Ideal des vollkommenen Menschen.“ 1896 sagte er in London: „In der Shankaracharya sahen wir die großartige intellektuelle Kraft, die ein gleißendes Licht der Ursache auf alles geworfen hat. Heute wünschen wir uns, dass die weite Sonne der Intellektualität mit dem Herz Buddhas zusammengeht, dem wundervollen unendlichen Herz der Liebe und der Barmherzigkeit. Dieser Bund wird uns die höchste Philosophie geben. Wissenschaft und Religion werden zusammenkommen und sich die Hand geben.“ [42] Romain Rolland fand in Vivekanandas universellen Gospel die Erfüllung der reinen rationalen Bestrebungen des Westens und schrieb: „Europa und Asien sind die zwei Hälften der Seele. Der Mensch ist noch nicht. Er wird es sein.“ [43]  

 Bei Vivekananda wurde der Intellekt Shankaras mit Buddhas Herz verbunden; Sri Ramakrishnas welt-transzendierender Mystizismus wurde mit praktischen, erdgebundenen Aktivitäten napoleonischer Dimension verbunden. „Kunst, Wissenschaft und Religion sind drei Wege des Ausdrucks einer einzigen Wahrheit. Aber um dies zu verstehen brauchen wir die Theorie der Advaita,“ sagte Vivekananda. [44]

 Michael Talbot schrieb, „Es ist sehr bedeutend, dass die neue Physik uns eine wissenschaftliche Basis für die Religion anbietet. Dies ist etwas Neues in der Geschichte der westlichen Zivilisation und wahrscheinlich werden wir die Auswirkungen davon in jedem Aspekt unseres Lebens spüren.“ Wir hören den Widerhall von dem was Schopenhauer im vorletzten Jahrhundert über die epochemachenden Auswirkungen der vedischen Mystik der Upanishaden auf das Denken der kommenden Zeitalter vorhersagte. Er sagte, „In der ganzen Welt gibt es kein Studium, das so nützlich und so förderlich ist, wie das der Upanishaden. Die Welt steht vor einer intensiveren und kraftvolleren Revolution des Denkens, als der sie bei der Renaissance der großen Literatur Zeuge war.“

 Will Durant schrieb in seinem letzten Buch Lessons of History, „Die Zivilisation schreitet westwärts voran.“ Schopenhauer machte die Vorhersage bevor Vivekananda in den Westen ging. Sie wurde durch das Erscheinen Vivekanandas wahr. Seine Interpretation der Advaita Vedanta tauchte als neues Paradigma und als neue Philosophie heutiger holistischer Wissenschaft auf.


[1] Charles Darwin, On the Origin of Species, (London and New York: Unit Library Ltd., 1902) S.462

[2] Edward Clodd, Pioneers of Evolution, (London: Watts & Co. 1903) S.75

[3] The Complete Works of Swami Vivekananda, (Mayavati Memorial Volume) Bd.6, S.41

[4] Pioneers of Evolution, S.91

[5] The Eye of Shiva, Amaury De Reincourt, S.190

[6] Complete Works, Bd.4, S.215 und Bd.2, S.130-131

[7] Mysicism and New Physics, Michael Talbot, Banatam Books, 1981, S.114-115

[8] Complete Works, Bd.6, S.207

[9] Rupert Shaldrake, The Presence of the Past (New York: James Books, 1.Auflage, 1988), S.211

[10] Ebd. S.211

[11] Stephen Hawking, A Brief History of Time: From Big Bang to the Black Holes (London, New York: Bantam Books, April 1988), S.174

[12] Ebd. S.175

[13] Complete Works, Bd.2, S.186-187

[14] Ebd., Bd.4, S.204

[15] Heinz R. Pagels, The Cosmic Code (New York, Bantam Books, 1983), S.41

[16] Swami Jitatmananda, Modern Physics & Vedanata (Bombay: Bharatiya Vidya Bhavan, 1986), S.79

[17] Ebd., S.71

[18] Ebd., S.71

[19] Complete Works, Bd.6, S.35

[20] Gary Zukov, The Dancing Wu Li Masters, (New York: Mcgraw Hill Paperbacks, 1979), S.330-331

[21] John Dobson, Advaita Vedanta & Modern Science, (Chicago, Illinois, Vivekanada Vedanta Society,                   1983),  S.3

[22] Complete Works, Bd.2, S.252

[23] William Hermanns, Einstein: The Man and the Poet, (Branden press, Inc. Brooklyn Village,                            M.A.1983), S.144

[24] Complete Works, Bd.7, S.77, 75

[25] Ebd., S.38

[26] Shankari Prasad Basu, Vivekananda and Samakalin Bharatavarsha, (Bengali), Mandal Bool House,                   Bd.2, S.41-42

[27] The Eye of Shiva, S.142

[28] Complete Works, Bd.6, S.34

[29] Ebd., Bd.6, S.5

[30] Ebd., Bd.6, S.4

[31] Rupert Sheldrake, The Presence of the Past, Times Books, USA (1988), S.266

[32] Robert Oppenheimer, Letters and Recollections, Edited by Alice Kimball Smith & Charles Weiner                    (Cambridge, Mass, Harvard University Press, 1980), S.325

[33] Edited by Ken Wilber, The Holographic Paradigm & Other Essays, (Shambhala Publications, 1982), S.242-248

[34] Interviews with Nobel Laureates & Other Scholars, (Bombay: The Bhakti Vedanta Institute, 1986),                   S.36-37

[35] Complete Works, Bd.3, S.241

[36] The Holographic Paradigm, Edited by Ken Wilber, Shambhala, 1982, S.242-248

[37] Edited by Satish Kumar, The Schumachre Lectures, London: Abacus Sphere Books, 1982, S.122-23

[38] Julian Huxley, Evolution: The Modern Synthesis, (London: Abacus Sphere Books, 1982), S.577-578

[39] Ebd., S.577-578

[40] Complete Works, Bd.1, S.XV

[41] Ebd., Bd.2, S.321 und Bd.3, S.370

[42] Complete Works, Bd.2, S.140

[43] Romain Rolland, Life of Swami Vivekananda, (Calcutta: Advaita Ashrama, Calcutta), S.XVI

[44] Ebd., Bd.1, S.XVI